Was war!

Greetings from Sackistan


Gustav Sack Ausstellung im Heinrich Heine Museum Düsseldorf 14.4 – 22.5.2011

Roberto Bolanos großer Roman 2666 führt uns ein in die Riten der „Archimboldianer“. Eine sektenmäßig-akademische Verschwörung zur Feier und Erforschung des Werks des fiktiven deutschen Schriftstellers Benno von Archimboldi. Die Archimboldi-Verschwörer jagen von Kongress zu Konferenz, verfassen Essays und Aufsätze, pflegen subtilste Beziehungsnetzwerke und begeben sich schließlich auf den Spuren Archimboldis auf eine existentielle Reise ins Herz der Finsternis. Die Aktivitäten der hiesigen Gemeinde der Sack-ianer sind zwar weniger weltumspannend und bedrohlich, aber auch ihre Mitglieder betreiben seit einiger Zeit selbstlos und mit unermüdlichem Einsatz Feier und Exegese des Sacks’schen Oeuvres. Ziel ist die Vermehrung seines literarischen Ruhms. Die Zahl der Fürsprecher dieses so immens spannenden expressionistischen Außenseiters ist ja leider immer noch sehr gering.

Um diesen Zustand zu ändern, möchten wir an dieser Stelle auf die jüngste Operation der Sack-ianer hinweisen: eine Gustav Sack-Ausstellung im Heinrich-Heine-Museum in Düsseldorf, der Heimstatt des humorvollsten und politisch-korrektesten deutschen Dichtergenies.
Besonders Stolz sind die Sack-ianer über die achtzig präsentierten Originalhandschriften ihres Dichterheroen. Der Literaturkritiker Lothar Schröder schreibt am 15.04. in der Rheinischen Post: „All die Briefe und Manuskriptblätter leben mit ihren Korrekturen, den Streichungen, den Verbesserungen, den Umstellungen.“ Die Materialien zeigen „wie Sack mit den Worten gerungen und nebenbei seine Zeit mit gekonnten Kritzeleien“ an den Blatträndern vertrieben habe. Sack war – um Schröder zu ergänzen – nicht nur ein literarisch getriebener, sondern er lebte auch ein fiebrig unstetes Leben: nie hatte er eine feste Schreibwerkstatt, nie eine dauernde Bleibe. Seine Werke entstanden heimlich in einer elterlichen Dachkammer, in Münchener Abstiegen, im Cafe Stefanie, während er 1914 als Fahnenflüchtiger durch das Schweizer Hochgebirge irrlichterte und in den vom Tod umwehten Schützengräben der Westfront. In Moleskine-Kladden auf abgerissenen Zetteln, Wirtshausrechnungen und in Feldpostbriefen (teilweise noch Lehmverschmiert) entstanden seine Außenseiter-Romane und Novellen. Wer diese, hier von einem Sack-ianer – in pathetisch-ergriffenen Tonfall besungenen – Zeugnisse eines tragischen Poeta Minore bewundern möchte, dem sei ein Besuch des Heine Museum ans Herz gelegt.

Wo: Heinrich-Heine-Institut, Bilker Straße 12-14, 40213 Düsseldorf
Wann: Öffnungszeiten: Di-So 11:00-17:00 Uhr, Sa 13.00-17.00 Uhr
Zum Abschluss der Ausstellung am 22.5.2011 um 11.00 liest Lars Helmer (Dramaturg und Schauspieler an der Burghofbühne-Dinslaken) aus Sacks Werk

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