Lesungen, Was läuft?

Nottbeck City Limits Vol. I

Nottbeck City Limits“ heißt unser neues Show-Format. Klingt origineller als „Jauch will Plasberg“. Und ist es auch: Nach einer nervigen Flut von Initiativbewerbungen aus dem öffentlich-rechtlichen Medien- segment, die um unseren Talk- master-Job buhlten, haben wir mit Wiglaf Droste einem der letzten Freigeister der Republik offeriert, dem Kulturgut als Conférencier zu dienen. Natürlich hat der dann gleich zugesagt. Premiere feiern wir am Samstag, den 24.09. 2011. Was genau passieren wird, hat er uns mit noch keiner Silbe wissen lassen. Außer, dass er mit Harry Rowohlt, einem wahren „Kracher“, einen ersten Gast im Gepäck hat, der geradezu wunderbar zum Profil und Programm des Hauses passt. Uns freut das natürlich – denn wir geben’s zu, dass Harry Rowohlt eigentlich schon immer eine Wunschbesetzung war. Weiterlesen…

Was war!

Preview der Nottbecker Lyrikedition „Roter Faden“

Falls Sie den Eindruck bekommen haben sollten, dieser Blog wird von einem Arbeiter-Gedenkverein betrieben, der sich wöchentlich zu Lesungen in historischer „blue-collar“-Tracht und Grubenlampen-Ambiente trifft, dann liegen sie ganz falsch: denn am kommenden Sonntag wagen wir wieder einen Sprung in das „Gerade Eben Jetzt“ und spüren den „Schreibweisen der Gegenwart“ (Eckard Schumacher) im Ruhrgebiet nach. Das Ganze live auf dem Kulturgut und zum Nachlesen in unserem neuen editorischen Leuchtturmprojekt, der Lyrikedition „Roter Faden“. Lyrik erlebt eine Renaissance, das spiegelt sich an den vielen jungen Talenten wieder, die die Aufmerksamkeit der Feuilletons genießen. Ein Trend, der auch im Ruhrgebiet zu beobachten ist. Die Lyriker/Innen Ellen Widmaier, Katharina Bauer, Ralf Thenior und Thomas Kade sind Teil einer vitalen Poetry-Szene in Dortmund und bestreiten zusammen die ersten vier Bände der Edition. Weiterlesen…

Bücher

Von Dichtern mit Staublungen

2011 ist das Jahr der Arbeiterliteratur und -dichtung. Nach der hier gezeigten Ausstellung zur Gruppe 61 und ihrer Erkundung eines untergegangenen Jahrzehnts, in denen Staublungen auf Farbfernsehen trafen und die Arbeit vor Kohle in den symbolischen Raum der Literatur abwanderte, hat die LWL-Literaturkommission nun noch einen Meilenstein der hiesigen Bergarbeiterdichtung aus den lichtlosen fünfziger Jahren ans Tageslicht befördert: Uwe-K. Ketelsen gibt die Neuauflage der Anthologie „Wir tragen ein Licht durch die Nacht“ von 1960 heraus. Der vorliegende Band wurde damals von einer pädagogisch-paternalistisch wirkenden, um hochkulturelle Bildung, bergbauliches Ethos und politische Mobilisierung bemühten Gewerkschaft initiiert.
Im Unterschied zur „modernen“, zeitkritischen Schreibe vieler Autoren der Gruppe 61, trifft man neben “Klassikern“ wie Paul Zech und Josef Winckler auch auf manch unbekannten jüngeren Autor und auf einen Untertage-Existentialismus, der tief in die erste Jahrhunderthälfte zurückweist. Weiterlesen…

Was war!

„Strange Kebab“

Ralf Thenior und Ralf Werner präsentieren klangvolle Minutengeschichten.

Nachdem uns Ralf Thenior am Jubiläumssamstag mit seinen balkanischen Impressionen beglückt hat, heißen wir den Dortmunder Schriftsteller schon diesen Donnerstagabend wieder willkommen. Im Team mit dem Cellisten und Komponisten Ralf Werner präsentiert er Auszüge aus seinem Story-Band „Strange Kebab“. Ein großes kleines Buch, voll poetischer Alltagsbeobachtungen im Minutenformat, das im Herbst im Aisthesis-Verlag erscheinen wird. Die Konzentration auf die Minutenlänge erlaubt kein Wort zu viel. Und fordert geradezu eine meisterhafte Pointierung. Anordnung und Varianz der Texte ergeben einen Reigen unterschiedlichster Spielformen, von der Selbstreflexion über hörspielartige Kurzszenen, direkte, oft gallige und spröde Humoresken und Grotesken bis hin zu „Familienarien“ und Texten, die vom Assoziativen und Wortspielerischen inspiriert sind. Weiterlesen…

Was war!

Ten Years After: Nottbeck feiert Geburtstag

Das Literatur auch outdoor geht, ist nun ein für allemal bewiesen. Beim zehnjährigen Jubiläum des Nottbecker Literaturmuseums hielten 30 westfälische Autoren und Künstler das alte Rittergut besetzt. In die weitläufige Gartenanlage waren Zelte und Bühnen gepflanzt. Wie indianische Wigwams ragten weiße Lesepavillons überall inmitten der Bäume und Rasenflächen auf. Eine sanftmütig-literarzistische Kolonialisation hatte stattgefunden. Von oben muss die Kulisse mal wie ein Lady Chatterly-, mal wie ein Winnetou-Set gewirkt haben. Die Dichter hatten es sich in ihren Pavillons bequem gemacht. Manche hatten Verstärkung und Equipment im Gepäck: Der Slammer Andreas Weber den DJ seines Vertrauens, der Dortmunder Beat-Poet Jürgen Wiersch seinen Sohn, den Bluesmusiker Rocco, Ralf Thenior den Cellisten und Soundtüftler Ralf Werner, der am Laptop balkanische Flusslandschaften im Nottbecker Park entstehen ließ. Weiterlesen…

Lesungen, Was läuft?

Literatur Live!

Markus Berges‘ liest am 16.7 in der Nottbecker Specs Op- Lounge aus seinem grandiosen Romandebüt

Wenn Musiker Bücher schreiben, geht das meist schief. Ganz anders bei Markus Berges, Gitarrist und Songschreiber der Band „Erdmöbel“. Für seinen ersten Roman „Ein langer Brief an September Nowak“ hat er sich viel Zeit gelassen – und alle Welt applaudiert. Zu Recht, denn Berges beweist, dass er nicht nur knappe Songlyrik schreiben kann, sondern auch den Atem für über 200 Buchseiten mitbringt.
„September Nowak“ erinnert auf den ersten Blick nicht an Erdmöbel-Songtexte. „Mit dem Buch wollte ich einfach etwas komplett anderes machen“, sagt Berges, „der Roman sollte auf keinen Fall erdmöbelig werden“. Also kein kalkulierter Pop-Roman, mit dem der Autor auf Nummer sicher ging. Was aber dann? Weiterlesen…

Lesungen, Museum, Was läuft?

Showtime!

Nur noch vier Wochen. Der Countdown läuft: Am 16./17. Juli feiern wir mit Ihnen das zehnjährige Bestehen des Museum für westfälische Literatur. Das Jubiläumsprogramm ist reich an Highlights: Mit einem Kinderfest am Samstagnachmittag geht’s los; ab 18 Uhr übernehmen westfälische Schriftsteller- und Künstlerfreunde das Kommando und verwandeln das Kulturgut in eine 5000 Quadratmeter-große Performance-Bühne. Anschließend sind Kommando Elektrolyrik und Erdmöbel mit ihrem verschroben-poetischen Deutschpop am Start. Eine Literatur-Lounge lädt zum Tanzen und Verweilen ein.
Am Sonntag geht’s superlativisch weiter: die multimediale Ausstellung »Ich schreibe, weil…« wird eröffnet. Der Bestseller-Autor Oliver Uschmann präsentiert in einer Literaturshow mehr als 20 Schriftsteller und Schriftstellerinnen. Geboten wird ein kurzweiliger, musikalisch untermalter Lese-Marathon.
26 Tage noch: Haben wir auch an alles gedacht? Wir glauben schon!
Hier schon mal ein filmischer Teaser:

 

Was war!

Yoga-los und froh dabei

Marc Degens auf Lit-Fest in Nottbeck

Als „kafkaisch-joyceanischer Strindberg der Generation X für Beckettleser, die gerne comiclesend fernsehen“, hat Dietmar Dath den Autor Marc Degens charakterisiert und damit ganz Dath-typisch ins Schwarze getroffen. Die Generation X gibt es zwar nicht mehr, in den Texten von Marc Degens aber hat sie glücklicherweise überlebt. Degens-Helden zappen in Schlafanzügen durch nachmittägliche Fernsehprogramme, flanieren in Vorortzügen durch Ruhrstadtperipherien und trinken in Eckkneipen Bier aus großen Gläsern. Hierbei besitzen sie ein beneidenswert yogaloses inneres Gleichgewicht. In Zeiten grassierender Burn-out-Symptomatik bringt sie nichts aus der Ruhe. Arbeitende Menschen tauchen in Degens Büchern gar nicht erst auf, ein eichendörffisches Hohelied über die Arbeitslosigkeit schon: Weiterlesen…

Was war!

Blow-Up im Ruhgebiet

Im vorigen Blog sind wir mit der kapitalistischen Trümmer-Literatur Max von der Grüns tief in die depressiven Restaurationsjahre abgetaucht. Doch die Gruppe 61 bestand nicht nur aus leidgeprüften älteren Männern in grauen Anzügen. Ab Mitte der sechziger Jahre traf man auf den Gruppentreffen vermehrt auf junge zornige Protagonisten mit langen Haaren, im Gammler-Look. Trotz aller habituellen Differenzen erkannten linke Weltverbesserer wie Peter Paul Zahl, F.C. Delius und Wolfgang Körner in der Gruppe 61 einen ernstzunehmenden Ort literarischer Protestkultur in der Bundesrepublik. Sie wurden warmherzig aufgenommen – von generationellen und einem kulturellen Clash gibt‘s in der Frühphase nicht viel zu berichten. Die neuen Autoren sorgten für literarisches Tauwetter. Roher Realismus hier, bunter Pop, Montage und Doku-Fiction dort koexistierten nun in den Gruppenanthologien friedlich nebeneinander. Die Klammer lautete Engagement und Protest.
Ihr grellstes Literatur-Erzeugnis verdankt die Gruppe 61 dem Dortmunder Schriftsteller Wolfgang Körner. Weiterlesen…

Bücher, Was war!

„Irrlicht und Feuer“

In der Gattung der Schwarz-Weiß-Literatur, soviel ist sicher, hätte sich Max von der Grün ebenso wie als Arbeiterschriftsteller einen Klassikerstatus redlich verdient. Seine Bücher wirken, als sei die Farbschriftstellerei erst lange nach ihnen erfunden worden. Aber ähnlich wie die Meister des Schwarz-Weiß-Films wusste er gekonnt mit der Farbreduktion umzugehen und entdeckte sie als Stilmittel für seine hyperrealistische und protestlerische Arbeiterliteratur. In seinem Roman „Irrlicht und Feuer“ von 1962, der jüngst in einer verdienstvollen neuen Max von der Grün-Werkausgabe des Pendragon-Verlags erschienen ist, kommt von der Grün ganz ohne Farben aus. Virtuos bespielt er hingegen die Klaviatur der Grautöne und entwirft eine desillusionierende Innenansicht der industriellen Arbeitswelt der frühen sechziger Jahre. Die konsequent schmutzige Grauzeichnung der Gesichter, des Himmel, der Siedlungen, Fabrikhallen und Bäume, die Anknüpfung an einen kompromisslosen Realismus mit Mut zur Hässlichkeit war ein literarisches Störfeuer; sein illusionslos-verloren wirkender Held Fohrmann ein Wiedergänger des Borchert‘schen Beckmanns in Wirtschaftswunderzeiten. Weiterlesen…

Was war!

Face to Face

Die Sache mit den großen Ereignissen und den Schatten, die sie vorauswerfen… Klingt abgedroschen. Doch hier triffts den Kern. Denn hinter den Kulissen wird mächtig gewerkelt und gebastelt. Durchaus auch handwerklich. Denn im Mittelpunkt der Ausstellung ICH SCHREIBE, WEIL…, die ab dem 17. Juli im Museum für Westfälische Literatur zu sehen ist, steht eine riesige Projektionswand, die derzeit von der Paderborner Künstlerin Emell Gökce in Handarbeit mit Pappmaché und viel Kleister gestaltet wird. Hier werden sie also zu sehen sein: 11 thematisch aufbereitete Video-Cuts mit 36 westfälischen Autorinnen und Autoren als Hauptdarstellern. Die Clips bilden den Extrakt aus über 25 Stunden Filmmaterial, das zwischen 2009 und 2011 von Thomas Strauch und seinem Team (IMT-Medien der Universität Paderborn) über jene Autorinnen und Autoren gedreht wurde. Erdacht und inhaltlich betreut wurde das Konzept von der LWL-Literaturkommission. Weiterlesen…

Was war!

Die nackte Angst. Gänsehaut-Hörspiel im Museumskeller

Jule Vernes „20000 Meilen unter dem Meer“ ist harmlos dagegen. Denn hier ist die Fiktion real oder genauer: halbreal. Bruno Gluchowski nahm eine Bergwerkskatastrophe im nordfranzösischen Kohlenrevier zum Anlass eines Hörspiels, das beklemmender nicht sein könnte. In „Der Durchbruch“ ist eine Kolonne Bergleute nach einem Grubenunglück in der Zeche Sommerdelle 700 Meter unter der Erde eingeschlossen. Die Kumpel wissen, was das bedeutet: Die Chance auf Rettung ist gleich null. Die Schicksalsgemeinschaft wird durch puren, nackten Lebenswillen zusammengehalten. Wie lange geht das gut? Welche Gruppendynamik entwickelt sich in einer solchen Extremsituation? Das Bergarbeiter-Hörspiel wird zu einem existentialistischen Drama. Weiterlesen…