Nachts Mondfinsternis. Der Erdschatten rostbraun. Mit der westlichen, vom Schatten noch nicht erreichten, glänzenden Calotte, die als erhellt größer erschien als der beschattete Teil, strahlig verwischt turnte der Mond wie ein Algenschwärmer durch den hohen Himmel. Hinter ihm im Osten der Himmel blauschwarz mit zahllosen silbernen Sternen, vor ihm ein weißliches Graublau sternenarm. Als die Verfinsterung vollkommen, hing er wie eine rostbraune, im Erlöschen begriffene Papierfackel oben in der dunklen, lautlosen Nacht. Unbeschreiblich schöne und tiefe Stunden. Der Gedanke, so im All zu hängen, machte den Boden wanken unter den Füßen. Himmel wolkenlos, kalter Nordwest. Heute wieder in der Heide, ich habe Tannenzweige im Zimmer verbrannt, eine weihnachtliche, erhobene Stimmung durchwogte mich.
Gustav Sack, Tagebuch 1910, zit. nach Prosa, Briefe, Verse, 1962



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