{"id":4591,"date":"2020-03-03T15:40:11","date_gmt":"2020-03-03T14:40:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/?p=4591"},"modified":"2025-11-12T12:06:17","modified_gmt":"2025-11-12T11:06:17","slug":"4591","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/?p=4591","title":{"rendered":"Gro\u00dfes Kino auf Nottbeck"},"content":{"rendered":"<p><em>Mit <\/em>Das letzte Land<em> wurde am Samstag im Rahmen der Veranstaltungsreihe \u201eAliens Welcome!\u201c ein Hollywood-w\u00fcrdiges St\u00fcck Science-Fiction Geschichte geschrieben.<\/em><\/p>\n<p>Zwei M\u00e4nner in einem Raumschiff: was sich zun\u00e4chst nach dem Beginn eines Witzes anh\u00f6rt, ist tats\u00e4chlich die Grundausstattung des am Samstag auf Nottbeck vorgestellten Science-Fiction Films <em>Das letzte Land<\/em>. Insgesamt 5 Mitglieder des Filmteams waren zu Gast (Marcel Barion, Philipp Bojahr, Johannes Bade, Carolin Utsch und Torben F\u00f6llmer); die Zuschauer wurden von Susanne Sch\u00f6neich von der Literaturkommission f\u00fcr Westfalen durch den Abend geleitet, die auch das anschlie\u00dfende Q&amp;A mit der Filmcrew \u00fcbernahm.<\/p>\n<p>Das durch Crowdfunding finanzierte Projekt <em>Das letzte Land<\/em> ist eine Zwei-Mann-Performance auf engstem Raum, welche nicht etwa durch modernste Computeranimation oder atemberaubende Effekte gl\u00e4nzt, sondern durch die schauspielerische Leistung der beiden Protagonisten und die dazu gekonnt eingesetzte Montage und Musikuntermalung der einzelnen Szenen. <!--more-->Binnen 113 Minuten wird eine Geschichte durch Raum und Zeit erz\u00e4hlt, von W\u00fcsten- und Gasplaneten und dubiosen Raumstationen in den Weiten des Alls, und all das mithilfe von handgefertigten Modellen und raffinierter Beleuchtung. Rund 10 Jahre hat die Produktion gedauert, von denen mindestens 2 Jahre f\u00fcr die Herstellung des Filmsets ins Land gingen (ist das schon ein Wortwitz?), welches durch teilweise doch recht ungew\u00f6hnliche Methoden zustande kam. So wurde das Innere des Raumschiffs, welches als Hauptset des Films dient, u.a. anhand von Styropor, s\u00e4mtlichen Teilen aus dem Inneren einer Waschmaschine sowie Verpackungsmaterialien angefertigt. Die einmalig zu sehende W\u00fcstenlandschaft eines Planeten wurde laut Aussage der Filmcrew durch starke Beleuchtung eines Pfannkuchens kreiert; der Kreativit\u00e4t waren hier also augenscheinlich keine Grenzen gesetzt!<\/p>\n<p>Auch inhaltlich l\u00e4sst der Streifen absolut nicht zu w\u00fcnschen \u00fcbrig. Zwei auf den ersten Blick v\u00f6llig unterschiedliche Charaktere (gespielt von Torben F\u00f6llmer und Milan Pe\u0161l) brechen mithilfe eines altersschwachen Raumschiffs ins All auf, ohne jegliches Ziel, wie es scheint. Nur eins verbindet sie: sie wollen weg von dem Ort, von dem sie gestartet sind, wobei unklar bleibt, was oder wo dieser Ort ist. Auf ihrer Reise durchs All kommt die Frage auf, woher das geborgene Raumschiff stammt und was mit der urspr\u00fcnglichen Besatzung passiert ist. Einem der beiden M\u00e4nner kommt der Verdacht, das Schiff k\u00f6nnte m\u00f6glicherweise von der Erde stammen, gefolgt von dem Wunsch, selbst dorthin zu reisen. Wie sich jedoch herausstellt, ist die Erde schon lange Zeit ein Mythos, und niemand wei\u00df, ob und wo sie tats\u00e4chlich existiert.<\/p>\n<p>Der Film erinnert nicht nur durch Retrotechnik wie klobige, langsame Computer und manuelle Boardbedienung an Science-Fiction Filme aus den 70ern; so wurde die Suche nach der Erde schon auf \u00e4hnliche Weise portr\u00e4tiert in Philip K. Dicks 1953 erschienener Kurzgeschichte <em>The Impossible Planet<\/em>, welche zwar einen g\u00e4nzlich anderen Ausgangspunkt hat, teilweise jedoch stark an die Geschichte der Charaktere in <em>Das letzte Land<\/em> erinnert. Auch in <em>The Impossible Planet<\/em> reisen zwei M\u00e4nner durch das Weltall, mehr oder weniger auf der Suche nach der legend\u00e4ren Erde, die es allem Anschein nach nicht mehr gibt, oder vielleicht auch nie gegeben hat.<br \/>\nBeim Durchst\u00f6bern der Logb\u00fccher und auf der Suche nach der Antwort auf die Herkunftsfrage des Raumschiffs sucht unser Protagonist in <em>Das letzte Land<\/em> erst nach dem Wort \u201eErde\u201c, dann nach \u201eHeimat\u201c. Passenderweise wurde <em>The Impossible Planet<\/em>, neben <em>Der unm\u00f6gliche Planet<\/em>, u.a. im Deutschen auch mit <em>Heimkehr<\/em> \u00fcbersetzt. Die zwischenzeitliche Landung auf dem goldenen Gasplaneten erinnert zudem dezent an die Ankunft der Protagonisten auf der unbewohnbaren Erde am Ende von <em>The Impossible Planet<\/em>, was wiederum die Frage aufwirft: haben wir in <em>Das letzte Land<\/em> die Erde gefunden? Werden wir uns irgendwann so weit von unserem Heimatplaneten entfernt haben, dass wir vergessen werden, woher wir kommen? Und wird unsere Zukunft so trist aussehen, dass wir uns auf die unendliche Reise zu unserem Ursprung machen werden, so wie Geschichten wie <em>The Impossible Planet<\/em> und <em>Das letzte Land<\/em> es uns vormachen? Das Ende bleibt offen.<br \/>\nFragen \u00fcber Fragen, die wohl niemals beantwortet werden, denn laut Filmcrew soll es keine Fortsetzung geben! In Zeiten der mehr schlechten als rechten Sequels ist das aber wohl nicht weiter schlimm; letztendlich regt <em>Das letzte Land<\/em> massiv zum Nachdenken an, und das kann man nie genug tun. Wenn dieser erinnerungsw\u00fcrdige Abend auf Nottbeck uns aber eins ganz sicher mitteilt, dann folgendes: gute Filme m\u00fcssen nicht mit gro\u00dfem Budget von namhaften Personen gemacht werden; mit genug Nerven und Fantasie ist alles m\u00f6glich, wie uns <em>Das letzte Land<\/em> beweist.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>&#8211; Julia Struck<\/em><\/p>\n<div id=\"facebook_like\"><iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=https%3A%2F%2Fwww.hausblog-nottbeck.de%2F%3Fp%3D4591&amp;layout=standard&amp;show_faces=true&amp;width=500&amp;action=like&amp;font=segoe+ui&amp;colorscheme=light&amp;height=60\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:500px; height:60px;\" allowTransparency=\"true\"><\/iframe><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit Das letzte Land wurde am Samstag im Rahmen der Veranstaltungsreihe \u201eAliens Welcome!\u201c ein Hollywood-w\u00fcrdiges St\u00fcck Science-Fiction Geschichte geschrieben. 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