Jule Vernes „20000 Meilen unter dem Meer“ ist harmlos dagegen. Denn hier ist die Fiktion real oder genauer: halbreal. Bruno Gluchowski nahm eine Bergwerkskatastrophe im nordfranzösischen Kohlenrevier zum Anlass eines Hörspiels, das beklemmender nicht sein könnte. In „Der Durchbruch“ ist eine Kolonne Bergleute nach einem Grubenunglück in der Zeche Sommerdelle 700 Meter unter der Erde eingeschlossen. Die Kumpel wissen, was das bedeutet: Die Chance auf Rettung ist gleich null. Die Schicksalsgemeinschaft wird durch puren, nackten Lebenswillen zusammengehalten. Wie lange geht das gut? Welche Gruppendynamik entwickelt sich in einer solchen Extremsituation? Das Bergarbeiter-Hörspiel wird zu einem existentialistischen Drama.
Realisiert wurde das Hörspiel 1954 vom WDR. Wie bei Orson Welles „Krieg der Welten“ (1938) war die Wirkung durchschlagend. Der Hörer wird gleichsam selbst zum Teil der eingeschlossenen Mannschaft und eines Traumas, das in Meuterei und Panik umzukippen droht. Aber auch als Theaterstück und Roman zog „Der Druchbruch“ Hunderttausende in den Bann.
Unter „Trivia“ sei vermerkt, dass der später allseits bekannte Kabarettist Jürgen von Manger in der der Person des Aufrührers Albert Dannert eine frühe Glanzrolle hatte. Damals war von Manger noch „Charakterschauspieler“ am Stadttheater Gelsenkirchen.
Der Durchbruch“ markiert einen Meilenstein in der Geschichte des westfälischen Hörspiels. Er gilt als „frühester Typus eines Ruhrgebietshörspiels“ und steht am Beginn eines später sehr erfolgreichen Sendeformats. Nicht zuletzt wurde „Der Durchbruch“ wegweisend für die Gründung der legendären Dortmunder „Gruppe 61“. Das Stück gilt als Musterbeispiel für eine gelungene Symbiose von sozialer Thematik und einer an der Wirklichkeit der Arbeitswelt orientierten Literatur.
Zu hören ist „Der Durchbruch“ ab dem 19. Mai – stilgetreu – in den „Katakomben“ des Museums für Westfälische Literatur als Teil der Ausstellung „Erschriebene Welten…
Parallel zur Ausstellung erscheint das Stück als Hörbuch in einer Koproduktion der LWL-Literaturkommission und des LWL-Landesmedienzentrums für Westfalen.



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