Museum, Was läuft?

Wort. Bild. Buchkunst.

H.D. Gölzenleuchter ist das, was man im Volks- mund einen Allrounder nennen würde. Neben seiner Arbeit als Graphiker ist er auch als Maler, Herausgeber, Autor und Buchkünstler tätig. All diese Facetten des Künstlers haben ihren Platz in der aktuellen Sonderausstellung gefunden. Aus seinem umfangreichen Werk sind neben Holz- und Linol- schnitten auch Federzeichnungen und Serigraphien zu sehen. Ergänzt wird die Ausstellung durch Photo- graphien von Valentina Gölzenleuchter; sie erlauben einen Blick in die Werkstatt des Vaters und geben einen Eindruck seines künstlerischen Schaffens.

1971 begann H.D. Gölzenleuchter mit der freiberuflichen Arbeit als bildender Künstler. Seit der Gründung seines Kleinverlages Edition Wort und Bild 1979 schreibt und veröffentlicht er eigene literarische Arbeiten. Seine Werkstatt „Wort und Bild“, die im letzten Jahr ihr 30-jähriges Bestehen feiern konnte, präsentiert Ausstellungen mit kritischer und realistischer Kunst sowie Autorenlesungen. Gölzenleuchters Kunstwerke waren auch bereits in den Niederlanden, Österreich, Frankreich und Indien zu sehen.

Bemerkenswert ist auch die große Materialvielfalt: Neben Pinselzeichnungen gehören Skulpturen aus Holz und Stahl zu seiner bildnerischen Tätigkeit. Diese tägliche Arbeit mit verschiedenen Materialien spiegelt sich in seinen literarischen Werken wider. Das Buch Holzschnittgeschichten (2008) enthält Texte, die sich auf die Arbeit in der Werkstatt „Wort und Bild“ beziehen. Aber nicht nur in Kurzgeschichten, auch in zahlreichen Gedichten thematisiert Gölzenleuchter seine Arbeit. Er verbindet die verschiedenen Kunstformen und intensiviert auf diese Weise ihre Bedeutung:

 

Vom kleinen Rest

Etwas Tusche im Glas blieb übrig
von einer Pinselzeichnung
für einen Holzschnitt-Entwurf
„Ach die paar Tropfen“
zögerte doch
entsorge sie nicht unterm Wasser
Holte zurück Papier – den Pinsel
setze den ersten Punkt
und Strich
Fand eine Linie und mehr
9 Pinselzeichnungen
leicht hingetuscht am 16.6.95
zwischen 8 Uhr 30 – 9 Uhr
Beinahe entsorgt unterm Wasser
um 8 Uhr 25

 

„Wer drucken will, braucht gute Freunde“, dieses Zitat von HAP Grieshaber begleitet Gölzenleuchters Arbeiten. Seine Werkstatt dient als Treffpunkt, in der er den persönlichen Kontakt mit verschiedenen Künstlern sucht: Im Gespräch mit Literaten werden Buchprojekte entwickelt; wenn H.D. Gölzenleuchter für ein Werk noch ein Gedicht benötigt, fragt er gezielt bei befreundeten Autoren nach.

Als Buchkünstler arbeitet er gemeinsam mit vielen Ruhrgebietsautoren: Werner Streletz, Hugo Ernst Käufer und Michael Klaus sind einige von ihnen. Seine Illustrationen fassen die Stimmungen der Gedichte und Geschichten genau auf und es gelingt ihm, sie in einer Form darzustellen, die weit über die eigentliche Illustration der Texte hinausgeht. Werner Streletz ist der Meinung, dass Gölzenleuchter keine Illustrationen anfertigt, sondern assoziative Holzschnitte. Einen besonderen Charme erhalten seine Bücher durch ihre Herstellungsart: Jedes Buch druckt und bindet H.D. Gölzenleuchter von Hand. Diese Herstellung beinhaltet gefalzte Seiten, d.h. die einzelnen Blätter werden geknickt, so dass sich aus einer Seite zwei ergeben. So gelingt es ihm, aus 27 Gedichten keine Broschüre, sondern ein ganzes Buch herzustellen.

Des Weiteren findet auch seine politische Meinung ihren Platz in der Kunst. Sowohl in Texten, als auch in den Holzschnitten und Zeichnungen kommen das Individuum und die soziale Ungerechtigkeit zur Sprache.

 

Im Rahmen der Ausstellung (16.3.-12.5.2013) wird H.D. Gölzenleuchter am Sonntag, 7. April, zu Gast sein, um Interessierten seine Arbeit als Buchkünstler näher zu bringen. Er wird vor Ort einen Holzschnitt anfertigen und drucken. Die Veranstaltung beginnt um 14 Uhr.

Lena Görge

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