Bücher, NRW-Buchmesse

»Nichts geschieht« – Carsten Zimmermann

Verlag: edition offenes feld

Der in Berlin wohnende Carsten Zimmermann ist nicht nur ein ausgezeichneter Lyriker, sondern auch ein fabelhafter Romancier. Sein eindrucksvoller Roman »Nichts geschieht« handelt von vier Personen, die in einen Autounfall mit Fahrerflucht verwickelt sind: Ulrich, der Fahrer, von Beruf Psychiater; Erika, seine demenzkranke Schwiegermutter, hinten im Wagen; Oliver, der Überfahrene; und Karl, ein Kriegsveteran, der einen ihm unbekannten Toten am näschsten Morgen im Wald auffindet. Diese vier erzählen sich jeweils selbst, wer sie sind und was geschieht. Was sie sich erzählen, ist Verstehensversuch und Abwehr zugleich. Das eigene Dasein zu interpretieren, ein Ich zu bilden, das plausibel ist, bleibt letztlich imaginär, fragil, ungewiß, formelhaft, es blendet Dinge aus: die Leichen im Keller, die eigene Machtlosigkeit, die Möglichkeit, daß plötzlich nichts mehr geschieht, was erzählt werden kann. So ist es jedes erzählende Hinsehen zugleich ein Wegsehen, jedes Begreifen geschieht im Kontext einer grundsätzlichen Unbegreiflichkeit, einer grundlegenden Stille. Die vier Monologe entwickeln einen Sog, dem man sich kaum entziehen kann, auch wenn nach außen hin tatsächlich nicht viel geschieht. Für mich einer der besten deutschen Romane seit vielen Jahren!

                                                                            Jürgen Brôcan (Hrsg.)

»Nichts geschieht«. Carsten Zimmermann (edition offenes feld, 2016).

21,95€ (D)

ISBN 9783839115251

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