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Clara Ratzka – Familie Brake

In Clara Ratzkas „Familie Brake“ begleiten Leser*innen die namensgebende Familie, ihre Verwandten, Freunde und Nachbarn zu Familientreffen, Spaziergängen durch Münster und bei allerlei Alltäglichem. In dem Roman, den Clara Ratzka ihrer Heimatstadt gewidmet hat, treffen die verschiedensten Generationen der Brakes aufeinander – in der Liebe, im Konflikt, im Zusammenhalt und vor allem im wunderschönen alten Münster.

So finden sich zahlreiche detailverliebte Illustrationen des „alten“ Münsters:

„Die erleuchteten Fenster, ungleich, in Dunkel eingebettet, die wenigen Laternen, sie warfen warme Reflexe auf die ehrwürdigen und zugleich mit einer leichten Hand gezierten Häuser, und all das war doch nur der Vorhof zu dem einen Mächtigen, hoch hinauf Ragenden, zu diesem Triumph der Gotik, das den Markt abschloß: der Lambertikirche.“ (S.148)

Diese bilden jedoch nur die Bühne für eine Vielfalt verhandelter Themen: Konflikte zwischen den verschiedenen Generationen, komplexe und konträre Frauenbilder (rebellierende Frauen wie Mila Bruhn vs. pflichtbewusste Frauen wie Adeline Brake), das Älterwerden und damit verbundene gesellschaftliche Erwartungen, unbeschwerte junge Kinder und die Forderungen an sie, Liebe und wo sie hinfällt und letzten Endes auch: das Loslassen und Öffnen von neuen Türen.

Trotz der berührenden Themen wirkt der Roman nie drückend oder belastend: Charaktere wie Truta, die den Leser:innen münsterländisches Platt beibringt, sorgen mit ihrer herzlichen und ungehemmten Art für Leichtigkeit, Witz und eine vertraute Atmosphäre. Wer jedoch nicht aus Westfalen stammt, könnte vor einigen Problemen beim Lesen stehen: sowohl die sprachliche Eigenheit als auch die umfangreichen Ortsbeschreibungen können den Lesefluss hemmen. Sobald man aber die Sippschaft rund um die Brakes und die sprachlichen Eigenheiten von Truta und Co. gelernt hat, fällt das Lesen und Verstehen der verschiedenen Familienkonstellationen und dem damit verbundenen Tratsch und dem einen oder anderen Drama einfacher und man möchte das Buch gar nicht mehr weglegen.

Fazit: Wenn man offen und neugierig für das Kennenlernen Münsters ist und außerdem über ein gutes Gedächtnis für Namen verfügt, dann kann „Familie Brake“ als intimes und gemütliches Buch ans Herz gelegt werden: Leser*innen erfahren nicht nur das Zusammenleben verschiedener Generationen und Familienratschläge, sondern auch Bräuche, Feiertage und sogar Rezepte mit genauen Mengenangaben.

Tabea Paula Arnoldi

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