Die Sache mit den großen Ereignissen und den Schatten, die sie vorauswerfen… Klingt abgedroschen. Doch hier triffts den Kern. Denn hinter den Kulissen wird mächtig gewerkelt und gebastelt. Durchaus auch handwerklich. Denn im Mittelpunkt der Ausstellung ICH SCHREIBE, WEIL…, die ab dem 17. Juli im Museum für Westfälische Literatur zu sehen ist, steht eine riesige Projektionswand, die derzeit von der Paderborner Künstlerin Emell Gökce in Handarbeit mit Pappmaché und viel Kleister gestaltet wird. Hier werden sie also zu sehen sein: 11 thematisch aufbereitete Video-Cuts mit 36 westfälischen Autorinnen und Autoren als Hauptdarstellern. Die Clips bilden den Extrakt aus über 25 Stunden Filmmaterial, das zwischen 2009 und 2011 von Thomas Strauch und seinem Team (IMT-Medien der Universität Paderborn) über jene Autorinnen und Autoren gedreht wurde. Erdacht und inhaltlich betreut wurde das Konzept von der LWL-Literaturkommission. Weiterlesen…
Jule Vernes „20000 Meilen unter dem Meer“ ist harmlos dagegen. Denn hier ist die Fiktion real oder genauer: halbreal. Bruno Gluchowski nahm eine Bergwerkskatastrophe im nordfranzösischen Kohlenrevier zum Anlass eines Hörspiels, das beklemmender nicht sein könnte. In „Der Durchbruch“ ist eine Kolonne Bergleute nach einem Grubenunglück in der Zeche Sommerdelle 700 Meter unter der Erde eingeschlossen. Die Kumpel wissen, was das bedeutet: Die Chance auf Rettung ist gleich null. Die Schicksalsgemeinschaft wird durch puren, nackten Lebenswillen zusammengehalten. Wie lange geht das gut? Welche Gruppendynamik entwickelt sich in einer solchen Extremsituation? Das Bergarbeiter-Hörspiel wird zu einem existentialistischen Drama. Weiterlesen…
Die Planungen für den zehnten Geburtstag des Kulturgut Nottbeck laufen auf Hochtouren. Für den 16./17. Juli erklären wir deshalb in weiser Voraussicht den kulturellen Ausnahmezustand. Das Haus wird zur Spielwiese für befreundete Autoren, Künstler und Musiker – und natürlich auch zur Flanier- und Verweilmeile für hoffentlich viele westfälische Kultur-Addicts. Geboten werden Lesungen, Performances und Musik – und das zwei Tage nonstop. Eine künstlerische Landnahme im wörtlichen Sinn: Lesungen im wunderschönen Apfelgarten, literarische Schlauchbootfahrten durch den „Festungsgraben“, eine Literaturlounge im Gartenhaus und verschrobener Stadionrock von den Erdmöbeln gibt es zu erleben. Am Sonntag startet die multimediale, von der LWL-Literaturkommission konzipierte Ausstellung „Ich schreibe, weil…“ im Museum für Westfälische Literatur. Schon mit Blick auf das Jubiläum wurden zwei Jahre lang 36 westfälische Autorinnen und Autoren interviewt, u.a. Fritz Eckenga, Wiglaf Droste, Harald Hartung, Tilman Rammstedt, Erwin Grosche, Frank Goosen, Ralf Thenior, Burkhard Spinnen und Judith Kuckart. Das Ergebnis: Eine Essenz aus über 15 Stunden Filmmaterial, als großformatige Videoinstallation, bei der Autorinnen und Autoren ins Gespräch kommen. In den folgenden Wochen werden wir hier im Blog, die befragten Autoren und weitere Künstler und Projekte vorstellen.
Steffen Stadthaus

Gustav Sack Ausstellung im Heinrich Heine Museum Düsseldorf 14.4 – 22.5.2011
Roberto Bolanos großer Roman 2666 führt uns ein in die Riten der „Archimboldianer“. Eine sektenmäßig-akademische Verschwörung zur Feier und Erforschung des Werks des fiktiven deutschen Schriftstellers Benno von Archimboldi. Die Archimboldi-Verschwörer jagen von Kongress zu Konferenz, verfassen Essays und Aufsätze, pflegen subtilste Beziehungsnetzwerke und begeben sich schließlich auf den Spuren Archimboldis auf eine existentielle Reise ins Herz der Finsternis. Die Aktivitäten der hiesigen Gemeinde der Sack-ianer sind zwar weniger weltumspannend und bedrohlich, aber auch ihre Mitglieder betreiben seit einiger Zeit selbstlos und mit unermüdlichem Einsatz Feier und Exegese des Sacks’schen Oeuvres. Ziel ist die Vermehrung seines literarischen Ruhms. Die Zahl der Fürsprecher dieses so immens spannenden expressionistischen Außenseiters ist ja leider immer noch sehr gering. Weiterlesen…
Schreibwelten-Erschriebene Welten. Beiträge zur Ausstellung zum 50. Geburtstag der Gruppe 61 vom 19.05.2011 – 03.07.2011 in Nottbeck
Im kommenden Monat ist es soweit: das Nottbecker Bauernland fällt in Arbeiterhand. Eine von Gertrude Cepl-Kaufmann, Jasmin Grande und Hanneliese Palm kuratierte Ausstellung zur Dortmunder Gruppe 61 und ihrer Literatur der Arbeitswelt gastiert in Nottbeck. Für uns ein Anlass, in den nächsten Wochen in einem Schwerpunkt literarische Highlights, Facts und Wissenwertes zur Gruppe 61 zu repräsentieren.
Beginnen wollen wir mit einem kurzen Hinweis auf eine vom Fritz-Hüser-Institut organisierte wissenschaftliche Konferenz zur Gruppenliteratur, die am letzten Wochenende im Dortmunder Rathaus stattfand. Weiterlesen…
Christoph Wenzel liest Adrian Kasnitz
Pils
Eine einzige Silbe, ein Fremder in diesem Landstrich
auf schmalem Fuß.
Ein goldner Leib, der sich unter den Griffen windet
ein junges Mädchen vor seiner Zeit.
An den Straßen, den Schienen liegt abgestreift die Haut.
Eine Büchse, eine Scherbe genügt
um die Taubheit aus den Fingern zu jagen. Mach ihn auf
den Kopf, füll ihn ab.
Das Klischee sagt: Der Westfale ist wortkarg, störrisch, muffig. Die Gedichte aus Adrian Kasnitz’ Band Den Tag zu langen Drähten sind westfälisch, und dies nicht nur insofern, als sie sich alle in Westfalen, seiner Landschaft, seinen Orten und seinen Eigenheiten bewegen. Weiterlesen…

Hannelies Taschau hat 1978 einen Roman über die miefige münsterländische Provinz und den Verrat an Idealen der 1968er Bewegung geschrieben. Das Museum für Westfälische Literatur stellt Buch und Autorin in der Reihe „lost/found“ vor.
ER ist Ende, SIE Anfang zwanzig. ER ein smarter, karrierebedachter Junglehrer, dem die Herzen nur so zufliegen. SIE eine introvertierte angehende Journalistin mit Hang zum Trübsinn. Gemeinsam haben sie einen folgenschweren Entschluss gefasst. Raus aus der Stadt, hinein ins Grün, in die münsterländische Provinz. Kann das gut gehen? Natürlich nicht. Weiterlesen…
Ab dem 19. Mai in diesem Theater: Die nächste Nottbeck-Ausstellung blickt zurück auf die Dortmunder „Gruppe 61“, die vor 50 Jahren gegründet wurde. Sie hat noch heute einen guten Klang
Man stelle sich das einmal vor: Ein aufrechter Dortmunder Bibliothekar trommelt am Karfreitag 1961, einem arbeitsfreien Tag, all jene Autoren zusammen, die a) im Ruhrgebiet leben und arbeiten und b) diesen ihren Arbeitsalltag literarisch gestalten. Es war eine kleine, fast handverlesene Schar Herren, die sich zu diesem Datum in ihre Anzüge geschmissen hatte, Herren meist schon älteren Semesters, größtenteils langjährige Freunde und Weggenossen jenes umtriebigen Dortmunder Bibliothekars Fritz Hüser, eines beispielhaften Organisators und Multiplikators, der in seinem „früheren Leben“ selbst im Bergbau und in Werkhallen gearbeitet hatte.
Ohne seine Unerschrockenheit, ohne sein nimmermüdes Talent als Motor und Inspirator, hätte es die später legendäre Gruppe 61 nie gegeben. Hüser war ihr Geburtshelfer, geistiger Vater, Mäzen und Pate. Weiterlesen…
In einer Sonderausstellung zeigt die LWL-Literaturkommission bis zum 1.5.2011 im Museum für westfälische Literatur eine Auswahl aus dem Werk des Künstlers und Buchdruckers Eric van der Wal. Bücher aus seiner Druckerpresse wollen mit Augen, Nase und Händen erfahren sein. Vom Leporello über Endlosbücher bis hin zu Buchschachteln mit Fundstücken vom Strand reicht van der Wals gestalterische Fantasie. Betreut wird sein Buchprogramm von dem westfälischen Lyriker und Lektor Hans Georg Bulla. In Kooperation mit der Literaturkommission schuf der Dortmunder Filmemacher Jens Mayer ein kurzweiliges Portrait zum runden 50. Jubiläum. Auf den Spuren van der Wals entführt er uns in die zeitenthoben wirkende Druckwerkstatt im Norden Hollands, gibt Einblick in die Ausstellung und entlockt Hans Georg Bulla spannende Details über nun schon über 25 Jahre währende gemeinsame Buchproduktion.
Bohème ist en vogue. Es scheint, als setze die als alternativlos betriebene Kapitalisierung der Lebensverhältnisse wieder Sehnsüchte nach einer anderen, richtigen, wahren Existenz frei. Das Versprechen vom richtigen, im – noch – falschen Leben verkörperten unzählige Bohème-Generationen seit der frühen Moderne. Zum Beispiel auch die amerikanische Beat-Generation, die gerade eine Wiederentdeckung erfährt: Jack Kerouacs klassisches literarisches Roadmovie „On the Road“ verlegte der Rowohlt Verlag in einem groß beworbenen „Directors Cut“ neu und Allen Ginsberg wurde zum Helden des Biopic „Howl“. Der richtige Zeitpunkt also, um – back to roots, quasi – an den wahren König aller Bohèmiens, an den westfälischen Autor Peter Hille, himself, zu erinnern. Im folgenden daher eine kleiner bohemistischer, ganz unliterarischer Leistungsvergleich, der fünf Gründe auflistet, warum man sich 2011 statt Ginsberg und Kerouac noch einmal mit dem „heiligen“ Dichter Peter Hille beschäftigen sollte: Weiterlesen…
Kochbücher waren nicht nur im Zeitalter der TV-Köche die Blockbuster des Buchmarkts. Die kulinarische Buchkultur boomte schon im 19. Jahrhundert. Der Autor Hans Dieter Treeck würdigt die Klassikerin dieses Genres, deren Auflagenzahlen selbst Jamie Oliver erblassen lassen würden. Die Rede ist von Henriette Davidis. Die Westfälin, der in ihrem Geburtsort Wengern/Ruhr ein eigenes Museum gewidmet ist, prägte mit ihren Kochbüchern und Erziehungsfibeln ganze Generationen deutscher Ess- und Erziehungskultur. Am 24.2 stellt Dieter Treeck zusammen mit der Schauspielerin Kriszti Kiss sein Davidis-Lesebuch vor, das 2011 in „Nylands kleiner westfälischer Bibliothek“ erschienen ist. Einen kulinarischen Appetizer bekommt die Lesung durch ein stilechtes 3-Gänge-Menü à la Henriette Davidis, serviert im KulturCafé Haus Nottbeck. Weiterlesen…
Wer wissen möchte, was ein Intimlurch, eine Jesuitenqueen oder ein Jetluder ist, der schlage…. nein, nicht im Duden, sondern bei Wiglaf Droste nach. In seinem neuen Band mit Aperçus und Uppercuts lässt der Autor seinen Blick schweifen und spießt auf, was einfach aufgespießt werden muss. Er räsoniert, fabuliert, stänkert, er regt sich auf und wieder ab – und das alles auf eine ganz spezielle, unnachahmliche Art und Weise. Er dichte aus Notwehr, hat Droste einmal gesagt, und weil’s ihm einfach Spaß mache. Und genau diese Lust an feinst gedrechselter Wortkunst ist ansteckend und entwaffnend. Während auf der anderen Seite schwere Geschütze aufgefahren und saure Zitronen verteilt werden – etwa an Guido Westerwelle, Till Schweiger oder Fernsehkoch Lafer.
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