Museum, Was läuft?

Mit Frank Goosen und den Beatles im Nottbeck-Gartenhaus-Atelier

Stefanie Hempel und Frank Goosen. © Dirk Bogdanski

Am Anfang war es nicht mehr als eine fixe Idee. Als ich Frank Goosens The-Beatles-Buch gelesen habe, gefiel mir gleich die Machart. Es ist ein sehr persönliches Buch, eine Art Homestory, die uns der Autor da präsentiert, nach dem Motto: Nicht Die Beatles und ich, sondern die Beatles, meine Familie und ich.

Erzählt wird nämlich, wie die Beatles-Begeisterung des Autors in seinem familiären Umfeld mit einem gewissen, naja, Achselzucken wahrgenommen, hingenommen wird. Das ist unzweifelhaft eine von vielen schönen Pointen des Buches, ein versteckter dramaturgischer Kniff, der natürlich beim Leser die Frage wachruft: Und, wie geht es nun weiter… gibt es ein Beatles-Happy-End am familiären Frühstücks- oder Wohnzimmertisch? Und diese Nebenstory gewinnt an Fahrt, als der ansonsten tolerante und höchst nachsichtige pater familiaris Ehefrau und Sprösslingen im besten Teenager-Alter eine gemeinsame Tour nach Liverpool vorschlägt, dem Mekka des Beatles-Enthusiasmus. Und ja, sie sind mit dabei. Wie viel Überredungskünste besagter Hausherr aufbringen musste, ist nicht überliefert, das kann sich jeder selbst ausmalen.

Der Besuch nimmt im Buch ein eigenes Kapitel ein. Vor Ort in Liverpool angekommen, überfällt die Musik-Touris eine Fülle von Eindrücken, vor allem den Erzähler, der in Erinnerungsseligkeit schwelgt. So viele magic impressions, dass man sie alle gar nicht so schnell aufnehmen kann. Ja, auch nicht aufnehmen muss, schließlich hat ja jeder sein Handy dabei, das beim Erzähler in Dauerrotation ist. Und spätestens an dieser Stelle des Buchs hat es auch bei mir Klick gemacht, wie einst, als das Schießen eines Fotos noch mit einem solchen akustischen Signal begleitet wurde: Könnte man nicht, wäre es nicht eine interessante Sache, sollte ich vielleicht mal beim Autor nachfragen, ob diese Fotos vielleicht zum Gegenstand einer Ausstellung werden könnten? Eine Beatles-Hommage ganz anderer Natur, bei der es nicht auf die Perfektion der Fotos ankommt, sondern auf die Stimmung, das Ambiente, den Moment, und ja, ein wenig auch auf die familiäre Begleitmusik.

Ich nahm Kontakt zu Frank Goosen auf und dieser zugegeben etwas ungewöhnliche Vorschlag stieß bei ihm tatsächlich auf Gegenliebe. War auf seiner Seite aber auch mit jeder Menge Aufwand verbunden: nämlich dem, die ganzen Fotos erst mal wieder hervorzukramen, vielleicht nochmal zu sichten, was ja immer auch mit dem Risiko verbunden ist, sich wieder in den Erinnerungen zu verlieren – all das kostet schlicht und ergreifend Zeit, über die ein Autor, der in der Regel schon gedanklich beim nächsten und übernächsten Buchprojekt, respektive mit dem Auftritt beschäftigt ist, erstmal aufbringen muss. Aber es wurde! Und dank der Hilfe von Jeremias Vondrlik wurde dann eine richtige Ausstellung daraus.

Die Homestory ist natürlich nur ein Element des Buchs. Im Mittelpunkt stehen die Beatles, die Musik, die musikalische Sozialisation des Autors selbst. Und die Entstehungsgeschichte des Buchs. Ich zitiere:

„Und dann fragte mich mein Lektor, ob ich Lust hätte, in der Musikbibliothek von KiWi dabei zu sein, und über wen ich würde schreiben wollen. Ich glaube, die Antwort hatte ich raus, bevor er die Frage beendet hatte. Ich hätte es nicht ertragen können, wenn jemand anders über die Beatles geschrieben hätte.“

So fängt sie an, die Vorgeschichte von Frank Goosens Buch The Beatles. Das Konzept der erwähnten Musikbibliothek: Prominente Fans schreiben über ihre Lieblingsmusiker bzw. Bands. Und das im bequemen Pocket-Format, ideal fürs Nachtschränkchen oder auch zum Verschenken – an Gleichgesinnten dürfte kein Mangel bestehen.

KiWis Musikbibliothek erhebt keinen enzyklopädischen Anspruch. So subjektiv wie möglich soll’s sein und natürlich unterhaltsam. Und da ist Frank Goosen fraglos der richtige Mann. Seine Romane und Bühnenprogramme spielen bevorzugt in den 1980er und 1990er Jahren – in eben jener Zeit, als der Autor mit der Musik der Beatles bekannt wurde. Sein Initialerlebnis hatte er 1979, mit 13 Jahren. Ein Freund hatte ihm Sergeant Pepper’s Lonely Hearts Club Band auf Kassette überspielt. Spätestens bei Lucy in the Sky with Diamonds war’s um ihn geschehen.

Neben der Euphorie, endlich die Originalschauplätze der Jugendhelden live zu sehen – eben während des geschilderten Trips nach Liverpool, spart Goosen nicht mit Kritik. Der von der Stadt zelebrierte touristisch geschürte Beatles-Hype erscheint ihm wie ein liebloser Totalausverkauf, den er mit der Ballermann-Meile auf Mallorca vergleicht. „Der Plan heißt: Nehmt ALLES und nehmt es JETZT! Wir dröhnen euch voll, bis ihr nicht mehr wisst, wer ihr seid: ,I am he as you are he as you are me and we are all together.‘ Malle für alle, nur mit den Beatles statt Jürgen Drews.“

Frank Goosens The Beatles ist ein leichtes, kurzweiliges Buch – für Goosen- und Beatles-Fans ein Muss, für alle anderen eine Lektüre mit hohem Unterhaltungswert. Aber auch ein reflektiertes Buch, das auf Gefühlsüberschwang verzichtet. Das gilt auch für Goosens Schlusswort, das die Kernfrage aufgreift: Was zählt letztlich am Pop? „Mit Anfang fünfzig, nachdem man Vater von zwei Söhnen geworden ist, die manchmal gucken, als suchten sie einem jetzt schon ein Altersheim in Kasachstan aus, stellt man die Frage nach dem Warum durchaus öfter.“

Goosens Buch ist nicht die einzige Hommage an die Beatles aus einer westfälischen Feder. Weitere sind in der hier in Rede stehenden Gartenhaus-Ausstellung zu sehen, aus dem Pendragon Verlag und fast noch druckfrisch aus jüngerer Zeit: Maik Brüggemeyers Schöner kann es gar nicht sein. Die Beatles von 1957 bis 1970.

Text: Dirk Bogdanski

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