Worte und Bilder – unter diesem Titel zeigt das Museum für westfälische Literatur seit dem 24. März eine Ausstellung von Horst Dieter Gölzenleuchter. Anlass ist der 80. Geburtstag des Künstlers. 1944 in Freiburg geboren und in Dahl bei Hagen aufgewachsen, gehört er seit Jahrzehnten zu den großen Künstlern des Ruhrgebiets. 1970 Gründungsmitglied im Werkkreis Literatur der Arbeitswelt, machte er sich im folgenden Jahr als bildender Künstler selbstständig. Horst Dieter „Oskar“ Gölzenleuchter ist dabei eine der seltenen ‚Mehrfachbegabungen‘ – er ist nicht nur Grafiker und Bildhauer, sondern auch Schriftsteller, vor allem Lyriker. Aber damit nicht genug: Als Herausgeber der Zeitschrift Asphalt, des Verlags Proletenpresse und seit 1979 der Edition Wort und Bild erteilt er auch anderen Autorinnen und Autoren das Wort. Darunter sind zentrale Figuren der westfälischen Literatur wie Michael Klaus, Hugo Ernst Käufer und Arnold Leifert, aber auch Klaus-Peter Wolf, der durch seine Ostfriesen-Krimis mittlerweile ein riesiges Publikum gewonnen hat. Die Umschläge der Edition Wort und Bild gestaltet Gölzenleuchter liebevoll mit eigenen Holzschnitten.
Unsere Ausstellung möchte nun den ‚ganzen‘ Gölzenleuchter zeigen. Im Haupthaus und im Gartenhaus von Nottbeck sind Acrylgemälde ebenso zu sehen wie Stahlskulpturen, Mappen mit Texten befreundeter Künstler und Bücher aus der Edition Wort und Bild und ihrer Vorgängerin, der Proletenpresse. Die Kunstwerke reichen von den späten 1960er Jahren bis in die Gegenwart und dokumentieren Gölzenleuchters Entwicklung vom Agitprop-Künstler zu einem Meister der subtilen Zwischentöne. Dabei fällt auf, dass viele der Exponate Gemeinschaftsarbeiten sind, entstanden aus dem Zusammenwirken Gölzenleuchters mit Autoren, Autorinnen und Kunstschaffenden.
Die Ausstellung Worte und Bilder ist noch bis zum 16. Juni im Kulturgut Nottbeck zu sehen. Zwei besondere Veranstaltungen stehen noch an: Am 5. Mai um 14 Uhr gibt es die Möglichkeit, Horst Dieter Gölzenleuchter live bei seiner Arbeit mit Holzschnitten zu erleben. Und am 16. Juni, zur Finissage, führt der Künstler selbst durch die Ausstellung.
Am Anfang war es nicht mehr als eine fixe Idee. Als ich Frank Goosens The-Beatles-Buch gelesen habe, gefiel mir gleich die Machart. Es ist ein sehr persönliches Buch, eine Art Homestory, die uns der Autor da präsentiert, nach dem Motto: Nicht Die Beatles und ich, sondern die Beatles, meine Familie und ich.
Das ist wieder so eine Geschichte von nebenan. Die sich irgendwo im Verborgenen abspielt: Da treffen sich zwei gestandene Männer, schnüren ihre Wanderschuhe, trotzen Wind und Wetter, begeben sich auf Höhenwanderungen, die Körper und Geist alles abverlangen, verarbeiten dies literarisch und fotografisch zunächst nur für sich und’s Privatissimum – und, ja, womöglich hätte das alles gar keine Spuren hinterlassen, wäre nicht irgendwann im persönlichen Gespräch zwischen uns der Gedanke an diese Ausstellung hier im Literaturmuseum aufgekommen. Weiterlesen…
Ingrid Schneider: Illustration zu Delphinensommer (Coverbild). Privatbesitz.
Ein Hähnchen, das am Beginn von Annette von Droste-Hülshoffs dichterischem Schaffen steht. Ein sprechender Delphin, mit dem die halb vergessene Kinderbuchautorin Katherine Allfrey uns in die Welt der griechischen Antike entführt. Ein Fisch, den der vielfach preisgekrönte Lyriker Ernst Meister zu einem verstörenden Mahl serviert.
Fantasy als Genre ist wohl seit jeher eins der beliebtesten in der Literatur und auch in so ziemlich allen anderen Unterhaltungsmedien. Von Tolkien über Paolini bis hin zu all den aufstrebenden Autor:innen, alle haben sie eins gemeinsam: ihre Liebe zu fantastischen Welten. Dass man, um Abenteuer zu erleben, nicht immer in ferne Welten reisen muss (auch wenn man das beim Lesen natürlich relativ betrachten kann), zeigt sich in dem Sammelband, um den es heute gehen soll.
Bei dem Versuch eine Lesung mit Ihnen zu buchen, scheitert man momentan kläglich. Alle Veranstaltungen sind bis Ende November aufgrund des zweiten Lockdowns verständlicherweise abgesagt worden. Dennoch sind Sie kreativ geworden und geben auf Ihrem eigenen YouTube-Kanal fröhlich Einblicke in Ihre Werke. Wie wirkt sich diese momentane mediale Umstellung auf Sie aus?
Es ist überhaupt kein Vergleich. Lesungen sind etwas sehr persönliches. Und etwas reales. Mein Beruf spielt sich überwiegend in meinem Kopf ab, mit erdachten Geschichten, fiktiven Personen, Gesprächen und Emotionen. Dieser direkte Kontakt mit den Menschen, die meinen Geschichten während einer Lesung zuhören, die sich für mich Zeit genommen haben, die lachen, staunen, sich wundern, also irgendwie reagieren, den vermisse ich sehr. Da ist ein erhobener Daumen unter einem Video wirklich nicht dasselbe.
Ihr neuster Roman „Klammerblues um zwölf“ erschien im Juli dieses Jahres. Denken Sie, dass dieser Zeitpunkt für die Publikation Unterschiede im Vergleich zu Zeiten vor der Corona Pandemie ausgemacht hat?Weiterlesen…
Heute interviewen wir Renate Behr für unsere Reihe „Kreativität in der Krise“.
Bevor wir auf die eigentliche Thematik zu sprechen kommen, ein paar Fragen zum Einstieg. Auf Ihrer Homepage steht als Banner folgender Spruch geschrieben: „Ein spannendes Buch ist Urlaub vom Alltag“. Wie definieren Sie ein spannendes Buch und welches lesen Sie selbst aktuell?
Ein Buch ist für mich persönlich spannend, wenn der/die Autor*in es schafft, Bilder in meinem Kopf zu erzeugen. Dann lese ich nicht nur, sondern erlebe die Story mit. Zurzeit lese ich „Messepartner“ aus der Mainhattan-Krimi-Reihe von Dietmar Cuntz. Weiterlesen…
Heute interviewen wir Christiane Dieckerhoff für unsere Reihe „Kreativität in der Krise“.
Zu Anfang eine Frage der Präferenz: Sie haben vor Kurzem auf Ihrer Facebook-Seite einen Beitrag geteilt, der zeigt, dass Sie Ihre Texte handschriftlich vorschreiben. Hilft Ihnen das im Schreibprozess? Was halten Sie für Ihr kreatives Schaffen ertragreicher, handschriftliches Schreiben oder das Tippen am Laptop? Und warum sehen Sie das so?
Eigentlich schreibe ich alles bis auf Kurzgeschichten am Computer. Meine Schrift tendiert dazu, mit jeder Seite unleserlicher zu werden. Außerdem bin ich ein Kreuz- und Querschreiber. Während des Tippens passiert etwas zwischen meinem Gehirn und meinen Fingern, was ich nicht wirklich verstehe. Oft weiß ich nicht, was ich gedacht habe, bis ich es geschrieben vor mir sehe.
Heute interviewen wir Sarah Meyer-Dietrich für unsere Reihe „Kreativität in der Krise“.
„Auch wenn Corona uns allen einiges an Distanz abverlangt: Wir lassen uns nicht bremsen.“ Dieses motivierende Zitat lässt sich in einem Post auf Ihrer Facebook-Seite in Bezug auf einen Schreibworkshop finden. Würden Sie sich als positiven Menschen bezeichnen, für den die Corona-Pandemie keine berufliche und privat unlösbare Herausforderung ist?
Definitiv bin ich Optimistin. Manchmal irrt mein Optimismus allerdings. Als Anfang des Jahres die ersten Corona-Meldungen kamen und mein Mann einen Notvorrat in der Speisekammer anlegte, habe ich das noch für völlig übertrieben gehalten. Wenig später war ich froh über den Vorrat, auch wenn wir ihn letztlich doch nicht gebraucht haben, da wir nicht in Quarantäne mussten. Aber grundsätzlich bin ich immer erst einmal der Ansicht, dass wir die Dinge schon irgendwie hinkriegen werden – zur Not mit einem Plan B oder C oder D. Weiterlesen…
Heute interviewen wir Andy Strauß für unsere Reihe „Kreativität in der Krise“.
Zum Einstieg einige Fragen zu Ihrer Person. In Ihrer Facebook-Info haben Sie folgendes über sich selbst geschrieben: „Schriftsteller und Kram. Wirrsch. Halb Mensch, halb Pony. Endlich Nichtraucher.“ Wie definieren Sie das „und Kram?“. Und warum ausgerechnet „halb Pony“?
Oha, ja, dieses Facebook… Ich glaube, dass die Informationen dort so veraltet sind wie die Plattform selbst. Auch wenn ich den »endlich Nichtraucher«-Passus erst jüngst hinzugefügt habe. Früher stand dort Raucher. Da ich aber seit 27 Tagen nicht mehr rauche war es mir wichtig, das zu kommunizieren. Vorbildfunktion und so. Die anderen Sätze aus der Facebook-Infospalte sind mindestens 6 Jahre alt. Seit dem war ich für 1,5 Jahre festangestellt als Frühstücksfernsehenmoderator im Internet, habe als Technojesus Ravemessen auf diversen Festivals veranstaltet, bin als Poetry Slammer aufgetreten, habe obskure Kulturbusfahrten moderiert und dies und das gemacht. Kram eben. Das definiere ich gar nicht, das definiert sich immer neu, aber es ist meist irgendwas, bei dem einem eine pfiffige Nutzung von Sprache zu gute kommt. Und das mit dem »Halb Pony« ist wohl meiner damaligen Frisur geschuldet. Im »echten Leben« habe ich eine Pferdehaar-Allergie und bin vermutlich weder Pony noch anderes Reittier.
Heute interviewen wir Oliver Uschmann für unsere Reihe „Kreativität in der Krise“.
Oliver Uschmann auf dem Kulturgut Haus Nottbeck. (c) Sylvia Witt
Herr Uschmann, bei der Recherche über Sie stößt man immer wieder auf Franz Kafka – in Interviews, in Ihrer Magisterarbeit, Sie haben ihn auch schon als Idol Ihrer Jugend bezeichnet und als Lieblingsautor. Die aktuelle Situation mutet ja durchaus kafkaesk an, noch gruseliger war es während des sogenannten Lockdowns. Doch Kafka hatte, wie Sie selbst immer wieder betonen, durchaus eine komische Ader. Hilft sein Humor in der Krise?
Definitiv. Guter, absurder Humor kann alles „zur Kenntlichkeit entstellen“ und zugleich dagegen immunisieren, sich irgendeiner geschlossenen Erzählung anzuschließen. Unser Romanheld Hartmut hat dem das Motto gegeben: „Schwimme nicht gegen den Strom, sondern steige aus dem Fluss.“ Das ist die Essenz nicht des kafkaesken, sondern des hartmutesken Denkens. Meine Frau Sylvia Witt und ich sind ja die Schöpfer der sogenannten „Hui-Welt“, die man einst auf dem Kulturgut Haus Nottbeck bewohnen und mit allen Sinnen erleben konnte: „Ab ins Buch!“ feiert dieses Jahr sein zehnjähriges Jubiläum! Hätte uns damals jemand bei einem sanft aufziehenden Wärmegewitter unter den Pflaumenbäumen vor dem Gartenhaus gesagt, wie der Sommer 2020 sich gestaltet – uns hätte ein kafkaesker Schauer durchzogen. Mitten im Lockdown haben wir übrigens mit „Lost Levels“ den siebten „Hartmut und ich“-Roman herausgebracht, als erste Publikation in unserem eigenen Verlag Edition Hombrede. Das Buch hat einige Fans mit kathartischem Lachen durch den Sommer gebracht und entlastet sehr von den derzeitigen Sorgen, da es sich mit einer Erzählzeit von 1995 bis 2005 als Fundament unter die ersten Werke schiebt und feine Nostalgie ermöglicht. Weiterlesen…
Für unsere Reihe „Kreativität in der Krise“ interviewen wir Thorsten Nagelschmidt:
Vorweg eine Frage ohne Literaturbezug: Kurz vor dem sogenannten Lockdown waren Sie mehrere Wochen in Chile und dokumentierten die dortigen Proteste u. a. auf Ihrem Facebook-Account. Wie wichtig ist das Recht auf Demonstrationsfreiheit im Vergleich zum Ansteckungsrisiko mit dem Coronavirus?
Ich war bis zum 10. März 2020 in Chile, das Coronavirus war zu dem Zeitpunkt noch nicht das beherrschende Thema dort und es gab keinen Lockdown. Die Demonstrationsfreiheit ist natürlich elementar wichtig in einer Demokratie, zumal es ja auch in Coronazeiten grundsätzlich möglich ist, ohne die Gefahr von Ansteckungen zu demonstrieren. Bei den Aufständen in Chile geht es auch nicht nur um Demos im herkömmlichen Sinne, sondern um ganz unterschiedliche Protestformen wie Streiks, Nachbarschaftskomitees, Landbesetzungen und ziviler Ungehorsam. Die großen gesundheitlichen Probleme ergeben sich in einem so marktradikalen System wie dem chilenischen auch nicht unbebdingt oder zumindest nicht nur aus der Zusammenkunft vieler Menschen bei Protesten, sondern vor allem aus den katastrophalen Wohn- und Arbeitsbedingungen eines großen Teils der Bevölkerung, sowie einem völlig maroden und in weiten Teilen privatisierten Gesundheitssystem, zu dem viele Chilenen auch schon vor Covid-19 keinen oder nur eingeschränkten Zugang hatten.
Hier übrigens die Reportage von Julia Krummhauer und mir.
Die Nachrichten aus der Literaturbranche sind zurzeit wenig hoffnungsvoll. Lesungen und Workshops werden abgesagt, ganz zu schweigen von den großen Buchmessen, und die sogenannten Soforthilfen von Bund und Ländern liefen zunächst nur träge an. Wie geht es Ihnen beruflich mit der aktuellen (Corona-)Situation? Gibt es eine Veränderung seit den ersten Monaten der Krise, dem „Lockdown“? Haben Sie die unterschiedlichen Unterstützungsprogramme (Fonds, Darlehen, Kredite…) wahrgenommen? Wie beurteilen Sie diese?
Ich habe die 5000,- vom Land Berlin erhalten und war zunächst positiv überrascht von dieser schnellen und unkomplizierten Maßnahme. Auch wenn sie bei einem Fortdauern der Krise wohl zum berühmten Tropfen auf dem heißen Stein werden wird. Weiterlesen…