Bücher

Kaiserstraße

„Alle Geschichten, dachte Böwe in dem Moment wieder, alle Geschichten gehören irgendwie zusammen.“ (S. 274)

Der Roman Kaiserstraße von Judith Kuckart hat mich nicht nur auf eine Reise durch fast fünf Jahrzehnte der Geschichte der Familie Böwe und der deutschen Geschichte mitgenommen, sondern auch auf meine persönliche Lesereise, die ursprünglich das Ziel hatte, den Roman – wie man es denn so macht – in ein bekanntes Schema einzufügen. Während ich mich zu Beginn noch siegessicher an den Klappentext klammerte, der mir sagte, es ginge um die Obsession Leo Böwes für den Mord an der Edelprostituierten Rosemarie Nitribitt, war ich mir bei der Hälfte schon nicht mehr sicher, ob es überhaupt ein Thema geschweige denn einen roten Faden gibt. Zeitsprünge und Perspektivwechsel warfen mich kurzzeitig aus der Bahn und ich zweifelte an meinen Fähigkeiten, das Konzept des Buches, dessen besonderer, ehrlicher und direkter Schreibstil mich sofort überzeugt hatte, im Ganzen zu verstehen. Bis ich schließlich beschloss, mein Ziel außer Acht zu lassen und die Reise zu genießen.

Am Ende blicke ich nun zurück auf einen Roman voller Weisheiten, kleiner und großer Geschichten des Lebens und ein Netz aus Verbindungen, das vielleicht erst – aber dann völlig – deutlich wird, wenn man einen Schritt zurücktritt. Ich habe nicht nur gelernt, dass ein Verkauf erst beginnt, wenn der/die Kund:in nein sagt, sondern wurde ebenso daran erinnert, dass es auch Literatur geben muss, die nein zu einem bestimmten Schema sagt und ihren eigenen Weg geht.

Ich bin irgendwie doch angekommen.

Maresa Lathen

Diskussion

Hinterlassen Sie einen Kommentar oder setzen Sie einen Trackback.

Kommentare abonnieren.

Bitte fair bleiben. Wir behalten uns vor, gegebenenfalls Kommentare zu löschen.

Sie können diese Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

*Notwendige Angaben