Lesungen

Literatur Live! No sleep `til Nottbeck

Die Planungen für den zehnten Geburtstag des Kulturgut Nottbeck laufen auf Hochtouren. Für den 16./17. Juli erklären wir deshalb in weiser Voraussicht den kulturellen Ausnahmezustand. Das Haus wird zur Spielwiese für befreundete Autoren, Künstler und Musiker – und natürlich auch zur Flanier- und Verweilmeile für hoffentlich viele westfälische Kultur-Addicts. Geboten werden Lesungen, Performances und Musik – und das zwei Tage nonstop. Eine künstlerische Landnahme im wörtlichen Sinn: Lesungen im wunderschönen Apfelgarten, literarische Schlauchbootfahrten durch den „Festungsgraben“, eine Literaturlounge im Gartenhaus und verschrobener Stadionrock von den Erdmöbeln gibt es zu erleben. Am Sonntag startet die multimediale, von der LWL-Literaturkommission konzipierte Ausstellung „Ich schreibe, weil…“ im Museum für Westfälische Literatur. Schon mit Blick auf das Jubiläum wurden zwei Jahre lang 36 westfälische Autorinnen und Autoren interviewt, u.a. Fritz Eckenga, Wiglaf Droste, Harald Hartung, Tilman Rammstedt, Erwin Grosche, Frank Goosen, Ralf Thenior, Burkhard Spinnen und Judith Kuckart. Das Ergebnis: Eine Essenz aus über 15 Stunden Filmmaterial, als großformatige Videoinstallation, bei der Autorinnen und Autoren ins Gespräch kommen. In den folgenden Wochen werden wir hier im Blog, die befragten Autoren und weitere Künstler und Projekte vorstellen.

Steffen Stadthaus

Was war!

Greetings from Sackistan


Gustav Sack Ausstellung im Heinrich Heine Museum Düsseldorf 14.4 – 22.5.2011

Roberto Bolanos großer Roman 2666 führt uns ein in die Riten der „Archimboldianer“. Eine sektenmäßig-akademische Verschwörung zur Feier und Erforschung des Werks des fiktiven deutschen Schriftstellers Benno von Archimboldi. Die Archimboldi-Verschwörer jagen von Kongress zu Konferenz, verfassen Essays und Aufsätze, pflegen subtilste Beziehungsnetzwerke und begeben sich schließlich auf den Spuren Archimboldis auf eine existentielle Reise ins Herz der Finsternis. Die Aktivitäten der hiesigen Gemeinde der Sack-ianer sind zwar weniger weltumspannend und bedrohlich, aber auch ihre Mitglieder betreiben seit einiger Zeit selbstlos und mit unermüdlichem Einsatz Feier und Exegese des Sacks’schen Oeuvres. Ziel ist die Vermehrung seines literarischen Ruhms. Die Zahl der Fürsprecher dieses so immens spannenden expressionistischen Außenseiters ist ja leider immer noch sehr gering. Weiterlesen…

Was war!

Bauernland in Arbeiterhand

Schreibwelten-Erschriebene Welten. Beiträge zur Ausstellung zum 50. Geburtstag der Gruppe 61 vom 19.05.2011 – 03.07.2011 in Nottbeck

Im kommenden Monat ist es soweit: das Nottbecker Bauernland fällt in Arbeiterhand. Eine von Gertrude Cepl-Kaufmann, Jasmin Grande und Hanneliese Palm kuratierte Ausstellung zur Dortmunder Gruppe 61 und ihrer Literatur der Arbeitswelt gastiert in Nottbeck. Für uns ein Anlass, in den nächsten Wochen in einem Schwerpunkt literarische Highlights, Facts und Wissenwertes zur Gruppe 61 zu repräsentieren.

Beginnen wollen wir mit einem kurzen Hinweis auf eine vom Fritz-Hüser-Institut organisierte wissenschaftliche Konferenz zur Gruppenliteratur, die am letzten Wochenende im Dortmunder Rathaus stattfand. Weiterlesen…

Bücher

Poetry Splits

Christoph Wenzel liest Adrian Kasnitz

Pils

Eine einzige Silbe, ein Fremder in diesem Landstrich
auf schmalem Fuß.
Ein goldner Leib, der sich unter den Griffen windet
ein junges Mädchen vor seiner Zeit.
An den Straßen, den Schienen liegt abgestreift die Haut.
Eine Büchse, eine Scherbe genügt
um die Taubheit aus den Fingern zu jagen. Mach ihn auf
den Kopf, füll ihn ab.

Das Klischee sagt: Der Westfale ist wortkarg, störrisch, muffig. Die Gedichte aus Adrian Kasnitz’  Band Den Tag zu langen Drähten sind westfälisch, und dies nicht nur insofern, als sie sich alle in Westfalen, seiner Landschaft, seinen Orten und seinen Eigenheiten bewegen. Weiterlesen…

Bücher

68, 69, aus

Hannelies Taschau hat 1978 einen Roman über die miefige münsterländische Provinz und den Verrat an Idealen der 1968er Bewegung geschrieben. Das Museum für Westfälische Literatur stellt Buch und Autorin in der Reihe „lost/found“ vor.

ER ist Ende, SIE Anfang zwanzig. ER ein smarter, karrierebedachter Junglehrer, dem die Herzen nur so zufliegen. SIE eine introvertierte angehende Journalistin mit Hang zum Trübsinn. Gemeinsam haben sie einen folgenschweren Entschluss gefasst. Raus aus der Stadt, hinein ins Grün, in die münsterländische Provinz. Kann das gut gehen? Natürlich nicht. Weiterlesen…

Was war!

Die Herren in den grauen Anzügen

Ab dem 19. Mai in diesem Theater: Die nächste Nottbeck-Ausstellung blickt zurück auf die Dortmunder „Gruppe 61“, die vor 50 Jahren gegründet wurde. Sie hat noch heute einen guten Klang

Man stelle sich das einmal vor: Ein aufrechter Dortmunder Bibliothekar trommelt am Karfreitag 1961, einem arbeitsfreien Tag, all jene Autoren zusammen, die a) im Ruhrgebiet leben und arbeiten und b) diesen ihren Arbeitsalltag literarisch gestalten. Es war eine kleine, fast handverlesene Schar Herren, die sich zu diesem Datum in ihre Anzüge geschmissen hatte, Herren meist schon älteren Semesters, größtenteils langjährige Freunde und Weggenossen jenes umtriebigen Dortmunder Bibliothekars Fritz Hüser, eines beispielhaften Organisators und Multiplikators, der in seinem „früheren Leben“ selbst im Bergbau und in Werkhallen gearbeitet hatte.

Ohne seine Unerschrockenheit, ohne sein nimmermüdes Talent als Motor und Inspirator, hätte es die später legendäre Gruppe 61 nie gegeben. Hüser war ihr Geburtshelfer, geistiger Vater, Mäzen und Pate. Weiterlesen…

Was war!

Bücherlust und Druckertrost. 50 Jahre Presse Eric van der Wal

In einer Sonderausstellung zeigt die LWL-Literaturkommission bis zum 1.5.2011 im Museum für westfälische Literatur eine Auswahl aus dem Werk des Künstlers und Buchdruckers Eric van der Wal. Bücher aus seiner Druckerpresse wollen mit Augen, Nase und Händen erfahren sein. Vom Leporello über Endlosbücher bis hin zu Buchschachteln mit Fundstücken vom Strand reicht van der Wals gestalterische Fantasie. Betreut wird sein Buchprogramm von dem westfälischen Lyriker und Lektor Hans Georg Bulla. In Kooperation mit der Literaturkommission schuf der Dortmunder Filmemacher Jens Mayer ein kurzweiliges Portrait zum runden 50. Jubiläum. Auf den Spuren van der Wals entführt er uns in die zeitenthoben wirkende Druckwerkstatt im Norden Hollands, gibt Einblick in die Ausstellung und entlockt Hans Georg Bulla spannende Details über nun schon über 25 Jahre währende gemeinsame Buchproduktion.

 

Was war!

Peter Hille. Bohemian Superstar

Bohème ist en vogue. Es scheint, als setze die als alternativlos betriebene Kapitalisierung der Lebensverhältnisse  wieder Sehnsüchte nach einer anderen, richtigen, wahren Existenz frei. Das Versprechen vom richtigen, im – noch – falschen Leben verkörperten unzählige Bohème-Generationen seit der frühen Moderne. Zum Beispiel auch die amerikanische Beat-Generation, die gerade eine Wiederentdeckung erfährt: Jack Kerouacs klassisches literarisches Roadmovie „On the Road“ verlegte der Rowohlt Verlag in einem groß beworbenen  „Directors Cut“ neu und Allen Ginsberg wurde zum Helden des Biopic „Howl“. Der richtige Zeitpunkt also, um –  back to roots, quasi –  an den wahren König aller Bohèmiens, an den westfälischen Autor Peter Hille, himself, zu erinnern. Im folgenden daher eine kleiner bohemistischer, ganz unliterarischer Leistungsvergleich, der fünf Gründe auflistet, warum man sich 2011 statt Ginsberg und Kerouac noch einmal mit dem „heiligen“ Dichter Peter Hille beschäftigen sollte: Weiterlesen…

Was war!

Die Jungfrau in der Küchenschlacht

Kochbücher waren nicht nur im Zeitalter der TV-Köche die Blockbuster des Buchmarkts. Die kulinarische Buchkultur boomte schon im 19. Jahrhundert. Der Autor Hans Dieter Treeck würdigt die Klassikerin dieses Genres, deren Auflagenzahlen selbst Jamie Oliver erblassen lassen würden. Die Rede ist von Henriette Davidis. Die Westfälin, der in ihrem Geburtsort Wengern/Ruhr ein eigenes Museum gewidmet ist, prägte mit ihren Kochbüchern und Erziehungsfibeln ganze Generationen deutscher Ess- und Erziehungskultur. Am 24.2  stellt Dieter Treeck zusammen mit der Schauspielerin Kriszti Kiss sein Davidis-Lesebuch vor, das 2011 in  „Nylands kleiner westfälischer Bibliothek“ erschienen ist. Einen kulinarischen Appetizer bekommt die Lesung durch ein stilechtes 3-Gänge-Menü à la Henriette Davidis, serviert im KulturCafé Haus Nottbeck. Weiterlesen…

Was war!

Auf sie mit Idyll. Ein Wiglaf-Droste-Buch und Nottbeck Shows.

Wer wissen möchte, was ein Intimlurch, eine Jesuitenqueen oder ein Jetluder ist, der schlage…. nein, nicht im Duden, sondern bei Wiglaf Droste nach. In seinem neuen Band mit Aperçus und Uppercuts lässt der Autor seinen Blick schweifen und spießt auf, was einfach aufgespießt werden muss. Er räsoniert,  fabuliert, stänkert, er regt sich auf und wieder ab – und das alles auf eine ganz spezielle, unnachahmliche Art und Weise. Er dichte aus Notwehr, hat Droste einmal gesagt, und weil’s ihm einfach Spaß mache. Und genau diese Lust an feinst gedrechselter Wortkunst ist ansteckend und entwaffnend. Während auf der anderen Seite schwere Geschütze aufgefahren und saure Zitronen verteilt werden – etwa an Guido Westerwelle, Till Schweiger oder Fernsehkoch Lafer.

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Was war!

Poetry

Christoph Wenzel

THTR

und endlich fällt der kühlturm
in den blick – ein echtes glücksgefühl:
ja das ist heimat nach den langen fahrten
zerfallen vom rücksitz die alphabete
in kennzeichen wir raten kilometerlang
die städte im stau eine art störfall
auf der bahn: ein munteres spiel mit tennis-
bällen lottokugeln aus graphit und bor
die sonne strahlt und wir brüten in raten
das heimweh aus man könnte ganze wüsten-
gebiete damit zubauen
und der kopf glüht rot
wie ein durchgebrannter reaktor im radio
ist das wetter die wichtigste nachricht
dieser tage zu hause gibt es gemüse in dosen
von bonduelle und becquerel in den wiesen
hängen die winde von osten im vergleich
nur ein wölkchen hier zum geburtstag
(da liegt nichts vor) gibts die geschenke
erst nachträglich: zerfallsprodukte
helium aus luftballons und ein echtes theater
ohne vokale

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Bücher, Was war!

zwischen weingummi, schokoriegeln und marmorkuchen. der SuKuLTuR-Verlag und seine lesehefte.

Schon eine bezwingende Idee: Der Suhrkamp-Verlag nährt sich dem Rentenalter und bietet zum Sechzigsten ein exklusives Raphael Horzon Regal, befüllt mit 800 bunt schillernden Bänden der geschichtsträchtigen „Edition“. Bitter nur: mit 5990 Euro ein Spass allein für professorale Besserverdiener. Abgeschaut hat Suhrkamp sich die Idee für diese monströse Schuberlösung bundesrepublikanischer Intellektuellenhistorie – so steht zu vermuten – vom Sukultur-Verlag, der schon seit einigen Monaten – zum juvenileren zehnjährigen Verlagsjubiläum – eine quietsch-gelbe, kurzweiligere und wahrscheinlich auch unterhaltsamere Sammleredition anbietet: die Sukultur-Box. Nummer eins bis hundert der verlagstypischen, knapp 20-seitigen Lesehefte, altogether. Weiterlesen…