{"id":957,"date":"2012-07-10T16:47:40","date_gmt":"2012-07-10T15:47:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/?p=957"},"modified":"2025-11-05T09:03:18","modified_gmt":"2025-11-05T08:03:18","slug":"man-kann-sich-ausleben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/?p=957","title":{"rendered":"\u201eMan kann sich ausleben\u201c"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Lara Sielmann, Jahrgang \u201987, geh\u00f6rt zu den vier gl\u00fccklichen Kurzh\u00f6rspielautoren,<\/strong> deren Text vom Nottbecker Publikum\u00a0 bei der &#8222;Shortcuts&#8220;- Kurzh\u00f6rspiel-Gala mit einem Preis bedacht wurde. Nach der Verleihung sprach sie mit Arnold Maxwill \u00fcber Literatur im Radio, die Kunst der Verknappung und verriet etwas \u00fcber die Lust am Experiment bei Kurzh\u00f6rspielen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Herzlichen Gl\u00fcckwunsch, Du hast mit Deinem Text \u201eWo wir wuchsen\u201c, einer poetischen Rekonstruktion von Vergangenheit, wenn ich das so sagen darf, heute Abend bei den \u201eShortcuts\u201c \u2013 Westf\u00e4lischer Kurzh\u00f6rspiel-Award hier in Nottbeck vom Publikum einen der drei ersten Preise zugesprochen bekommen! Zudem geh\u00f6rte Dein Text zu den wenigen, die sich gl\u00fccklich sch\u00e4tzen k\u00f6nnen, gleich von zwei Regisseuren in verschiedenen Versionen inszeniert zu werden. Ein gutes Gef\u00fchl?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja, in jedem Fall! Dass ich \u00fcberhaupt unter den zehn Nominierten war, hat mich schon sehr gefreut. Es war spannend, zu h\u00f6ren, wie unterschiedlich akustische Inszenierungen ausfallen k\u00f6nnen, wo sie doch vom selben Text ausgehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Zun\u00e4chst die Frage: Wie bist Du zum H\u00f6rspiel, zum Kurzh\u00f6rspiel gekommen? Was hat Dich dazu getrieben? <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe 2008 in Hildesheim angefangen zu studieren, Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus, und habe gleich zu Beginn ein Literaturradio mit aufgebaut. <!--more-->Ich habe mich vorher eigentlich gar nicht so intensiv mit dem Ph\u00e4nomen Radio und H\u00f6rspiel auseinandergesetzt, habe in Hildesheim aber angefangen, eigene Beitr\u00e4ge zu produzieren und mich n\u00e4her mit Literatur im Radio zu besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Wie bist Du dabei auf diesen Wettbewerb aufmerksam geworden?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das war gewisserma\u00dfen Zufall. Ich habe im Winter 2011 erfolgreich bei einem Kurzdramawettbewerb teilgenommen, mit einem Text, den ich als H\u00f6rspiel realisieren wollte; als ich dann die Ausschreibung zum Wettbewerb hier in Nottbeck sah, hatte ich Lust, noch einen H\u00f6rspieltext zu schreiben. Das fand ich unheimlich spannend: auf einer DIN A4-Seite das zu verdichten, was man sonst auf zehn oder mehr Seiten ausbreiten w\u00fcrde. Und das bei freier Themenwahl!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Das hei\u00dft, es war der \u00e4u\u00dfere Ansto\u00df, der Dich motiviert hat: \u201eDas will ich einmal auszuprobieren!\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesem Fall: ja. Ich fand das Konzept interessant und konnte mir auch kaum vorstellen, wie die Realisierung konkret aussieht: Ich schreibe einen Text, gebe den in H\u00e4nde mir v\u00f6llig unbekannter Menschen, die daraus ein experimentelles H\u00f6rspiel machen. Und was bedeutet das eigentlich wiederum: experimentelles H\u00f6rspiel? Das ist ja ein Begriff, der bei vielen noch mit einem gro\u00dfen Fragezeichen versehen ist. Und die heute Abend hier pr\u00e4sentierten Versionen von \u201eWo wir wuchsen\u201c zeigen ja, was f\u00fcr verschiedene Assoziationen ein Text bei Regisseuren ausl\u00f6sen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>In Deinem Text treten die Stimmen dreier Generationen in Dialog miteinander, vermengen und \u00fcberkreuzen sich. Was war Dir hierbei besonders wichtig?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In meinem St\u00fcck zeige ich gewisserma\u00dfen den Wandel, den Zerfall eines Dorfes anhand von drei verschiedenen Generationen. Es sind drei Frauenstimmen \u2013 Gro\u00dfmutter, Mutter, Tochter \u2013, die stellvertretend die Geschichte des Dorfes erz\u00e4hlen, aber auch erz\u00e4hlen wie sie zusammengelebt haben oder immer noch leben. Deshalb auch keine chronologische Reihenfolge, und deshalb auch chorisches Sprechen an manchen Stellen, um die gemeinsamen Erinnerungen zu verdeutlichen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Wie bist Du zu diesem Thema gelangt? Was reizt Dich daran, dem Vergangenen auf diese Weise nachzusp\u00fcren?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr mich sind Erinnerungen die Grundlage unserer Identit\u00e4t. Das bedeutet zugleich, dass man nicht sofort verschwindet, sobald etwas nicht mehr da ist. Im Gegenteil: Die Tatsache, dass bestimmte Gegenst\u00e4nde, Gewohnheiten, Handlungen nicht mehr vorhanden sind, erm\u00f6glicht es, das Vergangene erinnernd wieder zum Leben zu erwecken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Kannst Du Dir vorstellen, k\u00fcnftig, auch in beruflicher Perspektive, weiter im Feld von Literatur, Radio und H\u00f6rspiel aktiv zu sein?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich m\u00f6chte es auf jeden Fall ausprobieren! Das Schreiben meiner Wettbewerbsbeitr\u00e4ge hat mir sehr viel Freude gemacht; ich habe auch gemerkt, dass dies eine Form von Literatur ist, mit der ich viel anfangen kann, weil es sehr viel lebendiger ist als die stille Lekt\u00fcre: Man ist darauf angewiesen, sich konkret mit der gesprochenen Sprache auseinanderzusetzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Die Materialit\u00e4t von Sprache und Klang also \u2013 auch genau im Format des Kurzh\u00f6rspiels?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja, durchaus. Auch wenn das Kurzh\u00f6rspiel jetzt keine unglaublich neuartige Form im Radio mehr ist, scheint es vielen Leuten immer noch nicht wirklich bekannt zu sein. Es dominieren weiterhin sehr g\u00e4ngige Vorstellungen \u00fcber \u201adas\u2018 klassische H\u00f6rspiel: ein Erz\u00e4hler, vielleicht mehrere Dialogstimmen, 40-60 Minuten. Beim Kurzh\u00f6rspiel ist dieser zeitliche Rahmen zwar viel enger gesteckt, aber innerhalb dieses Rahmens kann man sich genauso ausleben. Du hast also eine Seite Text und drei Minuten zur Verf\u00fcgung \u2013 und gerade dies erm\u00f6glicht es dir beim Aufbau einer kompletten Dramaturgie, immer wieder neu mit den Erwartungen, die das H\u00f6rspiel anbietet, zu spielen und zu \u00fcberraschen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Dein Studium in Hildesheim, Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus, stimuliert es deinen Schreibprozess?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja, automatisch. Ich setze mich seitdem viel intensiver mit medialen Prozessen und Erz\u00e4hlstrukturen auseinander. Die st\u00e4ndige Besch\u00e4ftigung mit Kunst, Kultur und Medien, auch im interdisziplin\u00e4ren Sinne, ist eine andauernde Ein\u00fcbung f\u00fcr meine eigene Wahrnehmung, mein Schreiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vielen Dank f\u00fcr Deine Zeit und das Gespr\u00e4ch!<\/p>\n<div id=\"facebook_like\"><iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=https%3A%2F%2Fwww.hausblog-nottbeck.de%2F%3Fp%3D957&amp;layout=standard&amp;show_faces=true&amp;width=500&amp;action=like&amp;font=segoe+ui&amp;colorscheme=light&amp;height=60\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:500px; height:60px;\" allowTransparency=\"true\"><\/iframe><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lara Sielmann, Jahrgang \u201987, geh\u00f6rt zu den vier gl\u00fccklichen Kurzh\u00f6rspielautoren, deren Text vom Nottbecker Publikum\u00a0 bei der &#8222;Shortcuts&#8220;- Kurzh\u00f6rspiel-Gala mit einem Preis bedacht wurde. 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