{"id":5551,"date":"2026-09-07T07:49:40","date_gmt":"2026-09-07T06:49:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/?p=5551"},"modified":"2026-09-07T07:49:40","modified_gmt":"2026-09-07T06:49:40","slug":"oliver-uschmann-und-sylvia-witt-log-out","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/?p=5551","title":{"rendered":"Oliver Uschmann und Sylvia Witt: Log Out!"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Bild_geschnitten-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"883\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Bild_geschnitten-883x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5552\" srcset=\"https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Bild_geschnitten-883x1024.jpg 883w, https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Bild_geschnitten-259x300.jpg 259w, https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Bild_geschnitten-768x891.jpg 768w, https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Bild_geschnitten-1325x1536.jpg 1325w, https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Bild_geschnitten-1766x2048.jpg 1766w\" sizes=\"auto, (max-width: 883px) 100vw, 883px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eIch bin allein, denke ich, w\u00e4hrend ich mich durch die Menge dr\u00e4nge.\u201c (S. 7) Dieser einleitende Satz des Romans <em>Log Out!<\/em> von Oliver Uschmann und Sylvia Witt aus dem Jahre 2012 beschreibt bereits den Dreh- und Angelpunkt seiner Handlung: Die Ich-Krise und Sinnsuche des 19-j\u00e4hrigen Protagonisten Paul Planbaum, frisch aus dem Abitur und pl\u00f6tzlich allein dastehend. Im Gegensatz zu seinem Namen plant Paul n\u00e4mlich nicht \u00ad\u2013 er hat sogar eine grunds\u00e4tzliche Abneigung dagegen: \u201ePlanen ist [&#8230;] eine Anma\u00dfung. Als wenn man die Zukunft im Griff haben k\u00f6nnte.\u201c (S. 22) Im Laufe der Handlung erwartet ihn aber genau das: Die Konfrontation mit traumatischer Vergangenheit, orientierungsloser Gegenwart und ungewisser Zukunft und dies zusammengesponnen in der wahnwitzigen Projektidee \u201a<em>Log Out!<\/em>\u2018: 100 Tage Survival im Wald. Dabei wird er durch seinen Blog, in dem er das Ganze festh\u00e4lt, zum Medienph\u00e4nomen, was im meinungsstarken Kontext des Netzes die Einordnung und Bestimmung seines fraglichen Ichs deutlich erschwert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Paul erscheint zun\u00e4chst ziellos zu sein, da sein bisheriges Leben auf den Kopf gestellt wird: Eltern verreist, bester Freund weggezogen, Schule beendet. Dementsprechend formbar und ungreifbar ist unser Protagonist auch: Genau wie er selbst, wissen auch die Lesenden nicht, wer er ist und wohin er will. Dies spiegelt sich auch in der Handlung des Romans mit seinen Irrungen, Verstrickungen und Wendungen, welche Paul vorantreiben und Sinn stiften sollen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das konkrete Blogprojekt<em> Log Out!<\/em> spinnt dabei einen roten Faden und veranlasst die komplette Neuerfindung Pauls. Bei seiner Selbstsuche und Sinnfindung verkauft er beinahe seinen gesamten Besitz \u00fcber eBay und geht zur\u00fcck in das Archaische \u2013 die Natur, den Wald \u2013 und kehrt somit die Idee der Evolution herum. Der Notwendigkeit seiner (Weiter-)Entwicklung entkommt er dabei nicht, besch\u00e4ftigt er sich doch mit verschiedenen kulturellen Aspekten \u2013 wie dem \u00dcberdruss an Besitz, Konsum und Kapitalismus und dem Hinterfragen der g\u00e4ngigen Konventionen \u2013 und sozialen Beziehungen: Eltern- und insbesondere Mutterschaft, Freundschaft, Kollegialit\u00e4t und Liebe. Hinzukommt die kritische Auseinandersetzung mit der Rolle und Bedeutung der Medien, ihrer Allpr\u00e4senz einerseits und ihrer Ambivalenz andererseits, welche die Rahmenbedingungen durch die \u00f6ffentliche Verhandlung von Pauls Handeln noch einmal versch\u00e4rfen. Ja, es k\u00f6nnte sogar behauptet werden, die Medien seien handlungstreibend f\u00fcr Pauls Entwicklung, oder gar der Rahmen, in dem er sich neu erfindet. Radikal begegnet das Archaische hier dem Digitalen, was sich auch in den verschiedenen Textformen \u2013 u. a. [in] Mails, Chatnachrichten und Blogeintr\u00e4gen \u2013 innerhalb des Romans zeigt. Zugleich verweben sich die Lebensrealit\u00e4ten und dadurch auch die Frage, ob der \u201arichtige\u2018 R\u00fcckgang ins Archaische \u00fcberhaupt m\u00f6glich ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Projekt <em>Log Out! <\/em>wird nie so zu Ende gef\u00fchrt, wie Paul es geplant hat \u2013 aber Paul plant ja auch nicht, richtig? Fragen nach Ausma\u00df und Art seiner Neuerfindung, dem Einfluss von au\u00dfen sowie der Kritik an sich selbst und der Ambivalenz von Einsamkeit und Beziehung(en) werden verhandelt und k\u00f6nnen von Rezipierenden individuell gedeutet werden. Letztlich ist klar: \u201eIch! Ich! Ich! Es geht nicht immer um dich, Paul. Obwohl &#8230; [&#8230;] vielleicht geht es ja nur um dich.\u201c (S. 301)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Log Out!<\/em> von Oliver Uschmann und Sylvia Witt ist ein Roman, der nie langweilig wird. Manches mag abstrus klingen, manche halten genau das f\u00fcr das Leben. Lesen l\u00e4sst es sich jedenfalls fl\u00fcssig, die Kapitell\u00e4ngen sind angenehm, die Ironie am\u00fcsiert. Angereichert wird dies mit dem \u201aMediendschungel\u2018 und einem Ich-Erz\u00e4hler im Zwist mit sich selbst. Ein leichter Jugendroman f\u00fcr zwischendurch, der auch zum Nachdenken anregen will und kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nele Schwering<\/p>\n<div id=\"facebook_like\"><iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=https%3A%2F%2Fwww.hausblog-nottbeck.de%2F%3Fp%3D5551&amp;layout=standard&amp;show_faces=true&amp;width=500&amp;action=like&amp;font=segoe+ui&amp;colorscheme=light&amp;height=60\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:500px; height:60px;\" allowTransparency=\"true\"><\/iframe><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eIch bin allein, denke ich, w\u00e4hrend ich mich durch die Menge dr\u00e4nge.\u201c (S. 7) Dieser einleitende Satz des Romans Log Out! von Oliver Uschmann und Sylvia Witt aus dem Jahre 2012 beschreibt bereits den Dreh- und Angelpunkt seiner Handlung: Die Ich-Krise und Sinnsuche des 19-j\u00e4hrigen Protagonisten Paul Planbaum, frisch aus dem Abitur und pl\u00f6tzlich allein [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":16,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":true,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2},"jetpack_post_was_ever_published":false},"categories":[11],"tags":[455,457,459,454,452,458,451,456,453,460],"class_list":["post-5551","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-alternativensuche","tag-aufmerksamkeit","tag-bloggen","tag-draussen","tag-eskapismus","tag-follower","tag-identitaetssuche","tag-kapitalismus","tag-social-media","tag-survival"],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p4EYft-1rx","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5551","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/16"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5551"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5551\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5553,"href":"https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5551\/revisions\/5553"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5551"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5551"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5551"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}