„Ich schaffe pro Tag ungefähr 25 bis 30 Seiten.“ Helmut Rellergerd – John Sinclair-Autor mit Akkordtempo „Ich arbeite wie ein kreativer Beamter. Ich bin kein Typ, der abends oder nachts arbeitet und ich möchte immer nachmittags fertig sein, d.h. ich stehe um halb sieben auf, lese dann noch Zeitung, lasse mir ein bisschen Zeit, so […]
Dominique Horwitz lässt bei seiner Lesung die satirische Schärfe Johann Moritz Schwagers mit neuer Verve aufleben. Wer war dieser Johann Moritz Schwager? Man muss weit zurückblättern, bis ins tiefe 18. Jahrhundert. Schwager war Theologe, Publizist und Schriftsteller mit jahrzehntelangem Wohnsitz in Jöllenbeck (heute Ortsteil von Bielefeld). Ein genialer Geist und zugleich ein Dickschädel, der keiner […]
„Ich kann nur autobiografische Romane schreiben.“ Wolfgang Welt – Schriftsteller und Buddy Holly-Verehrer Hatten Sie damals Vorbilder? Nein, hatte ich nicht. Das einzige Vorbild, das ich hatte, war Hermann Lenz, der ja in zehn oder elf Bänden autobiografisch über sich geschrieben hat, über seine Zeit in Stuttgart und dann später in München. Wie viel stilistische […]
Nicht kommentieren, keine Gefühle ausdrücken, sondern etwas sichtbar machen. Judith Kuckart – Tänzerin, Choreografin, Regisseurin, Autorin „Ich stoße nicht auf die Stoffe, sondern es gibt, glaube ich, Geschichten, die sind so frei flottierende Teilchen, die warten eigentlich nur darauf, dass sie jemand erzählt. Und da ich ganz gerne erzähle, kommen die zu mir wahrscheinlich schneller […]
Einst schleppte ein Weihnachtsmann so schwer an seinem Sack mit Geschenken, daß er gerechterweise in der Stadt G. eine Pause einlegte. In der Stadt G. aber war zur selben Zeit ein Weihnachtsmarkt aufgebaut. Den sah der Weihnachtsmann und aß eine Bratwurst, aß eine Krakauer, aß eine Brühwurst und trank eine Cola. Gestärkt ging er einen […]
„Muster, Schablonen, eingefrorene Metaphern und Bilder bewusst aufbrechen“ Christoph Wenzel, Lyriker „Ich habe mal in einem kleinen Essay den Lyriker mit einem Allergiker verglichen. (…) Irgendetwas, sei es eine Nachrichtenmeldung, sei es ein verquerer Satz in der Zeitung, in dem ein Druckfehler steht, oder eine völlig unscheinbare Kleinigkeit, ist dann so ein Partikel, ein Allergen […]
Heiligabend mit Martha vor frist polierte Schaufensterfronten, sie waren das erste, dem der müde Blick begegnete. der Brunnen auf dem Markt verwaist, Eisrosen am Grünsandstein, an den Gittern ein paar Zapfen. die Stille hier, sie tätowierte Müdigkeit in ihre warmen Augen, die mehr sahen als nur eine Jahreszeit. nicht weit von hier der Antennenmast […]
Spätestens seit Erwin Grosche wissen wir, wie die Kräfteverhältnisse im Bad verteilt sind. Der Mann darf auf dem Stöpsel sitzen. Denn: „Er ist der Mann, sie ist die Frau!“ Da gibt es gar kein Vertun. Für das Autorengespann Oliver Uschmann/Sylvia Witt ist die Badewanne seit je ein soziales Refugium. Ein Rückzugsort, ein Ort der Besinnung […]
Winter Anwesenheit, Abwesenheit, der Schimmel in einer schneeigen Koppel. Gleichmaß des Winters. Einen Gang ums Dorf, einen Blick zurück. Gehen, nicht ankommen. Ein Weiß also im Schnee, das sind verlorene Gegenden für uns. Hans Georg Bulla in: Wechselgetriebe. Ausgewählte Gedichte und Notate. Bielefeld 2011
„Der Mensch ist ein Säugetier, das vergisst er in zunehmendem Maße. Das Fahrzeug, mit dem er sich auf diesem Planeten bewegt, ist sein Körper.“ Arnold Leifert, Lyriker (1940–2012) „Auf die Gedichte bezogen, kann ich mit Disziplin überhaupt nichts anfangen – gar nichts, überhaupt nichts. Die entstehen beim Ausmisten der Pferde, beim Saubermachen des Teichs, beim […]
Als der Lünener Metallarbeiter Werner Warsinsky am 26. März 1953 den erstmals vergebenen Europäischen Literaturpreis der Gemeinschaft der Büchergilden und Buchklubs erhielt, wurde sein Name in der literarischen Öffentlichkeit mit einem Schlag bekannt. Sein ausgezeichneter Roman Kimmerische Fahrt erlangte sofort ein vielfältiges Medienecho und wurde in den Feuilletons großer Zeitungen besprochen. Der Roman war somit […]
Verfroren Trafen wir uns, war der See vereist. Eine dicke Schicht war gewachsen bereit, uns zu tragen. Der Schnee wurde dicht, ein schirmender Vorhang der die Landschaft schraffierte. Die Hügel, die bewaldeten Ränder wichen zurück. Unter uns lag dieser weiße Teller. Adrian Kasnitz in: Den Tag zu langen Drähten. Gedichte. Köln: parasitenpresse 2009