
May Ayims 1997 veröffentliche Sammlung von Aufsätzen, Reden und Interviews führt nicht nur durch Ayims eigene Biographie – von ihrer Kindheit, über ihr Studium, zu ihrer Zeit in Berlin, sondern zeigt auch, wie ihre Erfahrungen mit Rassismus ihr Leben als Afro-Deutsche sowie ihren Aktivismus und Feminismus prägten.
Die Texte dokumentieren eindrücklich den Stress des Rassismus, der jede Situation in Ayims Alltag beeinflusste. Ihre Erfahrungen in einer weißen Pflegefamilie, einem Logopädie-Studium, in dem nicht der Umgang mit Personen gelehrt wird, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, und ein Leben in einer Gesellschaft, die Rassismus nicht als Problem anerkennen möchte, werden von Ayim in verschiedenen Texten verarbeitet. Die unterschiedlichen Textarten, von einem Brief an den „1. gemeinsame Kongress ausländischer und deutscher Frauen“ zu einem Eintrag im Lexikon „Ethnische Minderheiten in der Bundesrepublik Deutschland“ zeigen eindrücklich die Vielseitigkeit von Ayims Aktivismus und wie ausgiebig sich Ayim mit der Realität Schwarzer Deutscher auseinandersetzte.
Die ständige Frage, wo sie hingehört, begleitete Ayim durch ihr Leben und somit auch durch das Buch. Auch wenn Ayim nie eine passende Antwort auf diese Frage gefunden hat, ist diese Sammlung eine gute Auseinandersetzung mit der Frage, was es bedeutet als Schwarze Teil der Deutschen Gesellschaft zu sein. Die Beobachtungen, die Ayim in Worte fasste, sind auch 27 Jahre später immer noch von Bedeutung. Das Vorwort von Josephine Apraku sowie ein biographischer Essay von Silke Mertens tragen weiter dazu bei, dass das Buch auch heute noch aktuell ist.
Theresa Tenger



Hinterlassen Sie einen Kommentar oder setzen Sie einen Trackback.
Kommentare abonnieren.
Bitte fair bleiben. Wir behalten uns vor, gegebenenfalls Kommentare zu löschen.
Sie können diese Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>