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Morgen mehr von Tilmann Rammstedt

„Von all dem will ich erzählen, aber nicht hier, in einer anderen Geschichte, später, viel später, denn vorher gibt es noch das eine, kleine Problem: Ich bin noch nicht geboren.“

Mit diesem Satz endet das erste Kapitel des Romans „Morgen mehr“ von Tilmann Rammstedt einem literarischen Unikat aus Westfalen, denn ich habe noch kein vergleichbares Buch gelesen.

Es handelt sich um eine Geschichte, die in den 70er Jahren, sowohl in Deutschland als auch in Frankreich spielt. In beiden Ländern findet die Handlung an mehreren Orten statt. Wir werden von dem Ich-Erzähler, der, wie bereits erwähnt, noch nicht geboren ist, durch diese amüsante und vielleicht auch etwas wahnwitzige Geschichte gelenkt. Währenddessen schwebt die erzählende Instanz über dem Geschehen und versucht irgendwie, die Figuren und das Geschehen zu lenken, was ihm nicht wirklich gelingt. Denn die Mission des ungeborenen Kindes ist es, seine beiden Eltern, die sich zu diesem Zeitpunkt weder kennen, noch sich im gleichen Land aufhalten, zusammenzubringen – innerhalb von sehr kurzer Zeit. Während der Erzähler also versucht, seine Eltern zusammenzuführen, treffen diese eine Menge an komischen und interessanten Charakteren, die meisten davon werden eher unfreiwillig Teil der Reise. Auf der Reise wird der Vater von einem möchtegern Unterweltboss begleitet, die beiden wiederum werden von drei Männern im Pelz verfolgt, die einen geheimnisvollen Koffer jagen, der sich im Kofferraum des Autos befindet, in dem der Vater des Ich-Erzählers zusammen mit dem Unterweltboss unterwegs ist. Somit beginnt eine chaotische Verfolgungsjagd durch Teile Europas. Dann begegnen sie einem kleinen und seltsamen Jungen, der sich nachts ganz allein an einer Tankstelle aufhält. Auf dem Weg nach Frankreich wird noch ein frisch getrautes Ehepaar, gegen ihren Willen, Teil der eigenartigen Reisegruppe. Während die Mutter des Ich-Erzählers in Frankreich versucht, eine To-Do Liste ihrer toten Schwester abzuarbeiten, was jedoch unmöglich scheint. Und natürlich stellt sich die ganze Zeit die große Frage, werden die beiden Eltern rechtzeitig zusammentreffen und erkennen, dass sie gemeinsam Eltern werden wollen? Was ich zu Beginn erwartet habe, kann ich nicht sagen, aber das war es jedenfalls nicht. Das Buch hat mich auf die positivste Art absolut überrascht.

Ich habe beim Lesen die ganze Zeit mitgefiebert, denn da wir die Geschichte von dem allwissenden Erzähler berichtet bekommen, sehen wir, was an den verschiedenen Orten passiert, was die Figuren denken und wissen, dass es nur auf ein heilloses Durcheinander hinauslaufen kann.  Es hat mir unfassbar viel Spaß gemacht, dieses Buch zu lesen und in die bunte Welt der 70er Jahre, aber auch in die der Figuren entführt zu werden. Neben dem großartigen Setting des Romans, machen vor allem die Charaktere und deren Vielfalt diesen Lesespaß, oder eher, das Lesechaos perfekt. Dieser Roman hat mich zum Lachen gebracht, aber auch zum Nachdenken, allem voran hat er mich aber zu einem Fan von Tilmann Rammstedt gemacht.

Hannah Schulte

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