
Ein Jahr lang führt die namenslose Erzählerin Tagebuch. Jeden Tag einen Eintrag über das, was sie sieht, was ihr auffällt, was sie beschäftigt. „Das Tagebuch ohne Datum, das ich mir vorgestellt habe, soll nicht um mich gehen, soll mich gar nicht erwähnen. Es soll ausschließlich notieren, was zwei Augen sehen, die zugegeben nun einmal meine eigenen sind, oder zwei Ohren hören.“
Gleich zu Beginn des Romans wird klar: Das wird keine leichte Lektüre. Der Roman beginnt am Grab der Mutter, die erst vor kurzem verstorben ist. Auch ist die Ehe der Erzählerin gerade erst in die Brüche gegangen. Und das neue Jahr verspricht auch nicht leichter zu werden. Das Alphabet bis S ist ein Roman über die Krankheit und den Tod, den Streit und den Krieg, über die Zweifel und das Scheitern.
Hinzu kommen die Stimmen von zahlreichen Schriftsteller:innen. Von A bis Z geht die Erzählerin nämlich durch ihr Bücherregal, will für jeden Buchstaben eine:n Autor:in lesen. Für A zum Beispiel liest sie Peter Altenberg, außerdem liest sie Emily Dickinson, Julien Green, Peter Nadas. Und immer wieder tritt die Erzählerin sich selbst reflektierend in den Dialog mit ihrem Lesestoff.
Wer nach einem herkömmlichen Roman sucht, ist hier falsch. Eine stringente Handlung gibt es nicht. Oft muss man als Leser selbst die Lücken auffüllen: Wo sind wir? Um wen geht es? Was genau ist passiert? Viel mehr ist der Roman eine Sammlung an Essays, an Zitaten aus anderer Literatur und einzelnen Gedanken der Erzählerin.
Immer wieder stößt man dabei auf interessante Überlegungen, die einen auch noch nach Weglegen der Lektüre verfolgen. Trotzdem: Ganz überzeugt hat mich der Roman nicht. Für jeden inspirierenden Eintrag gibt es eben auch Abschnitte die zäh und langwierig sind, durch welche man sich durchkämpfen muss. Auch die Erzählerin blieb mir nach den 600 Seiten Lektüre immer noch verschlossen und nie wurde Ich ganz warm mit ihr. Manchmal hätte etwas mehr Kontext zum Geschehen dem Roman eben doch gut getan, damit die Leser besser in die Welt der Erzählerin eintauchen und mitfühlen können.
Fazit: Strandlektüre ist Das Alphabet bis S sicherlich nicht, eher würde Ich es empfehlen für ein verregnetes Wochenende auf dem Sofa. Wer sich dann mit viel Begeisterung für Literatur und vielleicht auch etwas Geduld auf den Roman einlässt, der wird fündig.
Hannah Steinberg



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