1985 verfasste der französische Skandal-Chansonier und Mime Serge Gainsburgh das Buch „Die Kunst des Furzens. Das explosive Leben des Ivgeni Sokolov“. Und jetzt das hier: Wieder ein Tabubruch, ein Skandal: Jo Raketenpo ist in den Startlöchern und lässt seine Winde wehen, dass sich die Balken biegen. Also festhalten und anschnallen!
Pinkus Tulims Kinderbuch „Jo Raketenpo“ feierte im vergangenen Herbst seine Hörbuchpremiere im ehrwürdigen Nottbecker Gemäuer. Sprecher war Christoph Maria Herbst. Seine kongeniale Rezitation gab der Geschichte eines kleinen Jungen, der plötzlich von ganz besonderen übersinnlichen Kräften heimgesucht wird, eine wunderbare Farbe und ganz spezielles Kolorit. Eine weitere mediale Ebene bildeten die auf Großleinwand projizierten Buchillustrationen von „der Anton“ alias Anton Riedel.
Die Lesung zeigte einmal mehr: Gute Kinderliteratur ist immer auch gute Erwachsenenliteratur. Und wie wir wissen, ist es viel schwieriger, für Kinder zu schreiben als für die, die sowieso schon alles vermeintlich besser wissen. Kinder können auch die viel härteren Kritiker sein. Wenn ihnen ein Buch nicht gefällt, schmeißen sie es einfach in die Ecke. So what? Jo Raketenpo aber werden alle, ob 8 oder 80, ins Herz schließen. Er ist auf seine Weise ein Superstar. Er macht’s mit dem Duft der großen weiten Welt, der hier ausnahmsweise hält, was er verspricht.
Der in diesen Tagen erschienenen Buchfassung von „Jo Raketenpo“ ist aller Erfolg zu wünschen. Wie Pinkus Tulim in Nottbeck erzählte, sei ihm die Geschichte sozusagen durch die Finger geflutscht. Er habe sie in einem Rutsch niedergeschrieben. Diese Leichtigkeit, diese Anmut und auch: diese Unschuld merkt man dem Text an, der mit größter Selbstverständlichkeit durch Zeit und Raum mäandert und so ganz nebenbei die Schwerkraft ausschaltet und uns zuletzt in fremde Inselwelten entführt. Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten…
Walter Gödden
Pinkus Tulim: Jo Raketenpo. Lausbuch Kinderbüch 2011. 168 Seiten. 12,95 Euro. ISBN 978-3940273031.
All denjenigen, die auch heute noch beim Stichwort „Weihnachtsserie“ in Erinnerungen an glücklichere Kindheitstage schwelgen, sei kurz nach den Feiertagen eine Neu-Edition der Verfilmung der „Vorstadtkrokodile“ von Max von der Grün ans Herz gelegt. Die Erstausstrahlung flimmerte 1977 über die Bildschirme.
Das Grau der von der Grün’schen Staublungenliteratur ist in „Vorstadtkrokodile“ dem „Multicolor“ der Siebziger Jahre gewichen. T-Shirts, Autos, Markisen leuchten so knallig Orange und Grün, als sei die Ruhrgebiets-Wirklichkeit vor dem Dreh mit fettesten Buntstiften ausgemalt worden. Die Handlung ist – wie von der Grüns Vorlage – Jugendbuch-like: Die „Krokodiler“, eine Kinderbande, die einer kästnerisch wirkenden Vorstadtsiedlung entstammt, erleben ein detektivisches Abenteuer im Fünf-Freunde-Stil. Für alle Erinnerungsjunkies der Generation-Golf ist die Rahmenhandlung aber nebensächlich. Schon den ersten Bildern haftet die Wirkung verbotener Substanzen an, unerbittlich werden die Nostalgie-Rezeptoren der Erinnerungszonen befallen. Nach nur wenigen Filmsekunden wird man überwältigt und findet sich zurückversetzt in die Zeit der großen Ferien, die im Film wie ein Life on Mars für leidgeprüfte Kinderseelen wirkt.
Man wohnt einer Kunst des produktiven Nichtstuns bei, die in ihrer dargebotenen Formvollendung nur Kindern eigen ist, und dessen Glückverheißungen uns Erwachsene in tiefste Melancholie katapultiert. Die Zeit zieht sich wie Kaugummi, mäandert ähnlich ziellos wie die Handlungen der „Krodiler“, die in Schlangenlinien mit ihren Rädern durch die sommerliche Siedlung kurven oder beim Popeln gedankenverloren ihre Zeigefinger in den eigenen Nasenlöchern vergessen. Weiterlesen…
Nachts Mondfinsternis. Der Erdschatten rostbraun. Mit der westlichen, vom Schatten noch nicht erreichten, glänzenden Calotte, die als erhellt größer erschien als der beschattete Teil, strahlig verwischt turnte der Mond wie ein Algenschwärmer durch den hohen Himmel. Hinter ihm im Osten der Himmel blauschwarz mit zahllosen silbernen Sternen, vor ihm ein weißliches Graublau sternenarm. Als die Verfinsterung vollkommen, hing er wie eine rostbraune, im Erlöschen begriffene Papierfackel oben in der dunklen, lautlosen Nacht. Unbeschreiblich schöne und tiefe Stunden. Der Gedanke, so im All zu hängen, machte den Boden wanken unter den Füßen. Himmel wolkenlos, kalter Nordwest. Heute wieder in der Heide, ich habe Tannenzweige im Zimmer verbrannt, eine weihnachtliche, erhobene Stimmung durchwogte mich.
Gustav Sack, Tagebuch 1910, zit. nach Prosa, Briefe, Verse, 1962
Walter Gödden erkundet 400 Jahre westfälischer Literaturgeschichte.
In Walter Göddens unlängst erschienener Aufsatzsammlung zur westfälischen Literatur, „Querbeet. 72 literarische Erkundungen in Westfalen“, stehen sie ungezwungen und gleichberechtigt nebeneinander: die Klassiker, die Newcomer und die Unterhaltungsschriftsteller der westfälischen Literatur. Dass der Verfasser mit dem Titel „Querbeet“ augenzwinkernd auch auf die ländliche Grundsituation der hiesigen Literatur anspielt, ist zu vermuten. Provinz scheint einer literarischen Kultur aber nicht abträglich zu sein. Im Gegenteil: Sie bietet Reibungsflächen, ist Ursache von Verzweiflung, Unmut und Sehnsucht und reizt daher zu Widerspruch, Protest und Defätismus. Provinz wurde und wird so zur Antriebsfeder zahlreicher literarischer Karrieren. Der Zusammenhang zwischen provinzieller Herkunft und Rebellentum, zwischen Kleinstadtmuff und Avantgarde-Ambitionen kehrt als Thema in vielen der versammelten Aufsätze wieder. Literarische Außenseiter und Nonkonformisten sind es in der Mehrzahl, die Gödden in seinen Streifzügen durch 400 Jahre regionaler Literaturgeschichte – ursprünglich erschienen in Feuilleton und Ausstellungskatalogen – aufgreift. Auf die als bedrückend erfahrene geistige Enge der westfälischen Provinz antworteten zur Zeit der Jahrhundertwende Autoren wie Gustav Sack, Peter Hille und Paul Zech mit einer künstlerischen Rastlosigkeit und Verweigerungshaltung, die derjenigen von heutigen westfälischen Songschreibern wie Jochen Distelmeyer und Bernadette La Hengst nicht unähnlich ist. Die Frage nach zeitgenössischen Bedingungen künstlerischer Produktion in der Provinz durchzieht leitmotivisch auch weitere Texte des Bandes. Gödden liegt dabei nichts ferner als ein Plädoyer für eine vermeintlich heile Provinzliteratur. Angetan zeigt er sich vielmehr von den produktiven Energien, die entstehen, wenn künstlerisch ambitionierte Freigeister sich an den engen Verhältnissen in der Provinz reiben. Die Vielfältigkeit ihrer literarischen Unternehmungen dokumentiert dieser Band eindrücklich.
Walter Gödden: querbeet 3. 72 neue literarische erkundungen in westfalen.
2011, ISBN 978-3-89528-881-4, 499 Seiten, kart. EUR 19,80
Die drei haben mal wieder was Infernalisches ausgebrütet. Wobei ausgebrütet wörtlich zu nehmen ist. Denn glauben wir dem Vorwort, entstand die Idee zu dem Band „Gemüse“ beim gemeinsamen Saunagang von Wiglaf Droste, Nikolaus Heidelbach und Vincent Klink. Drei Männer im besten Alter, 400 Kilo Lebendgewicht, das garantiert Schärfe, Würze und porentiefes Aroma. Es geht aber nicht nur um Paprika und Chilischoten, sondern auch um andere Schoten, nämlich Kalauereien und abgedrehten Wortwitz. Scharfzüngiges also, das kulinarische Genüsse und Reflexionen über Gott und die Welt gleichermaßen süffisant und appetitlich macht. Wer wusste zum Beispiel, dass Hai und Tiger inzwischen Menschenfleisch verschmähen, weil es zu kontaminiert ist? Ein Buch voller kulinarischer Weisheiten also, von Nikolaus Heidelbach kongenial illustriert, von Vincent Klink mit allerlei erlesenen Rezepten gewürzt – und Wiglaf Droste, ja, das weiß man, bringt mal wieder den richtigen Pfeffer an die Soße, sprich spitzbübische Boshaftigkeit, getreu dem von ihm selbst zitierten Motto: „Risiko ist mein Geschäft“. Zu schön, um wahr zu sein, und demnächst live auf der Nottbecker Torhausbühne zu erleben.
Walter Gödden
Wiglaf Droste, Nikolaus Heidelbach und Vincent Klink: Gemüse, DuMont, Köln, 2011, (ISBN 978-8321-9652-3)
Wer Radio hört, stolpert über sie. Und wundert sich. Das Format ist eigenwillig, schräg, unberechenbar – und immer unterhaltsam. Die Rede ist von Kurzhörspielen. Sie setzen ebenso schillernde wie erhellende radiophone Akzente. Die Spots dauern oft nicht länger als eine Minute und sind thematisch offen. Bei der Realisierung kommen alle tontechnischen Spielarten zum Einsatz.
„Shortcuts“ möchte westfälische Autorinnen und Autoren auf solche literarischen Abenteuerspielplätze locken. Dies soll in Form eines Wettbewerbs geschehen. Die zehn besten Beiträge werden prämiert und tontechnisch professionell realisiert. Das Einsprechen der Texte erfolgt durch bekannte TheaterschauspielerInnen. Die 10 Siegerbeiträge werden in Form einer öffentlichen Präsentation im Museum für Westfälische Literatur vorgestellt. Sie werden außerdem auf einer CD sowie im Internet veröffentlicht. Es werden drei Beiträge prämiert: 1. Preis 1.000 Euro / 2. Preis 500 Euro / 3. Preis 300 Euro. Weiterlesen…
Am 1. November verstarb mit Siegfried Kessemeier ein Autor und Literaturfreund, der maßgeblich an der Konzeption unseres Museum mitgewirkt hat. Sein Tod hinterlässt eine bleibende Lücke im westfälischen Kulturleben. Es ist gerade einmal ein Jahr her, da hatten wir mit Siegfried Kessemeier ein Interview im Rahmen des Projekts „Ich schreibe weil…“, in dem er auch von seinen aktuellen literarischen Plänen erzählte. Und das waren nicht wenige. Siegfried Kessemeier steckte immer voller Tatendrang, was auch mit seinen vielen (Neben-)-Berufen zu tun hat. Er war gelernter Publizist und Historiker, aber ebenso, wie er selbst sagte, „begeisterter Museumsmann“ und als solcher ein Freund der alten wie der modernen Künste. Seine eigentliche Passion aber war die Literatur. Er gab drei eigene Gedichtsammlungen heraus, ist in zahllosen Anthologien vertreten und hatte keine Berührungsängste, mit jungen Jazzern zusammenzuarbeiten.
Kessemeier war geradezu die Inkarnation eines homme de lettres. Weiterlesen…
We proudly present: Den Nottbeck-Jubiläumsfilm zum 10-Jährigen, aufgenommen am 16. und 17. Juli 2011. Ein ganz großes Dankeschön an den Filmemacher Jens Mayer, der unendlich viel Zeit und Mühe in das Projekt investierte. Ins Bild gerückt werden: Katharina Bauer, Markus Berges, Oliver Breitenstein, Simon Camatta, Serge Corteyn, Marc Degens, DJ AT, Emanuel Fleischhacker, ERDMÖBEL, Erwin Grosche & die Flamingos, Jan Klare, Nicolai Kobus, Kommando Elektrolyrik, Ruppe Koselleck, Thomas Krüger, Ivette Vivien Kunkel, Sulaiman Masomi, Helmut Rellergerd, Ralph Ruthe, S. J. Schmidt, Oliver Siegel, Ilse & Ulrich Straeter, Ralf Thenior, Jutta & Jan-Christoph Tonigs, Mischa Sarim-Vérollet, Andy Strauß, Stephan US, Oliver Uschmann, Andreas Weber, Christoph Wenzel, Ralf Werner, Jürgen & Rocco Wiersch, YOU ARE SO ME, Literatur-Lounge: SpecOps.
Einst entsandte Grimmelshausen seinen Simplicissimus ins Reckenland Westfalen, um sich hier umzuschauen. Nun schlüpft der Poetry-Slammer Mischa-Sarim Vérollet in die Rolle eines bayerischen Aliens, um Westfalen mit neuem Blick kennen zu lernen.
Leo ist Franke. Und hat einen sprechenden, störrischen Rucksack, Paul. Was er nicht mehr hat, ist Frida. Die hat ihm den Laufpass gegeben. Will eine Auszeit nehmen, weil’s in der Beziehung kriselt. Aus ihrer Sicht. Leo sieht das ganz anders. Er will unbedingt mit Frida ein klärendes Gespräch führen, das alles wieder ins rechte Lot rückt. Doch Frida ist fort. Nicht im fernen Thailand, wohin ihre Flucht vor dem ungestümen Leo zunächst gehen sollte, sondern ausgerechnet in einer – für Franken – terra incognita: WESTFALEN. Und genau dorthin macht sich Leo auf, um Frida wieder in die Arme zu schließen. Doch er hat Pech. Immer kommt er einen Tick zu spät, um Frida zu erwischen. Wie Hase und Igel. Oder so ähnlich.
So ist Leo auf Manu, die gemeinsame Freundin, angewiesen. Sie versorgt ihn mit den aktuellen Koordinaten von Fridas jeweiligen Aufenthaltsorten. Und schwupps schultert Leo seinen Rucksack und nimmt die Witterung wieder auf, so blauäugig wie einst Voltaires Candide, der nicht zufällig aus hiesigen Breiten stammt.
So viel zur Rahmenhandlung. Die Binnengeschichte zeigt Leo The Conquerer. Er erobert Westfalen auf seine Weise: Erotisch (die Girls fliegen ihm nur so zu), kulinarisch (da hat es ihm vor allem die Currywurst angetan) und alkoholisch (bei seinem Beziehungsfrust lässt er keine Biersorte und nichts Hochprozentiges aus). Weiterlesen…
Beckumer Berge, Stromberger Schweiz. Erstaunlich, was das als so flach geltende Münsterland topographisch und toponymisch so zu bieten hat. Sogar eine Höhenburg gibt es hier ganz in der Nähe von Haus Nottbeck, das mich zur Zeit für einige Tage beherbergt und mir einen Raum (und Gegend!) zum Schreiben bietet. Die höchste Kuppe dieses Massivs befindet sich auf übersichtlichen 174,4 m über N.N. In unmittelbarer Nähe meines Wohnortes Aachen liegt der Vaalserberg, die höchste Erhebung der Niederlande, mit 332,7 m über N.N ist sie ähnlich üppig.[1] Dort treffen Belgien, die Niederlande und Deutschland aufeinander. In diesem Umfeld liegt meine, wie man landläufig sagen würde, ‘zweite Heimat’. Vor mehr als 12 Jahren bin ich dem Bindestrich NRWs (in entgegengesetzte Richtung) entlang dorthin umgezogen.
Wenn es soetwas wie eine zweite Heimat gibt, dann muss es auch eine erste geben. Ob die Ordnungszahl eine chronologische Angabe ist oder etwas über die Prioritäten aussagen soll, bleibt offen. Fast immer spricht man von Heimat in der Einzahl, sehr viel seltener hingegen von ‘Heimaten’. Vermutlich würde es das aber sehr viel eher treffen. Gerne – und nicht ganz ohne Koketterie – bezeichne ich mich als einen Exilwestfalen im Rheinland. Für den indigenen Oecher, wie der Aachener sich selbst nennt, ist wohl auch kaum zu überhören, wo ich wechkomme. Auch wenn sich nach über einer Dekade Leben im Rheinland sprachlich einiges verschliffen und anderes eingeschlichen hat, lässt sich nicht leugnen, dass ich den oecher Singsang höchstens nachahmen kann, aber nicht spreche. Weiterlesen…
– kann es eine plausiblere Antwort auf die unheilschwangere Frage geben: „Und du, was willst du mal später mal machen?“
„Irgendwas mit Kunst!“ – das hätten auch die beiden Hauptprotagonisten aus Marc Degens Roman „Das kaputte Knie Gottes“ auf die Frage aller Fragen geantwortet. Beide sind Studenten an der Bochumer Ruhr-Uni (die offensichtlich ein gutes Pflaster für Literatur ist, siehe auch die Romane Oliver Uschmanns), beide schlagen sich irgendwie durchs Leben, lassen sich treiben, sind hin- und hergerissen zwischen Wünschen und Wollen. Das Studium wird eher halbherzig durchgezogen, man verbummelt seine Zeit mit Partys, Drogen, Frauengeschichten, tausenderlei anderen, teilweise obskuren Alltagsvergnügungen. Und irgendwie klappt es ja doch, irgendwie bekommt man, wie auch immer, das nötige Kleingeld fürs Überleben zusammen – und sei es als Kartenabreißer in einem Porno-Kino. Weiterlesen…
An dieser Stelle möchten wir passend zum Bücherherbst neue Romane westfälischer Autoren vorstellen. Den Anfang macht der schon im letzten Jahr erschienene Roman „Katzenberge“ der in Münster lebenden Autorin Sabrina Janesch.
Es spukt in Sabrina Janeschs Debütroman „Katzenberge“. Gespenster allenthalben: im Dämmerlicht erobern sie die Lichtungen und Felder und tanzen den Großeltern der Erzählerin vor der Nase herum. Die Gegend der Katzenberge im ehemaligen Schlesien, in die es jene nach ihrer Vertreibung aus Galizien verschlug, strahlt eine unheimliche, beängstigende Atmosphäre aus. Bis klar wird, dass hier keine echten Kobolde und Geister hausen, drohen auch uns Lesern die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Geisterwelt auf beunruhigende Weise zu verschwimmen. Diese Erfahrung teilen wir mit den entwurzelten Großeltern, die verzweifelt im ostpolnischen Volkglauben die Erklärung für die übersinnlich anmutenden Erscheinungen suchen. Man übt sich in Exorzismen, nagelt Eulen an die Haustür, bedeckt die Dielen mit Kräutermischungen. Die Ursache für die rätselhaften Geschehnisse erweist sich schließlich als profaner, doch nicht weniger kompliziert. Es sind die sprichwörtlichen Geister einer unbewältigten Vergangenheit, die die Alten seit Jahrzehnten in Atem halten. Weiterlesen…