{"id":4306,"date":"2017-09-19T13:20:37","date_gmt":"2017-09-19T12:20:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/?p=4306"},"modified":"2024-05-22T11:35:13","modified_gmt":"2024-05-22T10:35:13","slug":"fuer-das-leben-das-nicht-kommt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/?p=4306","title":{"rendered":"\u00bbF\u00fcr das Leben das nicht kommt\u00ab"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Die 1972 in Duisburg-Hamborn geborene und im Stadtteil Marxloh aufgewachsene Lyrikerin L\u00fctfiye G\u00fczel ist erste Preistr\u00e4gerin des Fakir-Baykurt-Kulturpreises der Stadt Duisburg 2014 und war Stadtschreiberin in K\u00f6ln-M\u00fclheim. Mit dem Anfang 2017 im Selbstverlag erschienenen Band <em>faible?<\/em> pr\u00e4sentiert die Autorin eine pers\u00f6nliche \u201eBest-of\u201c-Sammlung bisheriger Ver\u00f6ffentlichungen, die ihr lyrisches Schaffen geradewegs auf den Punkt bringt.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.kreis-warendorf.info\/wordpress\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/gogu\u0308zel_faible_Cover-e1505823445581.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-4210 alignleft\" src=\"http:\/\/www.kreis-warendorf.info\/wordpress\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/gogu\u0308zel_faible_Cover-e1505823445581-177x300.jpg\" alt=\"\" width=\"177\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/gogu\u0308zel_faible_Cover-e1505823445581-177x300.jpg 177w, https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/gogu\u0308zel_faible_Cover-e1505823445581-768x1300.jpg 768w, https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/gogu\u0308zel_faible_Cover-e1505823445581-605x1024.jpg 605w, https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/gogu\u0308zel_faible_Cover-e1505823445581.jpg 1296w\" sizes=\"auto, (max-width: 177px) 100vw, 177px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Duisburger Lyrikerin L\u00fctfiye G\u00fczel ist bei weitem keine Unbekannte mehr und l\u00e4ngst \u00fcber den Status eines literarischen Newcomers hinaus. Obwohl sie den Mainstream des Literaturbetriebs meidet wo sie nur kann \u2013 die Autorin ver\u00f6ffentlicht unter dem eigenst\u00e4ndigen Label \u201ego-g\u00fczel-publishing\u201c \u2013 hat sie bereits acht Publikationen vorzuweisen, darunter <em>herz-terroristin<\/em> (2012), <em>pinky helsinki<\/em> (2014) und <em>Oh, No!<\/em> (2016). Der aktuelle Band <em>faible?<\/em> bietet auf knapp 200 Seiten eine diverse und repr\u00e4sentative Zusammenstellung bisheriger Texte und vereint Gedichte, Textfragmente und aphoristische Miniaturen, die sich vor allem durch die thematische Profanit\u00e4t des Allt\u00e4glichen, den lakonisch-d\u00fcsteren Stil und den sie umgebenden melancholischen Grundton von der aktuellen deutschen Gegenwartslyrik unterscheiden.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">G\u00fczel bedient sich einer einfachen, unverstellten Sprache und verzichtet auf jegliche lyrische Raffinessen, diese w\u00fcrden dem Sujet ihrer Verse lediglich entgegen streben. Im Mittelpunkt ihrer Verse steht das Allt\u00e4gliche, so werden dem Leser Eindr\u00fccke beim Einkauf im Supermarkt, \u00fcber die Beschreibung von Zugreisen, Zahnarztbesuchen bis hin zu der Thematisierung simpler Alltagsgegenst\u00e4nde pr\u00e4sentiert. So k\u00f6nnten sich Leser*innen durchaus manchmal die Frage stellen, mit welcher Art von Lyrik sie es hier zu tun haben: werden hier lediglich Banalit\u00e4ten im Mantel einer lyrischen Struktur vorgef\u00fchrt oder handelt es sich es sich um eine \u00e4sthetische Reduktion des Allt\u00e4glichen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch genau in der Schlichtheit ihrer Verse mag auch die St\u00e4rke der Texte liegen. G\u00fczel, die bereits in einem Atemzug mit der Derbheit eines Charles Bukowski genannt wurde, gelingt es, neben der n\u00fcchternen Darbietung des Allt\u00e4glichen sehr subjektive \u00c4ngste und Zweifel zu \u00e4u\u00dfern. So steht immer wieder auch die d\u00fcstere Reflexion des Lebens im Vordergrund:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>wieder am anfang<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">ob es ein leben<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">nach dem tod gibt?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">soweit bin ich<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">noch nicht<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">ich muss noch<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">kl\u00e4ren<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">ob es ein leben<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">vor dem tod gibt<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Oder an anderer Stelle:<\/p>\n<p><strong>verblassen<\/strong><\/p>\n<p>sich finden wollen<\/p>\n<p>lieber<\/p>\n<p>sich verlieren<\/p>\n<p>k\u00f6nnen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">G\u00fczels <em>faible?<\/em> bietet eine Zusammenstellung von Texten, die gerade durch ihre unverhohlene Klarheit und Direktheit einen schonungslosen Blick auf den Alltag werfen. Dabei wird das Profane, Un-Poetische des Lebens nicht ausgeklammert, ebenso wenig wie die Verzweiflung, die in einigen Gedichten immer wieder an die Oberfl\u00e4che tritt. Jegliche lyrische Erh\u00f6hung tritt zur\u00fcck, um eine sehr lakonisch-d\u00fcstere Grundstimmung zu akzentuieren. Dies mag auf den ersten Blick etwas schlicht und einf\u00e4ltig wirken, jedoch gehen die Verse dadurch auch der Melancholie des Allt\u00e4glichen auf den Grund und versuchen gerade durch einen schonungslosen Blick, auch d\u00fcsteren Momenten etwas Hoffnung abzugewinnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Andreas Peters<\/em><\/p>\n<div id=\"facebook_like\"><iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=https%3A%2F%2Fwww.hausblog-nottbeck.de%2F%3Fp%3D4306&amp;layout=standard&amp;show_faces=true&amp;width=500&amp;action=like&amp;font=segoe+ui&amp;colorscheme=light&amp;height=60\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:500px; height:60px;\" allowTransparency=\"true\"><\/iframe><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die 1972 in Duisburg-Hamborn geborene und im Stadtteil Marxloh aufgewachsene Lyrikerin L\u00fctfiye G\u00fczel ist erste Preistr\u00e4gerin des Fakir-Baykurt-Kulturpreises der Stadt Duisburg 2014 und war Stadtschreiberin in K\u00f6ln-M\u00fclheim. 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