Paul Zech Unsere Nächte haben keine Schreie mehr Unsere Nächte haben keine Schreie mehr, voll von Falten brechen unsere Munde. Und doch reißt uns jede Stunde eine neue Wunde, tobt Verfall durch unsere Gehirne quer. Noch den Schlaf zu rufen haben wir nicht den Mut; das Blut vergreist … Weißt Du wirklich, was […]
Gustav Sack Brief an Paula Sack 31. XII. 1914, Nachmittag, im Graben von Hardécourt Warum schreibst Du nicht, mein Lieb? […] nachdem es heute nacht gefroren hatte, pinkelt es jetzt wieder, so ekelhaft dünn und grau und endlos – zum Heulen traurig. Und überall stürzen die mühsam wieder ausgebesserten Grabenwände ein – Sumpf, Dreck, […]
Patrouille Die Steine feinden Fenster grinst Verrat Äste würgen Berge Sträucher blättern raschlig Gellen Tod. August Stramm
Signal Die Trommel stapft Das Horn wächst auf Und Sterben stemmt Das Haupt durch flattre Sterben Sträubt Gehen Gehen Sträuben Geht Und geht und geht Und geht und geht Und geht und geht und geht und geht Geht Stapft Geht. August Stramm
Gustav Sack Brief an Paula Sack Göschenen, den 12. VIII. 1914 Mein liebes Kind, […] ich will über mein Leben selbst bestimmen […] weiter habe ich keine Lust, mich von übelriechenden Massensuggestionen unterkriegen zu lassen, ich habe kein Verlangen, mich dem beliebigsten Idioten gleichgestellt zu sehen als Vaterlandsverteidiger, von dessen Verteidigung Geschützfabriken und Spekulanten […]
Welche literarische Bedeutung kommt Gustav Sack (1885–1916) zu? Sack war eher ein Außenseiter und Einzelgänger. Aber es gab zu allen Zeiten Kritiker und Literaten, die sein Werk gewürdigt und es in einem Atemzug mit dem Georg Heyms und Georg Trakls genannt haben; man hat sein Werk wegen der „immanenten Sprengkraft“ aber auch mit dem Büchners, […]
He! da oben! lachen! ich lache! drei Tage stürzen! brüllen! drei Tage Jahre Ewigkeiten! und bist noch nicht zerstürzt! verfluchter Himmel! Blaubalg! pafft Zigarren und stiebt Asche. alles zusammen. den Graben. Schützengraben. Schutz. Grab. die Stellung wird gehalten bis zum letzten Mann! vorwärts Jungens. das Blaugespenst klimmt rote Augen auf. rot. feuerrot. verschlafen. der Tag […]
Nachdem es vierunddreißig Stunden lang ununterbrochen geregnet hatte und es in unserem Graben ein knietiefes Waten war wie in einem dünnen Chokoladenpudding oder in einem noch zu wässerigen, noch nicht ganz backfertigen Kuchenteig, zerriß gegen Abend plötzlich der Wind den träufelnden Wolkenteppich und hastete die blaugrauen Fetzen in ungeheuren klobigen Brocken davon; und die […]
In Ketten durch Rumänien. Andeutungen (1916) Am Abend weiter, die Füße wie schwere Eisklumpen in dem tiefen mit Schneewasser gemischten Straßenschlamm, aber der Schnee hat das schwache Geäst der Pflaumen- und Weidenbäume am Weg mit dem Gewicht seiner drei Finger dicken Kruste niedergebeugt, so, daß wir in unseren schwarzen Reihn hinmarschieren wie in […]
Am 5. März waren sie zum zweiten Mal in Nottbeck zu Gast, die Sprechduettisten/-duellisten/-artisten Julia Trompeter und Xaver Römer. Und zeigten es dem Publikum und auch sich selbst. Wie in einem Wettstreit: Du, nein ich, nein du… ja, wer hat denn nun das Sagen? Wie im wirklichen Leben also, wo es ja auch schon mal […]
Sturmangriff (1914) Aus allen Winkeln gellen Fürchte Wollen Kreisch Peitscht Das Leben Vor Sich Her Den keuchen Tod Die Himmel fetzen. Blinde schlächtert wildum das Entsetzen. August Stramm
Brief an Nell und Herwarth Walden 14. 2. 15 Ihr Lieben Lieben! Die Welt braust. Mein Kopf mir ist alles platzt. Ich habe jetzt sechs schwere Gefechtstage hinter mir. Der furchtbarste war gestern der 13. Du hast mal gesagt, man kann sich alles vorstellen. Du hast Recht. Alles. Aber vorstellen und das Vorgestellte erleben, […]