{"id":3311,"date":"2015-03-17T10:54:30","date_gmt":"2015-03-17T09:54:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/?p=3311"},"modified":"2025-11-12T11:10:13","modified_gmt":"2025-11-12T10:10:13","slug":"hans-wollschlaeger-zum-80","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/?p=3311","title":{"rendered":"Hans Wollschl\u00e4ger \u2013 Zum 80."},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbIch beneide jeden, der Zeit hat, etwas wie ein Buch fertig zu machen\u00ab \u2013 Andr\u00e9 Breton<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hans Wollschl\u00e4ger (1935 \u2013 2007), Schriftsteller, \u00dcbersetzer, Kritiker; Autor auch f\u00fcr Petra und Uwe Nettelbecks Zeitschrift \u00bbDie Republik\u00ab. Dieser Tage j\u00e4hrt sich, des Erw\u00e4hnens unbedingt wert, sein Geburtstag zum 80sten Mal.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Typischer Wollschl\u00e4ger-Gedanke: \u00bbEs ist das ohnehin ein sehr weites Feld, die Frage, ob nicht die ganz schlichte Liebe zu einem Gegenstand ein au\u00dferordentlich wichtiges Erkenntnisinstrument ist, das erm\u00f6glicht, Dinge zu sehen, die der mehr mechanistischen Anwendung von vorgegebenen Interpretationsmustern verschlossen bleiben.\u00ab<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbThe dark and bloody grounds\u00ab \u2013 Titel einer grandios erz\u00e4hlten Amerikareise in Wollschl\u00e4gers Karl-May-Biographie. Er wollte Mays (Sp\u00e4t-)Werk, welches er als Leser \u00bbschlicht liebte\u00ab, als das eines gro\u00dfen Schriftstellers rehabilitiert und etabliert wissen; gab deswegen etliche von dessen Texten erstmals vollst\u00e4ndig heraus. Der notorisch gek\u00fcrzte, verst\u00fcmmelte oder auf Deutsches Wesen getrimmte May sollte endlich aus unseren K\u00f6pfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Monika Wollschl\u00e4ger, seine Frau und Herausgeberin, sagt: Er lebte von seinen \u00dcbersetzungen ins Deutsche (James Joyce etc.). Eine Arbeit, die ihm, stets beklagt, Kraft und vor allem Zeit f\u00fcr Eigenes raubte (f\u00fcr das es kaum einmal ausreichend Geld gab). Eine Wunde, die sich nie schloss. Daf\u00fcr sei dies Eigene aber ganz erstaunlich umfangreich und vielschichtig geraten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zumal auch angesichts Wollschl\u00e4gers unausgesprochenem, jederzeit verwirklichten Credo: Jeder Satz, ob er nun Journalistischem, einer Rezension, einem Essay oder Roman zugedacht ist, verlangt den ganzen Schriftsteller, all seine Kunstfertigkeit und Passion. Eine literarische Hierarchie mit dem Roman in der K\u00f6nigsposition, wie sie heute (auch und gerade im sog. Literaturbetrieb) weithin gepflegt wird \u2013 f\u00fcr Wollschl\u00e4ger unhaltbar, ein Treppenwitz. Von ihm verfasste Kritik (siehe \u00bbVon Sternen und Schnuppen\u00ab): nicht gewissen- und bewusstlos dahin geschluderter Service und Freizeit Tipp, schon gar keine sich selbst hochleben lassende Besserwisserei, sondern, ja, sowas gibt es: sch\u00f6ne Literatur, die sich erhellend neben andere sch\u00f6ne Literatur stellt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einige Abschnitte Wollschl\u00e4gers, dachte ich vor langer Zeit beim allerersten Lesen, sind, na ja, ganz sch\u00f6n geschraubt. Zugleich lie\u00df das Geschriebene nicht los. Und schlie\u00dflich riss die Eleganz und Feinnervigkeit von Wollschl\u00e4gers weitgespannten Satzperioden mich fort. Wo man ihn lesend anlangt? Nach dem Ausschreiten gr\u00f6\u00dferer Weltteile stets auch bei sich, bei eigenen Einstellungen, die, man vertue sich da ja nicht, die Gesellschaft mitformen, und die Wollschl\u00e4ger radikal umzupfl\u00fcgen, durchzuarbeiten anregt (man lese etwa \u00bbTiere sehen Dich an\u00ab).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seine Kindheit und Jugend verbrachte Wollschl\u00e4ger in Herford; verwandelte auch Etliches an diesem Ort (der auch meiner ist) Erlebtes in Poesie. Erinnerungen an Wollschl\u00e4ger in Herford: keine, nirgends.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Michael Girke<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Herbst 2015 pr\u00e4sentiert das Museum f\u00fcr Westf\u00e4lische Literatur auf dem Kulturgut Haus Nottbeck (Oelde) eine Hans Wollschl\u00e4ger-Ausstellung.<\/p>\n<div id=\"facebook_like\"><iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=https%3A%2F%2Fwww.hausblog-nottbeck.de%2F%3Fp%3D3311&amp;layout=standard&amp;show_faces=true&amp;width=500&amp;action=like&amp;font=segoe+ui&amp;colorscheme=light&amp;height=60\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:500px; height:60px;\" allowTransparency=\"true\"><\/iframe><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00bbIch beneide jeden, der Zeit hat, etwas wie ein Buch fertig zu machen\u00ab \u2013 Andr\u00e9 Breton Hans Wollschl\u00e4ger (1935 \u2013 2007), Schriftsteller, \u00dcbersetzer, Kritiker; Autor auch f\u00fcr Petra und Uwe Nettelbecks Zeitschrift \u00bbDie Republik\u00ab. 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