Welche literarische Bedeutung kommt Gustav Sack (1885–1916) zu? Sack war eher ein Außenseiter und Einzelgänger. Aber es gab zu allen Zeiten Kritiker und Literaten, die sein Werk gewürdigt und es in einem Atemzug mit dem Georg Heyms und Georg Trakls genannt haben; man hat sein Werk wegen der „immanenten Sprengkraft“ aber auch mit dem Büchners, […]
He! da oben! lachen! ich lache! drei Tage stürzen! brüllen! drei Tage Jahre Ewigkeiten! und bist noch nicht zerstürzt! verfluchter Himmel! Blaubalg! pafft Zigarren und stiebt Asche. alles zusammen. den Graben. Schützengraben. Schutz. Grab. die Stellung wird gehalten bis zum letzten Mann! vorwärts Jungens. das Blaugespenst klimmt rote Augen auf. rot. feuerrot. verschlafen. der Tag […]
Nachdem es vierunddreißig Stunden lang ununterbrochen geregnet hatte und es in unserem Graben ein knietiefes Waten war wie in einem dünnen Chokoladenpudding oder in einem noch zu wässerigen, noch nicht ganz backfertigen Kuchenteig, zerriß gegen Abend plötzlich der Wind den träufelnden Wolkenteppich und hastete die blaugrauen Fetzen in ungeheuren klobigen Brocken davon; und die […]
In Ketten durch Rumänien. Andeutungen (1916) Am Abend weiter, die Füße wie schwere Eisklumpen in dem tiefen mit Schneewasser gemischten Straßenschlamm, aber der Schnee hat das schwache Geäst der Pflaumen- und Weidenbäume am Weg mit dem Gewicht seiner drei Finger dicken Kruste niedergebeugt, so, daß wir in unseren schwarzen Reihn hinmarschieren wie in […]
Sturmangriff (1914) Aus allen Winkeln gellen Fürchte Wollen Kreisch Peitscht Das Leben Vor Sich Her Den keuchen Tod Die Himmel fetzen. Blinde schlächtert wildum das Entsetzen. August Stramm
Brief an Nell und Herwarth Walden 14. 2. 15 Ihr Lieben Lieben! Die Welt braust. Mein Kopf mir ist alles platzt. Ich habe jetzt sechs schwere Gefechtstage hinter mir. Der furchtbarste war gestern der 13. Du hast mal gesagt, man kann sich alles vorstellen. Du hast Recht. Alles. Aber vorstellen und das Vorgestellte erleben, […]
Welche literarische Bedeutung kommt August Stramm (1874–1915) zu? August Stramm ist der bekannteste der von uns ausgestellten Autoren. Stramm gilt als bedeutendster Lyriker des Kriegs. Er hat die Lyrik geradezu revolutioniert, indem der die Sprache zertrümmerte. Aus Verben wurden Substantive, aus Adjektiven Verben usw. Viele Verse bestehen nur aus einem einzelnen Wort. Das […]
August Stramm Angststurm (1915) Grausen Ich und Ich und Ich und Ich Grausen Brausen Rauschen Grausen Träumen Splittern Branden Blenden Sterneblenden Brausen Grausen Rauschen Grausen Ich.
Brief an Nell und Herwarth Walden 10. 2. 15 Ihr Lieben Lieben! […] Tag und Nacht knattert das Gewehrfeuer und darüber fort die Granaten. Aber es läßt alles so kalt als müßte das sein und wäre man es nie anders gewöhnt. Der Mensch ist ein seltsames Geschöpf. Tier und Gott. Alles in einem. Die Dörfer […]
August Stramm Haidekampf (1915) Sonne Halde stampfen keuche Bange Sonne Halde glimmet stumpfe Wut Sonne Halde sprenkeln irre Stahle Sonne Halde flirret faches Blut Blut Und Bluten Blut Und Bluten Bluten Dumpfen tropft Und Dumpfen Siegt und krustet Sonne Halde flackt und fleckt und flackert Sonne Halde blumet knosper Tod.