{"id":4810,"date":"2022-02-23T12:20:53","date_gmt":"2022-02-23T11:20:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/?p=4810"},"modified":"2022-02-23T12:34:04","modified_gmt":"2022-02-23T11:34:04","slug":"auffe-halde-gehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/?p=4810","title":{"rendered":"Auffe Halde gehen"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-4812 alignleft\" style=\"color: #0000ee;\" src=\"http:\/\/www.kreis-warendorf.info\/wordpress\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Haldenhub_Gajewsky-c-Dirk-Bogdanski-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"371\" height=\"247\" srcset=\"https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Haldenhub_Gajewsky-c-Dirk-Bogdanski-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Haldenhub_Gajewsky-c-Dirk-Bogdanski-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Haldenhub_Gajewsky-c-Dirk-Bogdanski-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Haldenhub_Gajewsky-c-Dirk-Bogdanski.jpg 1815w\" sizes=\"auto, (max-width: 371px) 100vw, 371px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Karl-Heinz Gajewsky \u00a9 Dirk Bogdanski<\/em><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.kreis-warendorf.info\/wordpress\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Haldenhub_Brocan-c-Dirk-Bogdanski-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-4811 alignleft\" src=\"http:\/\/www.kreis-warendorf.info\/wordpress\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Haldenhub_Brocan-c-Dirk-Bogdanski-2-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"371\" height=\"247\" srcset=\"https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Haldenhub_Brocan-c-Dirk-Bogdanski-2-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Haldenhub_Brocan-c-Dirk-Bogdanski-2-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Haldenhub_Brocan-c-Dirk-Bogdanski-2-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Haldenhub_Brocan-c-Dirk-Bogdanski-2.jpg 1716w\" sizes=\"auto, (max-width: 371px) 100vw, 371px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>J\u00fcrgen Br\u00f4can\u00a0\u00a9 Dirk Bogdanski<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das ist wieder so eine Geschichte von nebenan. Die sich irgendwo im Verborgenen abspielt: Da treffen sich zwei gestandene M\u00e4nner, schn\u00fcren ihre Wanderschuhe, trotzen Wind und Wetter, begeben sich auf H\u00f6henwanderungen, die K\u00f6rper und Geist alles abverlangen, verarbeiten dies literarisch und fotografisch zun\u00e4chst nur f\u00fcr sich und&#8217;s Privatissimum \u2013 und, ja, wom\u00f6glich h\u00e4tte das alles gar keine Spuren hinterlassen, w\u00e4re nicht irgendwann im pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4ch zwischen uns der Gedanke an diese Ausstellung hier im Literaturmuseum aufgekommen.\u00a0<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Wir reden hier nicht \u00fcber H\u00f6henwanderungen in den Alpen oder im bayerischen Hochgebirge vor einzigartigen Naturpanoramen und traumhaften Kulissen, sondern von Wanderungen auf einem anderen H\u00f6henkamm, hier ganz in der N\u00e4he und in ganz speziellen Kontexten: Gemeint ist die Zechenhalde Hoheward in Herten, mitten im Ruhrgebiet, der oft ach so gescholtenen und geschm\u00e4hten Region, dem Pott, weil er vor allem eins sei: h\u00e4sslich, staubig, russig, unwirtlich. Aber das wissen wir nun ja, wenn nicht durch eigene Anschauung, unter anderem auch durch unsere letzte Ausstellung hier im Museum \u00fcber <a href=\"https:\/\/www.verlag-reiffer.de\/produkt\/thoben_traum_in_bunt\/\">Stefan Thobens Ruhrgebiets Foto-Reportageband<em> Ein Traum in bunt<\/em><\/a>, aber auch schon durch manch anderes, fr\u00fcheres Ausstellungs- und Buchprojekt: Dieses Ruhrgebiet hat seine eigenen Reize, ganz besondere Vorz\u00fcge, hat etwas Einmaliges, Unverwechselbares.<\/p>\n<p>Und das, dieses Feeling, saugen unsere beiden Wanderer, J\u00fcrgen Br\u00f4can und Karl-Heinz Gajewsky, sozusagen t\u00e4glich bei ihren Exkursionen in sich auf, inhalieren und sp\u00fcren die Kraftquellen, die von den fr\u00fcheren Industriestandorten ausgehen, den einstigen Kathedralen der Arbeit, die, jedoch nicht, das w\u00e4re der falsche Blick, romantisiert, idyllisiert werden sollen. J\u00fcrgen Br\u00f4can und Karl-Heinz Gajewsky haben anderes im Sinn als Sch\u00f6nf\u00e4rberei. Sie machten sich auf, das Gel\u00e4nde k\u00fcnstlerisch zu kartografieren. Sie betrachten es historisch, richten ihr Augenmerk auf den Wandel, der das Land an der Ruhr mehr als anderswo charakterisiert. Hierzu gibt es, von beiden gemeinsam verfasst, in der Ausstellung einen atmosph\u00e4rischen Text, der die Gef\u00fchlswelt der beiden Erdkundler und Erkunder sehr sch\u00f6n widerspiegelt.<\/p>\n<p>Zwei begeisterte Wanderer also, wobei der eine die Kamera immer im Anschlag hat. Karl-Heinz Gajewsky hat sich als Dokumentarist durch sein <a href=\"http:\/\/reviercast.blogspot.com\/\">Internet-Portal Reviercast.de<\/a> besondere Verdienste erworben, in dem er viele Ruhrgebietsautorinnen und -autoren in Wort, Bild und Video verewigt. Bei den im Museum gezeigten Fotografien macht er es \u00e4hnlich, wobei der Fokus diesmal auf Natur und Industrie gerichtet ist.<\/p>\n<p>In seinem Text <em>Hunderttausend H\u00f6henmeter \u2013 Halde Hoheward<\/em>, der als ,Beipackzettel&#8216; dr\u00fcben in der Ausstellung ausliegt, beschreibt er die ganz pers\u00f6nliche Beziehung, die ihn mit \u201eseiner\u201c Halde verbindet \u2013 eine Liebeserkl\u00e4rung der besonderen Art. Hier die ersten S\u00e4tze daraus:<\/p>\n<blockquote><p>Das Thermometer zeigt minus vier Grad. Raureif bedeckt die Pflanzenwelt. Ich greife zur Kamera, meine Frau Barbara zum Autoschl\u00fcssel, und wir starten unsere t\u00e4gliche Tour zur Halde Hoheward. Stadtausw\u00e4rts warnt ein Stra\u00dfenschild, dass Fr\u00f6sche die Fahrbahn queren. Wir verlassen Gelsenkirchen, fahren am Sportplatz der \u201eSportfreunde Wanne-Eickel 04\u201c vorbei. Die Werbefl\u00e4che \u201eDem B\u00fcrgermeister seine Frau ihr Stadion\u201c ist verschwunden, wie schade! F\u00fcnf Minuten sp\u00e4ter befinden wir uns auf Hertener Stadtgebiet. Ein braunes Gemenge aus verwelkten Farnen bedeckt den Waldboden, abgeknickte Baumst\u00e4mme lassen an die Karbonzeit denken, als vor 350 Millionen Jahren die Inkohlung begann. Der umliegende Emscherbruch ist der Rest einer vorindustriellen Sumpflandschaft. Infolge des Kohleabbaus hat sich die Gegend an manchen Stellen um mehr als zwanzig Meter gesenkt. Ohne umfangreiche Polderma\u00dfnahmen w\u00fcrden B\u00e4che und Fl\u00fcsse r\u00fcckw\u00e4rts flie\u00dfen und weite Teile des Ruhrgebiets in eine Seenlandschaft verwandeln. \u201eGeborgtes Land\u201c war in der Lokalpresse zu lesen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Im Weiteren erfahren wir etwas zur Zechengeschichte, die mit der Stilllegung im Jahr 2000 endete bzw. nun in anderer Form fortlebt: \u201eDieses denkmalgesch\u00fctzte Geb\u00e4ude beherbergt den Revue Palast Ruhr, wo in Stratmanns Travestietempel internationale Shows dargeboten werden.\u201c Das aber h\u00e4lt die Turmfalken nicht davon ab, im Fr\u00fchjahr wieder auf einem der ehemaligen F\u00f6rdert\u00fcrme zu br\u00fcten. Oben, auf dem Gipfelplateau kurzes Verschnaufen. Dann den Blick \u00fcber die industriell gepr\u00e4gte Landschaft schweifen lassen. Wieder bleibt das Auge an der Natur haften, um dann abzuschlie\u00dfen: \u201eDie kalte Jahreszeit verzaubert mit monochromen Fl\u00e4chen, schemenhaften Strukturen im Nebel und dem rotgl\u00fchenden bis goldenen Farbenspiel der Morgensonne.\u201c Und: \u201eAuf ihrem Gipfel geben Hinweistafeln eine gute Orientierung im umliegenden Wirrwarr aus St\u00e4dten, Halden und Gr\u00fcnfl\u00e4chen. Manchmal illuminiert die Abendsonne den gegen\u00fcberliegenden Berg wie eine \u00fcberdimensionierte Pyramide: Unsere Halde Hoheward.\u201c<\/p>\n<p>Es sind geradezu magische Momente, die Karl-Heinz Gajewsky hier beschreibt und an die er uns durch seine Fotografien teilhaben l\u00e4sst. Sein Kameraauge verschmilzt mit dem Auge des Betrachters, der nur Staunen kann ob all der Impressionen, die manchmal an surreale Science-Fiction-Filme denken lassen.<\/p>\n<p>Zwei, die sich gesucht und gefunden haben: Der eine fotografierend, der andere mit dem Bleistift in der Hand: Mit J\u00fcrgen Br\u00f4can erweitert sich der Dialog mit Natur und Landschaft um eine neue Dimension. Auch er, Br\u00f4can, ist ein Spurensucher aus Passion. Auch er sucht nach Sch\u00f6nheit, aber keiner Sch\u00f6nheit im landl\u00e4ufigen Sinn. Seine Interpretation des Begriffs schlie\u00dft anderes ein. Beispielsweise verfallene H\u00e4user, verwaiste Artefakte unter Autobahnbr\u00fccken oder eben Industriebrachen. Dem Zufall ist manchmal T\u00fcr und Tor ge\u00f6ffnet. Man muss nur bereit sein, ihm nachzugeben.<\/p>\n<p>Und da ist noch etwas anderes, das beide K\u00fcnstler verbindet: Die Faszination f\u00fcr das \u201eunvergleichliche Licht\u201c der Ruhrgebietslandschaft. Der Lyriker, Essayist und Herausgeber Br\u00f4can: \u201eWer im Ruhrgebiet wohnt, braucht nicht in die Weltst\u00e4dte mit den klin\u00adgenden Namen zu fahren, um von dort mit vielbeachteten Berichten zur\u00fcckzu\u00adkehren, er braucht im Grunde nur vor die Haust\u00fcr zu treten, um bei jedem Schritt neue Themen f\u00fcr neue Gedichte zu finden.\u201c<\/p>\n<p>F\u00fcr Br\u00f4can z\u00e4hlt das Ruhrgebiet zu den literarisch anregendsten Regionen Deutschlands. Sein Loblied habe aber nichts mit Lokalpa\u00adtriotismus oder selbstbeweihr\u00e4ucherndem Regionalismus zu tun, versichert er, sondern re\u00adflektiere schlicht die Tatsache, dass man im Ruhrgebiet, auf \u00fcberschauba\u00adrem Raum, soviel Stoff finde, \u201edass es wahrscheinlich f\u00fcr zehn und mehr Schreib\u00adleben ausreichen w\u00fcrde\u201c. In dieser Hinsicht ist <em>Br\u00f4can <\/em>ein Sammler, der seltene W\u00f6rter wie Fossilien mit nach Hause nimmt. Er spricht diesbez\u00fcglich von einer \u201ehistorischen Syntax\u201c, der er nachsp\u00fcre.<\/p>\n<p>Der genannten Ausstellung hat Br\u00f4can einen Zyklus mit 12 Gedichte beigesteuert. Sie tragen, wie die Ausstellung, den Titel <em>Haldenhub<\/em>. Dr\u00fcben, im Haupthaus, ist beides zu sehen und zu bestaunen, szenografisch von Jeremias Vondrlik gestaltet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Text: Dirk Bogdanski<\/em><\/p>\n<div id=\"facebook_like\"><iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=https%3A%2F%2Fwww.hausblog-nottbeck.de%2F%3Fp%3D4810&amp;layout=standard&amp;show_faces=true&amp;width=500&amp;action=like&amp;font=segoe+ui&amp;colorscheme=light&amp;height=60\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:500px; height:60px;\" allowTransparency=\"true\"><\/iframe><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; Karl-Heinz Gajewsky \u00a9 Dirk Bogdanski &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; J\u00fcrgen Br\u00f4can\u00a0\u00a9 Dirk Bogdanski &nbsp; Das ist wieder so eine Geschichte von nebenan. 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