Was war!

Schreiben ist das Spannendste

„Ohne Disziplin geht gar nichts. Dabei ist meine Disziplin gar nicht übertrieben.
Ich versuche sozusagen, jeden Tag etwas zu machen.
Im Alter muss man sich nicht dazu zwingen.“
Harald Hartung – Lyriker, Essayist und Literaturwissenschaftler

„Es gibt Momente der Anstrengung beim Schreiben, aber man kann es sozusagen nicht willentlich erzwingen. Wenn sozusagen der Gedankenapparat nicht frei läuft, sozusagen von selbst sich abspult, hilft alle Anstrengung nichts. Arbeit, jedenfalls intellektuelle Arbeit oder geistige Arbeit, ist eigentlich keine Anstrengung, sondern ist die Kanalisierung von spontanen Dingen, die dann unter dem kritischen Blick zu einem Resultat werden.“

„Man sollte den Mythos der Verzweiflung etwas zurücknehmen. Wenn die Leute wirklich verzweifelt sind, schreiben sie nicht. Schreiben ist aber möglicherweise der Reflex auf ein Faktum der Verzweiflung. Wenn der Schmerz nachlässt, um es ganz volkstümlich zu sagen, dann kann man auch über den Schmerz schreiben. Mitten im Schmerz kann man nicht schreiben.“

„Mein erstes Buch hieß Hase und Hegel. Da muss man beide Komponenten betrachten, nämlich das Philosophische und das Existentielle – also die Angst des Hasen, gefangen oder erschossen zu werden. Diese Angst, wenn man so will, ist ein Antrieb aller Poesie. Von Rilke gibt es den schönen Satz: ‚Dinge machen aus Angst‘. Das würde auch ungefähr für mich gelten, als jemand, der aus einer Generation kommt, in der ja die Angst, jedenfalls für die Kriegszeit, durchaus vorhanden war, obwohl man andererseits gesagt als Kind erstaunlich robust ist, auch gegenüber Situationen, in denen Angst vorkommt.“

„Mein Ehrgeiz ist eigentlich ganz einfach. Ich möchte Dinge machen, die auf den ersten Blick ganz einfach sind, die auch von jedem, der lesen kann, nach ein- oder zweimaliger – ich bin anspruchsvoll –, meinetwegen auch dreimaliger Lektüre aufgefasst werden. Aber der Text selbst soll nicht ambitioniert wirken. Die Ambition ist in der Sache drin. Die Ambition ist sozusagen so einfach wie möglich und so komplex wie möglich zugleich.“

Harald Hartung wurde am 29. Oktober 1932 in Herne als Sohn eines Bergmanns geboren. Er studierte Germanistik und Geschichte in Münster und München. Ab 1971 Professor für Deutsche Sprache und Literatur an der PH Berlin. 1981-1998 Professor an der TU Berlin. 1983-1986 als Nachfolger Walter Höllerers Direktor des Literarischen Colloquiums Berlin. Neben seinen literarischen Arbeiten ist er Herausgeber der beiden lesenswerten Lyrik-Anthologien Luftfracht. Internationale Poesie 1940 bis 1990 und Jahrhundertgedächtnis. Deutsche Lyrik im 20. Jahrhundert. Ein Porträt zum 80. Geburtstag im Herbst 2012 findet sich hier.

Diskussion

Hinterlassen Sie einen Kommentar oder setzen Sie einen Trackback.

Kommentare abonnieren.

Bitte fair bleiben. Wir behalten uns vor, gegebenenfalls Kommentare zu löschen.

Sie können diese Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

*Notwendige Angaben