{"id":848,"date":"2012-04-02T09:04:10","date_gmt":"2012-04-02T08:04:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/?p=848"},"modified":"2025-11-05T09:01:25","modified_gmt":"2025-11-05T08:01:25","slug":"848","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/?p=848","title":{"rendered":"Expeditionen ins Rockreich"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>In seinem neuen Buch &#8222;\u00dcberleben auf Festivals&#8220; stellt Oliver Uschmann ultimative Fragen: <\/strong>Wie soll man sich verhalten, wenn man einem &#8222;Bollo&#8220;-Typen begegnet? &#8222;Der Bollo ist ein von jeglichen Umgangsformen befreiter, t\u00e4towierter Mann, der meistens Jogginghosen aus Ballonseide tr\u00e4gt. Von sich selbst sagt er, dass er ein lieber Typ sei, doch im Gegensatz zur Gattung M\u00e4nnerherz, auf die das wirklich zutrifft, muss der Bollo leider regelm\u00e4\u00dfig etwas oder jemanden zu Klump schlagen, am liebsten zu den Kl\u00e4ngen seiner Lieblingsgattung des Musikers, dem Grobian. Die Bezeichnung Bollo stammt aus dem allt\u00e4glichen Sprachgebrauch des &#8218;Herumbollerns&#8216;, also des r\u00fcden und unsensiblen Verhaltens. Manche behaupten allerdings, sie gehe auf ein Leibgericht des Bollos zur\u00fcck: die &#8218;Pom Bollo&#8216;, einen Riesenhaufen Pommes frites mit zwei Litern Hackso\u00dfe. Ein barbarisches Gericht, das es in dieser Form nur im Ruhrgebiet gibt.&#8220;<!--more--> Was also tun, wenn pl\u00f6tzlich ein Bollo vor einem steht? Uschmann r\u00e4t: &#8222;Rustikal reden. Bier teilen. Von der Arbeit erz\u00e4hlen. Nicht auf die Ballonseide starren. Verschweige, dass du studierst.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Bollo ist nur einer von vielen Festival-Nerds, die Uschmann vorstellt und messerscharf seziert. Es gibt auch den &#8222;Choleriker&#8220;, &#8222;Kegler&#8220;, &#8222;Retro-Rocker&#8220;, &#8222;Weltverbesserer&#8220; oder \u2013 in weiblicher Variante \u2013 den &#8222;Bettina&#8220; bzw. &#8222;Betty&#8220;-Typ, &#8222;Turtelt\u00e4ubchen&#8220; oder die &#8222;Lese-Lara&#8220;. Uschmann nimmt sie alle ins Visier und l\u00e4sst sie vor unserem geistigen Auge neu erstehen: die Harten und die Beinharten, die Kuschelrocker wie die Vandalen. Skurrile K\u00e4uze allesamt, etwas verloren in der Wirklichkeit und doch \u2013 in der Hauptsache \u2013 liebenswerte Gestalten, die einem Hobby fr\u00f6nen, das oft zum Lebensinhalt geworden ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Anschluss an seine Typenlehre wendet sich Uschmanns &#8222;Expedition ins Rockreich&#8220; der Gattung der Musiker zu, bestimmten Verhaltensritualen, der Ern\u00e4hrung, Bauten und Siedlungen und der Security. Nichts bleibt au\u00dfen vor, nichts entgeht seinem angeschr\u00e4gten alltagsphilosophischen Scharfsinn.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Alles nur Satire, erkl\u00e4rt uns Uschmann im Vorwort. Das br\u00e4uchte er zwar nicht, aber sch\u00f6n, dass er\u2019s noch mal gesagt hat. \u00dcbertreibung macht bekanntlich anschaulich. Bei &#8222;\u00dcberleben auf Festivals&#8220; ist sie das Salz in der Suppe. Uschmanns Festival-Fibel zufolge m\u00fcsste der Schreiber dieser Zeilen ein Wohnmobil fahren, einen meterlangen Bart tragen und kiloweise Fleisch brutzeln. Nichts davon. Egal. Wir delektieren uns an einem Uschmann in Hochform und hochkomischen Er\u00f6rterungen und Maximen, von denen eine da lautet: &#8222;Festivals sind ein Ausnahmezustand. Wer die Wildnis \u00fcberleben will, muss die Wildnis verstehen.&#8220; Uschmann ist unentwegt dem Zeitgeist auf der Spur. Hier hat er ihn in einer Nische ausgesp\u00e4ht, da, wo&#8217;s manchmal besonders wehtut.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.kreis-warendorf.info\/wordpress\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/festival211.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-850\" title=\"festival21\" src=\"http:\/\/www.kreis-warendorf.info\/wordpress\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/festival211-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/festival211-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/festival211.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Zum Schluss kl\u00e4rt der Autor noch dar\u00fcber auf, wie es mit seiner eigenen Festival-Premiere war. Ausgerechnet ein Peter-Maffey-Konzert war eine Art Initialz\u00fcndung. In der offiziellen Vita ist es dagegen ein Nirvana-Konzert 1991 in K\u00f6ln. Ja, so ist das mit dem Coolnessfaktor und den vermeintlichen Zw\u00e4ngen, die er mit sich bringt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Walter G\u00f6dden<\/p>\n<div id=\"facebook_like\"><iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=https%3A%2F%2Fwww.hausblog-nottbeck.de%2F%3Fp%3D848&amp;layout=standard&amp;show_faces=true&amp;width=500&amp;action=like&amp;font=segoe+ui&amp;colorscheme=light&amp;height=60\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:500px; height:60px;\" allowTransparency=\"true\"><\/iframe><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In seinem neuen Buch &#8222;\u00dcberleben auf Festivals&#8220; stellt Oliver Uschmann ultimative Fragen: Wie soll man sich verhalten, wenn man einem &#8222;Bollo&#8220;-Typen begegnet? &#8222;Der Bollo ist ein von jeglichen Umgangsformen befreiter, t\u00e4towierter Mann, der meistens Jogginghosen aus Ballonseide tr\u00e4gt. 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