{"id":4421,"date":"2019-05-23T07:55:00","date_gmt":"2019-05-23T06:55:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/?p=4421"},"modified":"2025-11-12T12:01:19","modified_gmt":"2025-11-12T11:01:19","slug":"tschechische-seelenkunde-und-erzaehlkunst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/?p=4421","title":{"rendered":"Tschechische Seelenkunde und Erz\u00e4hlkunst"},"content":{"rendered":"<p>Ma<a href=\"http:\/\/www.kreis-warendorf.info\/wordpress\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Literatur-1b.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-4422 alignleft\" src=\"http:\/\/www.kreis-warendorf.info\/wordpress\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Literatur-1b-196x300.jpg\" alt=\"\" width=\"196\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Literatur-1b-196x300.jpg 196w, https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Literatur-1b-768x1177.jpg 768w, https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Literatur-1b-668x1024.jpg 668w, https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Literatur-1b.jpg 1568w\" sizes=\"auto, (max-width: 196px) 100vw, 196px\" \/><\/a>rtin Becker, 1982 im Sauerland geboren, Absolvent des Deutschen Literaturinstituts in Leipzig und sowohl literarisch also auch journalistisch t\u00e4tig, legt mit \u201eWarten auf Kafka\u201c erstmals ein Buch vor, das auch Bereiche des Sachbuchs streift. Es f\u00fchrt uns nach Tschechien und dort gleich anfangs in eine Kneipe. Nirgendwo, sagt Becker, k\u00f6nne man das Seelenleben der Tschechen besser kennen lernen als beim Bier. Er l\u00e4dt den Leser ein, sich einfach mit an den Tisch zu setzen und zuzuh\u00f6ren. Und schon verbr\u00fcdert man sich, trinkt erst ein Bier, dann zwei, bis es zum Schluss sieben Halbe sind.<br \/>\nGleichsam en passant lernt man dabei all das kennen, was man zum Thema Tschechien und tschechische Literatur wissen sollte: Wer sind die gro\u00dfen Nationaldichter (etwa Milan Kundera Bohumil Hrabal, V\u00e1clav Havel oder Jaroslav Hasek), wo haben sie gelebt und was zeichnet sie aus? Der Autor f\u00fchrt uns an literarische Pilgerorte, die Schaupl\u00e4tze von Romanen, in Kaffeeh\u00e4user und \u2013 immer wieder ins Wirtshaus: Die Kneipe sei ein genuiner Literaturort und tauche als solcher zigmal in Romanen und Erz\u00e4hlungen auf.<!--more-->Wenn der Tscheche erz\u00e4hle, dann gehe es, so Becker, um Kopf und Kragen. Dieses Faktum sei so einmalig wie die Literatur des Landes selbst. Becker ist seit seiner Kindheit vom tschechischen Virus infiziert. Initialerlebnisse war die Kinderserie \u201ePan Tau\u201c und der Film \u201eDrei Haseln\u00fcsse f\u00fcr Aschenbr\u00f6del\u201c. Sp\u00e4ter kamen weitere tschechische B\u00fccher und Geschichten hinzu: \u201eIch war noch kein einziges Mal in Prag gewesen, da hatte mir Milan Kundera schon l\u00e4ngst seine Melancholie eingeimpft.\u201c 2006 war der Autor dann erstmal in Tschechien zu Gast. Dort lernte er den Schriftsteller Jaroslav Rudi\u0161 kennen und freundete sich mit ihm an. Gemeinsam realisierten sie das H\u00f6rspiel \u201eLost in Praha\u201c (2008) sowie die Oper \u201eExit 89\u201c, die im Oktober 2008 von einem PragerTheater uraufgef\u00fchrt wurde. Ein weiteres gemeinsames Projekt war das H\u00f6rspiel \u201ePlattenbaucowboys\u201c (2010). Nach weiteren Besuchen verbrachte er dann 2017 ein ganzes Jahr in Tschechien, um f\u00fcr das hier in Rede stehende Buch zu recherchieren. Er lernte in dieser Zeit sogar (ansatzweise) die tschechische Sprache.<br \/>\nMartin Beckers \u201eWarten auf Kafka\u201c ist die gro\u00dfe Liebeserkl\u00e4rung an ein Land der Geschichten und Geschichtenerz\u00e4hler. Vor allem in einer Stadt sei dieses Flair zu sp\u00fcren: \u201eDer Prager Rausch hatte mich erfasst. Eine unerkl\u00e4rliche Trunkenheit jenseits des Alkohols, die \u00fcber die Jahrhunderte gut dokumentiert worden ist, die Quelle allen Gl\u00fccks und allen \u00dcbels, die Ursache f\u00fcr schlimmstes Heimweh und f\u00fcr irrationale Sehns\u00fcchte zur\u00fcck, der Prager Rausch, dem man sich nicht entziehen und den man mit nichts vergleichen kann.\u201c Wer Beckers tschechische Seelenkunde liest, beginnt unweigerlich zu vergleichen. W\u00fcrde ein Autor aus einem anderen Land vielleicht \u00c4hnliches \u00fcber Deutschland respektive Westfalen schreiben? Wie steht es um die westf\u00e4lische Seelenkunde? Wann wurde diese zuletzt beschrieben?<br \/>\nHier sei nachdr\u00fccklich auf das Buch \u201eRoad Markings \u2013 Reise-Gedanken\u201c hingewiesen, das vor wenigen Wochen im Dortmunder Vorsatz Verlag erschienen ist. Verfasser sind Peter Spafford und Ralf Thenior. Jeder lebte eine Woche in der Heimatstadt des anderen, Spafford in Dortmund, Thenior in Leeds. Die Ergebnisse wurden in \u00f6ffentlichen Lesungen der jeweiligen Partnerst\u00e4dte pr\u00e4sentiert. Ein, wie das Ergebnis zeigt, in jeder Hinsicht lohnenswerter Austausch. Im Fremden das Eigene zu erkennen, ist bis heut e eine Triebfeder literarischer Arbeit. Ein Experiment, das Schule machen sollte.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.kreis-warendorf.info\/wordpress\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Literatur1c.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-4423 alignnone\" src=\"http:\/\/www.kreis-warendorf.info\/wordpress\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Literatur1c-290x300.jpg\" alt=\"\" width=\"290\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Literatur1c-290x300.jpg 290w, https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Literatur1c-768x794.jpg 768w, https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Literatur1c-990x1024.jpg 990w\" sizes=\"auto, (max-width: 290px) 100vw, 290px\" \/><\/a><\/p>\n<p>(Walter G\u00f6dden)<\/p>\n<div id=\"facebook_like\"><iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=https%3A%2F%2Fwww.hausblog-nottbeck.de%2F%3Fp%3D4421&amp;layout=standard&amp;show_faces=true&amp;width=500&amp;action=like&amp;font=segoe+ui&amp;colorscheme=light&amp;height=60\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:500px; height:60px;\" allowTransparency=\"true\"><\/iframe><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Martin Becker, 1982 im Sauerland geboren, Absolvent des Deutschen Literaturinstituts in Leipzig und sowohl literarisch also auch journalistisch t\u00e4tig, legt mit \u201eWarten auf Kafka\u201c erstmals ein Buch vor, das auch Bereiche des Sachbuchs streift. 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