Was war!

Wir wollten doch noch…

Zum Tod des Lyrikers und Freundes Arnold Leifert

Sein plötzlicher Tod am 6. September 2012 war für uns ein Schock. Arnold Leifert stand dem Haus Nottbeck und unserem Tun in besonderer Weise nahe. Er war mehrfach Gast des Hauses, trat hier mit der Akkordionistin Cathrin Pfeifer auf (ein unvergessener Abend), ja, er verfasste sogar – anlässlich der Eröffnung des Museums 2001 – ein Gedicht über das Haus, das eine Stimmung einfängt, die bestimmten Sommerabenden auf dem Kulturgut zu eigen ist:

Haus Nottbeck – Westfälisches Literaturmuseum

(für Julien – am 30. Juni 2001)

dass das Haus / Frösche hat / ringsherum in / der ersten Nacht / ein kleiner Mensch / schwimmt auf in den / ohrenschillernden / Quakblasen / sieht sie auch / riesengroß / straft die Blasen des / grellen Eröffnungs- tags / Lügen im milden / nachgewittrigen Licht / das Orchester am / Hoftor ist wirklich / und wer ihn nur hört / und nicht sieht /  diesen traumgroßen Frosch / da im Dunkel der Gräfte / dem bleibt nur / der menschliche Arm / zu drücken den Freund / und zu hoffen

Arnold Leifert hatte die Vision, Literatur und Natur zusammen zu führen. Nach Anfängen als politischer Lyriker wandte er sich dem Naturgedicht zu, das – in seiner Variante – nicht weniger dringliche Fragen stellte. In der Neuen Zürcher Zeitung war über ihn zu lesen, er dichte „so kompakt, so wortbewusst, sparsam und hellwach aufs Welt- und Lebensganze ausgerichtet“ wie nur wenige seiner Kollegen. Der Autor bewege sich ganz im Gleichschritt mit seinen Versen und Metaphern, sei gleichsam eins mit seiner Dichtung.

In Leiferts Schreiben trat das Element des Plakativen immer mehr hinter das des Meditativen zurück. Leiferts Lebensmaxime lautete, wach zu bleiben, sich nicht „verführen und einlullen zu lassen, Träume zu haben, nicht die sechs Richtigen im Lotto, sondern Träume, die ich realisiere…“ Für ihn hieß das: mit seiner Lebenspartnerin und vielen Tieren ein zurückgezogenes Leben auf einem kleinen Bauernhof im Bergischen Land zu führen. Hier konnte er sich, nach Aufgabe seines Lehrerberufs, noch intensiver auf sein Schreiben und seine Natur- beobachtungen konzentrieren.

Was von Arnold Leifert bleibt, sind Verse, die im Gedächtnis lange nachhallen: „das ist die Zeit / der überfließenden Schubkarren / der randvollen Nächte“ (Zeit mit Poesie).

Walter Gödden

Bücher von Arnold Leifert (Auswahl): Damit der Stein wächst. Gedichte. 1994 – Wenn wach genug wir sind. Gedichte. 1997 – Man könnte doch einfach das Pferd satteln. Poem. 2001 – Bleibt zu hoffen der Schnee. Gedichte aus drei Jahrzehnten. 2002.

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