
„Choose a major you love and you’ll never work a day in your life because that field probably isn’t hiring“. Dieser Satz, der bei uns im LiKo-Büro hängt, schwirrte mir während der Lektüre von Brotjobs & Literatur immer wieder durch den Kopf. Denn genau diese Thematik greift der Sammelband auf, indem verschiedene Personen davon berichten, wie sie harte „Brotjobs“ verrichten, um sich ihrer Passion, dem „major they love“, hingeben zu können. Brotjobs & Literatur lässt uns hautnah miterleben, wie Autor*innen neben ihrer Leidenschaft – dem Schreiben – Tätigkeiten verrichten, die vom Lkw-Fahren, der Arbeit im Callcenter, dem Spülen in Großküchen bis hin zum tatsächlichen Brotbacken reichen.
Die Welt der Brotjobs
All diese Berufe haben etwas gemeinsam: Sie fordern von den Autor*innen nur wenig geistige Ressourcen. Denn das Letzte, was man will, ist, dass einem der Brotjob auch in der wortwörtlich hart erarbeiteten (Frei-)Zeit zum Schreiben im Kopf herumspukt. Die Ansichten der Autor*innen zu ihren Brotjobs sind jedoch vielfältig: Während die meisten lieber auf den Brotjob verzichten würden, um sich vollkommen dem Schreiben widmen zu können, berichten einige auch von wertvollen Routinen und Inspirationen, die sie in diesen Jobs finden und die wiederum in ihre – oft preisgekrönten – Geschichten einfließen.
Das finanzielle Dilemma des Schreibens
Eins macht das Buch allerdings unmissverständlich klar: Das Leben als Autor*in ist kein Zuckerschlecken. Es ist geprägt von Geldsorgen, einer enormen Frustrationsgrenze, einer ständigen Anspannung sowie einer sofortigen Habachtstellung, wenn man erwähnt, dass man „Schriftsteller*in“ sei. Die häufigste Frage, die eine Schriftsteller*in hört, lautet: „Und? Kannst du davon leben?“. Welche Schlagkraft dieser Satz hat, wird in Brotjobs & Literatur deutlich. Für die Literaturwelt müsste der Satz im Büro also eher heißen: „Choose a major you love and you’ll always have to work, because that field probably isn’t paying enough“.
Patriarchale und kapitalistische Herausforderungen
Brotjobs & Literatur zeigt auch den zusätzlichen mentalen Druck, den speziell Autor*innen aus diskriminierten Gruppen empfinden. In einer patriarchalen und kapitalistischen Welt müssen sie nicht nur finanzielle, sondern auch soziale Hürden überwinden. Sie schreiben für ein Publikum, das oft bestimmte Denkmuster mitbringt, und sind dabei teilweise darauf angewiesen, die Erwartungen der Leser*innen an den Text ihren eigenen Denkmustern überzuordnen.
Fazit
Das Buch und die verschiedenen Eindrücke der zu Wort kommenden öffnen einem die Augen dafür, wie hingebungsvoll Schreiber*innen sich ihren Texten zuwenden und wie hart und unfair die Buchbranche ist. Brotjobs & Literatur lädt dazu ein, sich die Frage zu stellen, wie viel Idealismus es braucht, um trotz widriger Umstände weiterzuschreiben.
Nele Nentwich



Hinterlassen Sie einen Kommentar oder setzen Sie einen Trackback.
Kommentare abonnieren.
Bitte fair bleiben. Wir behalten uns vor, gegebenenfalls Kommentare zu löschen.
Sie können diese Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>