August Stramm Brief an seine Frau Else Krafft 21. 3. 15 Frühlingsanfang! Sonntag! Sonne! Lerchen! Schüsse! Granaten! Flieger! Lehm! Halme! Gluten! Kühle! Man findet nicht mehr recht aus und ein! Lieb! Es ist eine seltsame Zeit. Schau ich übers Feld, so sehe ich grünen, wachsen, Hasen hupfen, Rebhühner streichen, Zwitschern, Singen, Jubilieren! Und dann pfeifen […]
August Stramm Brief an seine Frau Else Krafft 5. 3. 15 Nacht um mich! Ich sitze in einer Erdhöhle, kauere! Genannt Unterstand! Draußen klatschen die Kugeln und schleichen meine Patrouillen! Ich habe sie ermahnt: bringt mir einen tot oder lebendig! Ich muß auskundschaften, was für Truppen vor uns liegen! tot oder lebendig! […]
August Stramm Briefe an Nell und Herwarth Walden 30. 6. 15 Ihr Lieben Lieben. […] Urlaub gibt es nicht. Keine Möglichkeit. Und Krankheit heuchele ich nicht. Ich halte das eines deutschen Soldaten nicht für würdig. Und ein deutscher Dichter darf auch nicht fahnenflüchtig werden. Ihr kennt ja meine Auffassung. Ein Dichter kann wohl […]
August Stramm Kampfflur Glotzenschrecke Augen brocken wühles Feld Auf und nieder Nieder auf Brandet Sonne Steinet Sonne Und Verbrandet.
Paul Zech Brief an Stefan Zweig Nordfrankreich, den 12/7 1916 Mein lieber Freund, ich hatte nie geglaubt, daß die Hölle von Verdun noch zu überbieten gewesen wäre. Ich litt dort furchtbar. Nun es vorbei ist, darf es ausgesprochen werden. Aber nicht genug: nun sind wir an die Somme verschickt worden. Und hier ist alles gesteigert: […]
Paul Zech Genug … Genug! Belaubung sproßt … der Wald gilbt alt, aus blauem Licht wird weißes Wehn. Wir waren jung und sind schon kalt im rasenden Vorüberdrehn der Jahre zwischen Krieg und Krieg. Wir haben kein Einander mehr, der Alb, der unsern Schlaf bestieg, fraß unsere Seele mitleidleer, der Tag, der uns […]
Welche literarische Bedeutung kommt Paul Zech (1881–1946) zu? Paul Zechs literarisches Werk ist nur schwer greifbar. Bekannt wurde Zech vor allem durch seine Nachdichtungen aus dem Französischen von Werken Rimbauds und Villons. Viele kennen Kinskis Ich bin verrückt nach deinem Erdbeermund – das ist eine Nachdichtung Zechs. Daneben wird er als expressionistischer Arbeiterlyriker rezipiert. Aber […]
Paul Zech Unsere Nächte haben keine Schreie mehr Unsere Nächte haben keine Schreie mehr, voll von Falten brechen unsere Munde. Und doch reißt uns jede Stunde eine neue Wunde, tobt Verfall durch unsere Gehirne quer. Noch den Schlaf zu rufen haben wir nicht den Mut; das Blut vergreist … Weißt Du wirklich, was […]
Gustav Sack Brief an Paula Sack 31. XII. 1914, Nachmittag, im Graben von Hardécourt Warum schreibst Du nicht, mein Lieb? […] nachdem es heute nacht gefroren hatte, pinkelt es jetzt wieder, so ekelhaft dünn und grau und endlos – zum Heulen traurig. Und überall stürzen die mühsam wieder ausgebesserten Grabenwände ein – Sumpf, Dreck, […]
Patrouille Die Steine feinden Fenster grinst Verrat Äste würgen Berge Sträucher blättern raschlig Gellen Tod. August Stramm
Signal Die Trommel stapft Das Horn wächst auf Und Sterben stemmt Das Haupt durch flattre Sterben Sträubt Gehen Gehen Sträuben Geht Und geht und geht Und geht und geht Und geht und geht und geht und geht Geht Stapft Geht. August Stramm
Gustav Sack Brief an Paula Sack Göschenen, den 12. VIII. 1914 Mein liebes Kind, […] ich will über mein Leben selbst bestimmen […] weiter habe ich keine Lust, mich von übelriechenden Massensuggestionen unterkriegen zu lassen, ich habe kein Verlangen, mich dem beliebigsten Idioten gleichgestellt zu sehen als Vaterlandsverteidiger, von dessen Verteidigung Geschützfabriken und Spekulanten […]