{"id":4427,"date":"2019-06-14T10:35:00","date_gmt":"2019-06-14T09:35:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/?p=4427"},"modified":"2024-05-22T11:17:01","modified_gmt":"2024-05-22T10:17:01","slug":"lifes-a-journey-not-a-destination","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/?p=4427","title":{"rendered":"\u00bbLife\u2019s a journey, not a destination\u00ab"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.kreis-warendorf.info\/wordpress\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Cover_Bahncard_M\u00fcller.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-4428 alignright\" src=\"http:\/\/www.kreis-warendorf.info\/wordpress\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Cover_Bahncard_M\u00fcller-188x300.jpg\" alt=\"\" width=\"188\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Cover_Bahncard_M\u00fcller-188x300.jpg 188w, https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Cover_Bahncard_M\u00fcller.jpg 407w\" sizes=\"auto, (max-width: 188px) 100vw, 188px\" \/><\/a>\u00a0\u2026 diese Zeilen von Aerosmith aus dem Song \u201eAmazing&#8220;, bringen auch die Quintessenz von Leoie M\u00fcllers Roman Tausche Wohnung gegen Bahncard auf den Punkt. Worum geht es? Leonie M\u00fcller, 1992 in Bielefeld geboren, studiert Medien- und Sozialwissenschaften in T\u00fcbingen. Wohnhaft ist sie jedoch in Stuttgart \u2013 und pendelt mit der Bahn zu ihren Vorlesungen. 2015 beschlie\u00dft sie, das Pendeln auf ihr komplettes Leben auszudehnen und verlegt ihren Lebensmittelpunkt auf das Schienennetz der Deutschen Bahn: Sie k\u00fcndigt ihre Wohnung und \u201etauscht\u201c sie gegen eine Bahncard 100. Dadurch hat sie nicht nur die M\u00f6glichkeit, jederzeit die St\u00e4dte des Landes zu erkunden, sondern auch die Gelegenheit ihre \u00fcber die Republik verteilten Freunde regelm\u00e4\u00dfig zu besuchen. Von diesem Leben \u00bbon the rail\u00ab erz\u00e4hlt sie in ihrem Deb\u00fctroman.<!--more--><br \/>\nVorweg: Wer ein Buch mit Erfahrungen \u00fcber die Bahn als Wohnsitz oder etwa eine Gebrauchsanweisung f\u00fcr das Leben mit und in der Deutschen Bahn erwartet, wird vermutlich entt\u00e4uscht. Der Roman ist in erster Linie ein Reisebericht, der quer durch die Bundesrepublik f\u00fchrt. Die Autorin nimmt den Leser mit zu den Orten, die sie bereist. Dabei handelt es sich nicht immer um die typischen Touristenziele \u2013 wenn auch mit einem 19-seitigen Abstecher zu Schloss Neuschwanstein einer der deutschen Touristen-Hotspots schlechthin besucht wird. Vor allem erz\u00e4hlt Leonie M\u00fcller von den unbekannteren Orten, wie zum Beispiel den \u00e4u\u00dfersten \u00bbZipfeln\u00ab im Norden, Osten, S\u00fcden und Westen des Landes oder von Ha\u00dfloch in der Pfalz und erweitert damit den Reisehorizont. Durch Hintergrundinformationen zu den Reisezielen erf\u00e4hrt der Leser, dass letzterer der durchschnittlichste Ort Deutschlands ist \u2013 so durchschnittlich, dass hier regelm\u00e4\u00dfig neue Produkte auf deren Markttauglichkeit getestet werden.<br \/>\nZwischenstopps werden mit gedanklichen Abstechern zu Themen wie Heimat, Abh\u00e4ngigkeit, materiellen Besitz oder Freiheit eingelegt: Die Autorin philosophiert dar\u00fcber, wo Heimat ist, ob diese an einen einzigen Ort gebunden ist, und \u00fcber die Frage, ob Heimatlosigkeit nicht auch eine Form von Freiheit ist. Dass ihre Gedanken nicht vollkommen aus der Luft gegriffen sind, sondern zur kulturwissenschaftlichen Diskussion geh\u00f6ren, zeigen Verweise auf die dichterischen Werke Heinrich Heines oder die Thesen des franz\u00f6sischen Anthropologen Marc Aug\u00e9. Dass sich die wissenschaftlich gepr\u00e4gten Passagen nicht zu z\u00e4h lesen, ist dem Schreibstil M\u00fcllers zu verdanken. Dieser erinnert an ein eloquent verfasstes Tagebuch und macht den Roman zu einer idealen Lekt\u00fcre f\u00fcr den Strand oder (nat\u00fcrlich!) eine Bahnfahrt.<br \/>\nDen Mangel eines stringenten roten Fadens, der sich von Anfang bis Ende durch den Roman zieht, kann man der Autorin verzeihen. Die Kapitel reihen sich relativ willk\u00fcrlich aneinander, sodass diese prinzipiell in einer willk\u00fcrlichen Reihenfolge gelesen werden k\u00f6nnten. Vor dem Hintergrund des Romaninhalts beeintr\u00e4chtigt diese Episodenhaftigkeit die Lekt\u00fcre keinesfalls, sondern greift dadurch die Sprunghaftigkeit des Pendlerdaseins der Autorin strukturell auf.<br \/>\n\u201eEs geht weiter. Immer weiter\u201c, sind die letzten Worte des Romans und machen deutlich, dass das Leben \u2013 frei nach Aerosmith \u2013 kein Ziel ist, sondern eine Reise.<br \/>\n(Kristina Reen)<\/p>\n<p>M\u00fcller, Leonie. <em>Tausche Wohnung gegen Bahncard<\/em>. Frankfurt a.M.: Fischer-Verlag 2018.<\/p>\n<div id=\"facebook_like\"><iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=https%3A%2F%2Fwww.hausblog-nottbeck.de%2F%3Fp%3D4427&amp;layout=standard&amp;show_faces=true&amp;width=500&amp;action=like&amp;font=segoe+ui&amp;colorscheme=light&amp;height=60\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:500px; height:60px;\" allowTransparency=\"true\"><\/iframe><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0\u2026 diese Zeilen von Aerosmith aus dem Song \u201eAmazing&#8220;, bringen auch die Quintessenz von Leoie M\u00fcllers Roman Tausche Wohnung gegen Bahncard auf den Punkt. Worum geht es? Leonie M\u00fcller, 1992 in Bielefeld geboren, studiert Medien- und Sozialwissenschaften in T\u00fcbingen. 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