Brief an Nell und Herwarth Walden
10. 2. 15
Ihr Lieben Lieben!
[…] Tag und Nacht knattert das Gewehrfeuer und darüber fort die Granaten. Aber es läßt alles so kalt als müßte das sein und wäre man es nie anders gewöhnt. Der Mensch ist ein seltsames Geschöpf. Tier und Gott. Alles in einem. Die Dörfer sind hier alle zerschossen und werden von uns wohnlich geflickt bis die nächste Granate kommt. Ich habe sogar ein Bett! Denkt Euch! Fabelhafter Luxus! Mein Bart war schon stattlich gewachsen, er hätte Euch sicher imponiert. Ich habe ihn aber wegen der verdächtigen Bewohner, deren man nicht ganz sicher ist, wieder abnehmen lassen. Auch den Kopf vollständig kahl geschoren. Parole Läuse! Heute habe ich aber gebadet. Ich habe es auf alle Gefahr hin gewagt, mich auszukleiden. Glücklicherweise kam kein Alarm. Ach Kinder, manches kann man sich denken, aber sich doch nicht vorstellen! […]
Viele herzliche innige Grüße
von Eurem August Stramm




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