2014 jährt sich der Ausbruch des Ersten Weltkrieges zum hundertsten Mal. Dazu erscheinen etliche Bücher, Fernseh- und Radiosendungen, Zeitungsartikel etc. Im Zuge dieser Informationsflut ist es schwierig, neue, ungewohnte Perspektiven auf den Ersten Weltkrieg zu bieten. Walter Gödden, Sie verfolgen diesen Anspruch im Museum für Westfälische Literatur mit der Ausstellung „1914: text und krieg – krieg und text“. Wie genau wollen Sie ihn erfüllen?
Bei der genannten Ausstellung stehen ganz zentral die literarischen Texte im Mittelpunkt also weniger das Kriegsgeschehen und das Biografische. Wir haben uns gefragt, wie man die damalige Literatur mit heutigen Mitteln adäquat inszenieren kann, d.h. in Form von Videos, Fotografie, Sound, bis hin zum Thema Tanz und Skulptur. Das war Teil eines Uni-Seminars mit Studierenden der Germanistik und der Medienwissenschaft.
Es war sehr erfreulich zu beobachten, wie sich die Studierenden auf das Thema einließen, wie sie Feuer fingen. Sie fanden auf eine ganz andere Weise einen Zugang zu den Texten als bei einem üblichen Uni-Seminar. Das Experiment hat also funktioniert.
Thomas Strauch, Carsten Engelke und ich als Seminarleiter haben den Studierenden einen Reader mit Lyrik und Prosa aus der Zeit des Ersten Weltkriegs an die Hand gegeben und ihnen dann alle Freiheiten gelassen, etwas aus den Texten zu machen. Das ging bis zu einer Rap-ähnlichen Fassung eines Paul-Zech-Gedichts.
Ein zweiter Teil der Ausstellung wurde von dem Bühnenbildner und Künstler Jeremias Vondrlik gestaltet. Er hat die Räume des Museums mit Nato-Zeltstoff ausgestaltet und bestimmte Licht- und Soundinstallationen geschaffen.
Er hat so eine klaustrophobische Atmosphäre kreiert. Das lohnt es sich unbedingt anzusehen. In die Zeltplanen hat Vondrlik Taschen eingenäht, in denen man Texte der behandelten Autoren finden kann. Der Besucher wird also interaktiv einbezogen.
(Interview mit Walter Gödden – WDR 3, Zeitgeschehen)





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