Bücher

Das Leben in Schrift bringen

Er schrieb mit Dein Name eines der außergewöhnlichsten Bücher der letzten Jahre und beschenkte die deutschsprachige Gegenwartsliteratur reich.
Am Freitag, 26. April, liest Navid Kermani  aus seinem Roman.

 

Es ist Donnerstag, der 8. Juni 2006, 11:23 Uhr auf dem Laptop, der einige Minuten vorgeht, also 11:17 Uhr ungefähr oder, da er den Satz noch schreibt, 11:18 Uhr. Ein Schreiner, der mit achtundsiebzig Jahren so alt ist wie der Vater von Navid Kermani, hat eine Schreibtischplatte angefertigt und war so freundlich, vom Baumarkt zwei Malerblöcke mitzubringen, auf die sie vorhin die Platte legten.

Der Schriftsteller, Essayist und habilitierte Orientalist Navid Kermani schreibt einen Roman. Er schreibt daran fünf Jahre. Es werden 1229 Seiten. Ein eng bedruckter Text. Der in Siegen aufgewachsene und in Köln lebende Autor hat Lesenden, hat 2011 der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur mit Dein Name ein kaum zu überschätzendes Geschenk gemacht. Das ist eine Behauptung. Doch eine durchs Lektürevergnügen legitimierte. Wer sich (schon allzu bald dann freiwillig) die Zeit zu dieser nimmt, wird zustimmen wollen. Weiterlesen…

Was war!

Literatur = (auch) Leidenschaft

„Das Wichtigste in meinem Leben ist Literatur.“
Ivette Vivien Kunkel, Lyrikerin und Schriftstellerin

„Ich versuche, Sprache dazu zu benutzen, mir meine eigene Wirklichkeit klarzumachen. Und dadurch kann ich mich einfach nicht immer an Grammatik halten oder an vollständige Sätze (…) im Grunde widerstreitet man mit sich selber, und das versuche ich dann, glaube ich, auch in die Satzrhythmen einzubringen.“

„Das Wichtigste in meinem Leben ist einfach Literatur und das hält es zusammen und das hat mich auch immer am Leben gehalten.“

„Ich finde es schon wichtig, mit Leidenschaft und einem gewissen Gefühl dabei zu sein, dabei aber eben die Struktur nicht aus dem Kopf zu lassen. Ich glaube, die Musik und die Literatur, die ich am besten finde, hat sowohl was mit Wut, Leidenschaft und Liebe zu tun, als aber auch mit einem gewissen Talent oder Können.“

Ivette Vivien Kunkel, 1979 in Dortmund geboren, lebt und arbeitet auch dort. Stipendiatin des 13. Klagenfurter Literaturkurses, Gewinnerin zahlreicher Literatur- wettbewerbe, regelmäßige Veröffentlichungen in Literaturmagazinen und Anthologien (zuletzt z.B. in Westfalen, sonst nichts?), 2010 war sie Stadtschreiberin in Otterndorf.

Bücher

Erotisch-skurriles Fabulieren

Gerhard Mensching (1932-1992): Puppenspieler, Germanist und Kinderbuchautor aus Bochum. Und, nicht zuletzt, ein kundiger und findiger Erzähler, dessen erotisch-kriminalistischen Buch- Verführungen von poetischem Witz und bezau- bernder Skurrilität geprägt sind. Das Spiel mit Motiven und Gestalten der Literatur(geschichte) ist auf unterhaltsamere – und zugleich so angenehm diskrete, nicht auftrumpfende – Weise kaum vorstellbar. Menschings Romane, Short Storys und Kriminalgeschichten erschienen seit 1982 (ein Debütant, der also kurz vor seinem 50. Geburtstag stand) in produktiver Eile und Rasanz. Und zwar im hierfür trefflich ausgewählten Haffmanns-Verlag, beinahe alle auch in mehreren Auflagen: Löwe in Aspik. Roman (1982), Rotkäppchen und der Schwan. Drei erotische Humoresken (1984), Der Bauch der schönen Schwarzen. Kriminalroman (1988), Die violetten Briefe. Drei kriminelle Novellen (1989), E.T.A. Hoffmanns letzte Erzählung. Roman (1989), Die abschaltbare Frau. Roman (1991). Der mit Abstand voluminöste Roman Menschings trägt ein nicht unbedeutendes Vorbild des Schreibens in und über Masken, Täuschungen, Verwechselungen und (imaginativen) Überschrei- tungen bereits im Titel: E.T.A. Hoffmann, der Meister des Phantastischen in der deutschen Romantik. Weiterlesen…

Museum, Was läuft?

Wort. Bild. Buchkunst.

H.D. Gölzenleuchter ist das, was man im Volks- mund einen Allrounder nennen würde. Neben seiner Arbeit als Graphiker ist er auch als Maler, Herausgeber, Autor und Buchkünstler tätig. All diese Facetten des Künstlers haben ihren Platz in der aktuellen Sonderausstellung gefunden. Aus seinem umfangreichen Werk sind neben Holz- und Linol- schnitten auch Federzeichnungen und Serigraphien zu sehen. Ergänzt wird die Ausstellung durch Photo- graphien von Valentina Gölzenleuchter; sie erlauben einen Blick in die Werkstatt des Vaters und geben einen Eindruck seines künstlerischen Schaffens.

1971 begann H.D. Gölzenleuchter mit der freiberuflichen Arbeit als bildender Künstler. Seit der Gründung seines Kleinverlages Edition Wort und Bild 1979 schreibt und veröffentlicht er eigene literarische Arbeiten. Seine Werkstatt „Wort und Bild“, die im letzten Jahr ihr 30-jähriges Bestehen feiern konnte, präsentiert Ausstellungen mit kritischer und realistischer Kunst sowie Autorenlesungen. Gölzenleuchters Kunstwerke waren auch bereits in den Niederlanden, Österreich, Frankreich und Indien zu sehen.

Bemerkenswert ist auch die große Materialvielfalt: Neben Pinselzeichnungen gehören Skulpturen aus Holz und Stahl zu seiner bildnerischen Tätigkeit. Diese tägliche Arbeit mit verschiedenen Materialien spiegelt sich in seinen literarischen Werken wider. Weiterlesen…

Was war!

Auch wichtig: der Papierkorb

„Ich schreibe, weil die Ideen in meinem Kopf sind und wenn ich sie nicht herauslasse, dann bleiben sie da drin und machen mich verrückt.“

Sebastian 23 – Poetry Slammer, Kabarettist und Liedermacher

„Der Kontakt zur Slam-Szene ist meine Arbeit. Ich organisiere selbst sehr viele Poetry Slams und lade viele Slammer ein, reise sehr viel zu Poetry Slams, mache bei solchen Veranstaltungen mit. Das macht einen Großteil meiner Arbeitszeit und Freizeit aus.“

„Es gibt auch Texte von mir, die nicht lustig sind. Poetry Slam ist weiter, offener und kennt andere Erzählperspektiven. Während der Großteil der Stand-Up-Comedy im Sinne alltäglicher Geschichten oder Beobachtungen vorgetragen wird, ist Poetry Slam da völlig offen. Jede literarische Form und Erzählperspektive ist erlaubt und wird auch durchgeführt.“

„Ich bin bei sehr vielen Poetry Slams dabei gewesen und glaube, dass das Publikum gerne unterhalten werden möchte. Ich glaube aber genauso daran, dass ein sehr guter ernster Text immer besser ist als ein sehr guter lustiger Text, denn das wussten die alten Onkels in Griechenland schon: Die Tragödie rührt immer mehr an als die Komödie. Es gibt leider – das ist vielleicht ein Problem der Szene – nicht besonders viele ernsthafte, gute Poetry Slammer im Moment.“

Sebastian 23 (d.i. Sebastian Rabsahl), geboren 1979 in Duisburg, ist auf deutschsprachigen Poetry-Slam-Bühnen bekannt, beliebt und umtriebig. In Dortmund betreibt er mit Mischa-Sarim Vérollet, Sulaiman Masomi und Andy Strauß die Lesebühne LMBN. Zuletzt sah man ihn im Kinofilm „Dichter und Kämpfer“. In Nottbeck ist er Mitte April mit dem „Dead or Alive Poetry-Slam“ zu Gast: Die besten Slam-Poeten gegen Legenden der Literatur. Auch ein Blick lohnend: seine Homepage.

Bücher

Die Welt ist leider kompliziert


Burkhard Spinnens neuer Roman taucht in die Welt der Computerspiele ein. Am Freitag, 15. Feburar 2013, stellt er ihn in Nottbeck gemeinsam mit Sohn Caspar bei Lesung und Gespräch vor.

Neulich traf ich – mehr durch Zufall – meinen eigenen Sohn mal wieder. Wir leben im selben Haus, aber in unterschiedlichen Welten. Während ich dem Tageslicht noch etwas abgewinnen kann, durchaus auch Mutter Natur schätze und auch kein Bewegungsmuffel bin, zieht er sein Kellerverlies vor. „Sein“ ist dabei nicht ganz richtig. Ursprünglich war es mein Büro, ein stilles Arbeits- und Rückzugsreservat. Nun ist es okkupiert. Juliens Computer zog dort ein. Kein normaler Computer, sondern ein Gamer-PC. Er läuft praktisch nonstop. Immerhin nehme ich meinen Filius noch akustisch war, bis tief in die frühen Morgenstunden. Er ist in seiner Höhle mit Gott und der Welt zugange. Dreißig oder mehr ähnlich Gestrickte arbeiten sich an irgendeinem mir völlig unverständlichen Spiel ab, was offensichtlich eine große Herausforderung ist. Ich höre ihn jubeln, fluchen, kreischen und oft alles gleichzeitig, auf jeden Fall aber laut. Aber, wie gesagt, das ist alles halb so wild. Ich weiß ja jetzt, dass es ihn noch leibhaftig gibt, den Sohnemann. Wir trafen uns übrigens am Kühlschrank.

Auch Burkhard Spinnens neues Buch handelt von solchen Phänomenen und der Generation Playstation bzw. Facebook. Im Mittelpunkt steht der 17-jährige Computer-Freak Patrick, dem seine Spielpartnerin Nevena, die er im fernen Bosnien vermutet, abhanden gekommen ist. Er denkt an ein Unglück und ist in großer Sorge, da Nevena und er in der Spielwelt ein Herz und eine Seele waren – parallel hatten sie sich per E-Mail über Allerpersönlichstes ausgetauscht. Im Roman steht aber auch die Beziehung von Patrick zu seinem Vater Henner im Mittelpunkt. Nach dem Tod von Patricks Mutter Astrid haben sie sich einander entfremdet. Nicht unbedingt willen- und wissentlich. Aber jeder kümmert sich nur noch um seine Interessen und kapselt sich ab: der Museumsrestaurator Henner in seiner Werkstatt, Patrick in seiner Computerspiel-Welt. Weiterlesen…

Bücher

Ein produktiver Querdenker

Hans Dieter Schwarze (1926-1994)

„Er war ein Einzelgänger“. Ja, sicherlich, aber hat ein Einzelgänger so viele Freunde und Verehrer? Als Schwarze im Münsterer Theater seinen 65. Geburtstag feierte, strömten die Menschenmengen nur so. Weggefährten und viel, viel Prominenz gab sich die Ehre, Schauspielkollegen, Autoren, Freunde – das Theater war bestens gefüllt. „Er war Schriftsteller aus Passion“. Auch das ist unbestritten. Aber eigentlich kam er vom Theater, das seine große Liebe blieb. Die ersten Stationen auf seiner künstlerischen Karriereleiter, die er bis fast ganz oben erklomm, waren das Münsterer Stadttheater, wo er als Regieassistent und Schauspieler begann. Später brachte er es bis zum Intendanten des Westfälischen Landestheaters Castrop-Rauxel, das durch ihn erst groß wurde. Seine Lust an der Inszenierung fand im Fernsehen und Hörspiel ein produktives Nebengleis. Bei über 150 Produktionen führte er Regie. Als Schauspieler bleibt er unvergessen an der Seite von Sabine Sinjen in dem Münster-Film Alle Jahre wieder, der ein kühles Porträt der Stadt bietet, ein ungeschminktes, ehrliches. Und eben darum ging es Schwarze zeitlebens. Er schrieb keine Wohlfühltexte, sondern kritisch-pointierte Bestandsaufnahmen, in denen er mit sich selbst und mit seiner Heimatstadt Münster, der er in einer Art Hassliebe verbunden war, radikal, sarkastisch und manchmal auch unbarmherzig ins Gericht ging. Weiterlesen…

Bücher

So kalt der Winter

Winterrejse

so kaolt de Winter
dat de Vüögel fallt
ut alle Wulken
und dat Ies knappt
unner jiäden Tratt

de witte Patt
is wunnerlick
un glatt
Wohen denn nu

de Graute Wagen
steejht ganz still
un wiest
nao Nord-Nord-Ost

Wintertiet un hatte Kost
giff’t dao, ick gaoh
veer Faden in de ännre Richt
wao unnern Schnej
de Sünne liggt
un unnert Ies
de güllne Fisk
mi ankick
graut un still
he wejt, wohen ick will Weiterlesen…

Was war!

Mit einem Rappel in den Wald

Den feinen Kokon unserer Alltagszivilisation verlassen – Oliver Uschmann spricht
über den neuen, gemeinsam mit Sylvia Witt geschriebenen Roman Log Out!


Herr Uschmann, sind Sie ein literarischer Sozialforscher?

Eine Redakteurin und Studentin aus Hildesheim sagte einmal zu mir, ich betreibe „literarischen Kulturjournalismus“. Das hat mir sehr gefallen. „Literarischer Sozialforscher“ ist auch nicht schlecht, auch wenn ich beim Begriff „Sozialforscher“ ungute Assoziationen an bärtige, rauchende Männer bekomme, die schon vor ihrer Studie wissen, was sie herausfinden wollen. Im Alter der Romanfigur Paul bewegte ich mich langsam unter Marxisten, da weiß ich, wovon ich rede. Heute denke ich: Ideologie ist Idiotie. Besonders in der Literatur. Ein „Programm“ verhagelt die Kunst. Nicht aber Humor, satirischer Blick, bewusste Überspitzung. Kunst darf die aktuelle Wirklichkeit zur Kenntlichkeit verzerren. Die konkrete „Sozialforschung“ rund um Log Out! bestand darin, auszutesten, wie ich mich selbst verhalte, wenn ich für eine sehr begrenzte Zeit den feinen Kokon unserer Alltagszivilisation verlasse und versuche, ohne Geld außerhalb der eigenen vier Wände zu überleben.

Sie haben laut Klappentext das Leben im Wald im Selbstversuch getestet. Wie sah das aus?

Diese Idee entstand noch vor dem Roman. Ich brauche so was manchmal, den Kontakt zur Erde, den Ausbruch aus der Schreibtischflut.  Weiterlesen…

Bücher

Log Out! Alles muss raus!

Oliver Uschmanns neuer Roman führt in die Niederungen der Medienwelt und zeigt, wie man besser lebt.

Paul, 19, Sohn eines betuchten Landschaftsgärtners, hat es satt. Den ganzen Plunder in seiner Wohnung, den ausufernden Wohlstandsquatsch, seine 2.500 DVDs, CDs, Computerspiele. Alles muss raus. Wie in der Werbung.

Paul steigt aus. Zieht in den Wald und ernährt sich nur noch von Beeren und Kräutern. Doch auch im Wald begegnen ihm Menschen. Ausgerechnet der Trend- forscher Robin. Dieser animiert ihn, seinen Zivilisations- überdruss via Internet-Blog unters Volk zu bringen.

Paul sagt Ja und entdeckt sein bis dahin schlummerndes schriftstellerisches Talent. Seine „Posts“ schlagen ein wie eine Bombe. Paul wird Medienstar. Alle Welt berichtet über ihn: ZEIT-online, Neon, selbst BILD.

Doch es gibt auch Neider und Kritiker. Meint es Paul wirklich ernst? Entfacht er nur einen künstlichen Hype, um sich wichtig zu machen? Um alle Zweifel zu beseitigen, setzt der Gescholtene noch eins drauf. Er will 100 Tage ohne Geld klarkommen. Per Handy kann man ihn orten und sich davon überzeugen, dass er tatsächlich keinen Cent in der Tasche hat und trotzdem irgendwie über die Runden kommt.

Inzwischen klopfen auch Rundfunk und Fernsehen bei Paul an. Es folgen Einladungen in Talkshows. Paul schlägt sich – obwohl kolossal missverstanden – wacker. Die Besucherzahl seines Blogs steigt ins Unendliche.

Doch allmählich dämmert dem Aussteiger, dass er von allen nur benutzt wird. Es gibt kein „Außen“ in der Medienbranche, muss er sich von einem BILD-Reporter belehren lassen. Seine idealistischen Ziele erscheinen Paul selbst immer fragwürdiger. Wie naiv war er doch bei seiner gutgemeinten Weltver- besserungskampagne! Er ist ein Spielball anderer, die aus seiner Anti-Haltung Kapital schlagen. Weiterlesen…

Was war!

Chaos ist wichtiger als Routine

„Ich empfinde mein Schreiben auch als eine Lebensform.“
Erwin Grosche – Autor, Kabarettist und Kleinkünstler des Skurrilen

„Ich glaube an das Unperfekte, an das Suchen, das Nicht-Stillstehen. Da bin ich sehr empfindlich, wenn ich merke, dass ich etwas vollständig begriffen habe, ich bin sehr unzufrieden, wenn ich jede Ecke in meinem Haus kenne. Dann müsste ich umziehen.“

„Wenn ich arbeite, denke ich nicht daran, wofür das ist, was man damit machen könnte oder warum ich das mache. Also, ich mach’ es, weil ich es so machen muss, wie ich es dann mache. Und das ist auch ein gewisser Selbstschutz. Ich bin mir auch bewusst, dass Vieles gar nicht von mir ist, sondern dem Augenblick zu verdanken ist. Oder meiner Stimmung.“

„Ich schreibe auch etwas, was dann nicht unbedingt gut ist, weil danach das, was gut ist, viel besser auffällt. Ich schreibe eine ganze Seite für eine Kolumne, da drin ist dann nur ein guter Satz. Aber der kommt dabei so dann rausgesprungen, weil der Rest drum herum darauf hinarbeitet. Und das, finde ich, ist ein sehr gesundes Arbeiten.“

„Für mich ist es immer ein Ziel gewesen, ein Buch zu schreiben, was sich nicht verkauft, weil ich sonst das Gefühl hätte, das gibt’s ja schon. Und das kriege ich im Augenblick sehr gut hin, dass die Bücher, die ich schreibe, sich nicht verkaufen. Aber das sind natürlich dann auch die schönsten, die man wirklich nicht geschrieben hat für den Leser, sondern weil sie geschrieben werden mussten. Und die haben schon ihre Leser. So ganz spezielle. Und dann freut man sich ganz besonders. Aber man kann sie dann auch fast alle einzeln begrüßen.“

Erwin Grosche, 1955 in Anröchte (Kreis Soest) geboren, ist Autor, Schauspieler, Filmemacher und, so die Frankfurter Rundschau, „mit an Wahrscheinlichkeit grenzender Sicherheit der poetischste und skurrilste unter Deutschlands Kabarettisten“. Einblick in Grosches unermüdliche Produktivität gewährt seine Homepage.

Was war!

Man frißt sich so durch …

 

Quark

Man frißt sich so durch seine Jahre
und wird mit jedem Jahre älter
und ist am Ende ohne Haare
doch immer noch ein Hinterhälter.

Man ißt und trinkt und man poussiert,
zeugt unfreiwillig ein paar Kinder,
indes die Jahre exaltiert
fortsausen Tag für Tag geschwinder.

Man packt sich aus, man streckt sich hin
und macht sich reuevoll ans Sterben,
um so als letzten Reingewinn
sich einen Nachruf zu erwerben.

Gustav Sack