In Ketten durch Rumänien. Andeutungen (1916)
Am Abend weiter, die Füße wie schwere Eisklumpen in dem tiefen mit Schneewasser gemischten Straßenschlamm, aber der Schnee hat das schwache Geäst der Pflaumen- und Weidenbäume am Weg mit dem Gewicht seiner drei Finger dicken Kruste niedergebeugt, so, daß wir in unseren schwarzen Reihn hinmarschieren wie in einem Park riesiger weißer Palmen und Farne – Kolonnen, lange Trupps Gefangener, Autos, vormarschierende Truppen, Meldereiter – Lagerfeuer allerorts – fröhliche (nach dem Erfolg) Stimmung überall –, sie werfen auf die weißen Palm- und Farnwedel über ihnen und auf die bewaldeten Höhn rosige Lichter und seltsam märchenartige Reflexe. Das Artilleriegedröhn und Maschinengewehrgeknatter, das uns die schwarzen Reihen der Gefangenen gebracht hat, hat aufgehört und durch die Nebeldecke, die den Tag über den Schnee auf uns geworfen hat, bricht ein einzelner Stern, klar und scharf – nun wird es frieren die Nacht, Schnee hart – Knirschen. Bei einer Sägemühle, im Süden zwischen den Berghängen ein drohend roter zuckender Schein („wie eine Blutwelle schlägt rhythmisch der Glutschein durch den tödlichen Dunst“), der sich, heller und rosig werdend über den ganzen Süden verbreitet – brennendes Dorf. Als ich in der Nacht durch einen Traum (Verwundung), verursacht durch den Abschuß der nahen Haubitzen, aufwachte, – hart und kalt die Sterne. Am nächsten Tag der Schnee gefroren, Marsch durch die Kälte, in Stellung, Angriff über weites verschneites Gelände – Flankenfeuer – im Maschinengewehrfeuer – Aufschläge rings um mich – seltsames Wehen der Maschinengewehr-Garben über mir – das feindliche Sperrfeuer mitten in die Schützenlinie – drei, vier bleiben nach einer Granate liegen – Abends auf einem von Pflaumenbäumen bestandenen Höhenrücken – schneit wieder. Dreckige Hütten – Hunde, Katzen, ein paar übrig gebliebene Hühner und Schweine – Schieße selber mit. […]
Gustav Sack




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