Barbara Morgenstern ist im positiven Sinn eine Unberührbare. Sie existiert in ihrer ganz eigenen – also in einer der besten aller Popwelten – die so gar nichts zu tun hat mit der tumben deutschrockigen Restwelt von „Wir sind Helden“ und „Zwei Raum Wohnung“. Wenn es überhaupt einer Analogie bedarf, dann lassen sich musikalische Verwandtschaften mit den märchenhaft-idiosynkratischen Elfenklängen isländischer Künstler wie múm oder Sigur Rós erkennen. Rätselhaft wirken ihre mit filigraner, klarer und hypnotischer Stimme vorgetragenen deutschen Texte, versponnen poetisch ihr sphärischer Keyboard-Sound. Dabei hat ihr musikalischer Ursprung wenig mit der Weite isländischer Landschaften zu tun, als mit der Enge ihres Altberliner Wohnzimmers. Denn in diesem begann ihre musikalische Karriere. Als der Prenzlauer Berg noch Abbruchcharme versprühte, avancierten für einige kurze Winter seine Altbauwohnungen zu heimelig-intimen Auftrittsorten für eine Musik- und Kunstszene um Barbara Morgenstern, Masha Qurella und den Quarks, deren zerbrechlicher, gedimmter Sound die fragile Substanz der unsanierten Hinterhäuser widerspiegelt. Für Morgenstern wurde die Intimität der auf Freundschaften basierenden Szene zu einer Haltung, die ihr musikalisches Schaffen seitdem bestimmt. Seit 1997 blieb sie der Undergroundlegende Gudrun Gut und ihrem Label Monika-Enterprise treu. 2010 veröffentlichte sie hier ihr zehntes Album „Fan No. 2“. Ein besonderes Highlight in Morgensterns Karriere war eine einzigartige Welttournee 2003/4, in der sie auf Einladung des Goethe-Instituts in 34 Ländern spielte. Ihr Auftritt in Nottbeck am 10.2.2011 ist demgegenüber ein Ruf in ihre fast isländisch-weite westfälische Heimat. Morgenstern ist in Hagen aufgewachsen, einer Popstadt – Inga Humpe, Nena, Extrabreit – mit Tradition.
S. Stadthaus/W. Gödden



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