{"id":3283,"date":"2015-02-04T09:49:58","date_gmt":"2015-02-04T08:49:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/?p=3283"},"modified":"2025-12-17T09:53:07","modified_gmt":"2025-12-17T08:53:07","slug":"dicht-dichter-ruhrpoeten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/?p=3283","title":{"rendered":"dicht!? \u2013 Dichter \u2013 Ruhrpoeten"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">\u201edicht!?\u201c \u2013 so lautete die Themenvorgabe f\u00fcr den 3. Ruhrgebiets-Literaturwettbe-<br \/>\nwerb. Dementsprechend auch das Motto zum feierlichen Akt der Preisverleihung: Die Ruhrpoeten luden letzten Samstag zum \u201eDichter Abend\u201c in den Kinosaal im Dortmunder U. Ein kurzweiliger am\u00fcsanter Abend, den Till Beckmann (Spielkinder) und <a href=\"http:\/\/www.literaturhaus-dortmund.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Rainer Holl<\/a> (Literaturhaus Dortmund) gekonnt moderierten.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sch\u00f6n ist er, der Kinosaal im Dortmunder U, gediegenes Rot, weiche Kinosessel, so konnte sich der geneigte Gast entspannt zur\u00fcck lehnen und dem ungezwungenen Preisverleihungsgepl\u00e4nkel auf der B\u00fchne folgen. Und das, was geboten wurde, war eben auch mehr als die schn\u00f6de \u00dcbergabe von Blumenstr\u00e4u\u00dfen und Urkunden. Im Mittelpunkt standen die Lesungen der ausgezeichneten vier Texte. Helge Fedder (Schauspieler, Autor und Sprecher) und <a href=\"http:\/\/www.sabine-brandi.de\/sabine-brandi.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sabine Brandi<\/a> (Moderatorin, WDR5) gaben gemeinsam mit den Autorinnen den jeweiligen Texten eine stimmlich szenische Dimension, eine ganz besondere Lesart. Sie wurden hier zu klanglichen Ereignissen. Nach der Laudatio wurde es zudem musikalisch. Ingmar Kurenbach spielte John Lennon, Johnny Cash und die Red Hot Chili Peppers, je nachdem, was sich die Preistr\u00e4gerinnen gew\u00fcnscht hatten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">182 Einsendungen gab es zur Ausschreibung des 3. Ruhrgebiets-Literaturwettberwerbs und die Auswahl der Preistr\u00e4ger \u201ewar nicht nur Qual\u201c, versichert Jury-Mitglied Beate Scherzer (Buchhandlung Proust, Essen). Dass darunter sehr Hochkar\u00e4tiges war, l\u00e4sst die Entscheidung f\u00fcr zwei dritte Pl\u00e4tze erahnen, auch hier liegen die Beitr\u00e4gerInnen \u2013 dem Motto entsprechend \u2013 dicht beieinander. Neben Frau Scherzer geh\u00f6rten noch <a href=\"http:\/\/www.jes-stuttgart.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Nils Beckmann<\/a> (Junges Ensemble Stuttgart), Rainer Holl und <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/redaktion\/andreas-rossmann-11104137.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Andreas Rossmann<\/a> (FAZ) zur Jury. Und sie waren sichtlich \u00fcberzeugt von den Texten, denen sie an diesem Abend eine Ehrung zukommen lie\u00dfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ina Lammers belegt mit ihrer Erz\u00e4hlung <em>18 Quadratmeter<\/em> den 3. Platz. Gezeigt werden zwei M\u00e4nner, die in ganz unterschiedlichen pers\u00f6nlichen Krisen stecken. Jules der Kriegsfl\u00fcchtling, der in Deutschland um dein Recht auf eine selbstbestimmte Existenz und Anerkennung k\u00e4mpft und Martin, der, in die Garage verbannt, weil das zweite Kind kommt, um seinen Platz in der Familie und die Daseinsberechtigung seiner zerplatzten Musikertr\u00e4ume ringt. Rainer Holl dazu: \u201eIna Lammers gelingt es [\u2026] die Schicksale ihrer beiden Protagonisten leichtf\u00fc\u00dfig miteinander zu verweben\u201c und \u201ebeide Figuren, ihre W\u00fcnsche und \u00c4ngste plastisch werden zu lassen\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der zweite 3. Platz ging an Marie-Christin Fuchs mit <em>Oh Boy<\/em>. Der Fernfahrer Jonny nimmt wider besseren Wissens Fl\u00fcchtlinge (Mutter und Kind) bei Venlo mit \u00fcber die Grenze und wird von der Polizei angehalten. Diese Geschichte besticht vor allem durch ihre Perspektive, die mit, so wieder Rainer Holl, \u201ecineastische[m] Blick\u201c \u201e[e]in modernes Frontier Narrativ im Ruhrgebiet\u201c um den lonesome rider Jonny aufmacht, der in seiner \u201ebesondere[n] Art der Melancholie und des stilvollen Scheiterns\u201c gezeigt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Brigitta Gronau erh\u00e4lt f\u00fcr <em>Leere<\/em> den 2. Platz. Gefangen in dem Zwang, alle Leere f\u00fcllen zu m\u00fcssen ger\u00e4t die Welt der namenlosen Protagonistin aus dem Fugen, bis die F\u00fcllmaterialien komplett die Herrschaft zu \u00fcbernehmen, sie unter sich zu begraben drohen und es am Ende Konfetti regnet. Beate Scherzer weist in ihrer Laudatio auf die Bitterkeit, Dringlichkeit und das Existentielle in dem Satz \u201eSie konnte die Leere nicht ertragen\u201c hin. Gleichzeitig konstatiert sie dem Text eine eigent\u00fcmliche Komik (eine Seltenheit unter den eingesandten Bewerbungen), die sich vollends erst nach mehrfachem Lesen entfalte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Platz 1 ging schlie\u00dflich an Sarah Meyer-Dietrich mit ihrer \u201eProsa-Skizze\u201c <em>Dicht an dicht<\/em>. Die Ich-Erz\u00e4hlerin, auf dem Weg zur und von der Arbeit in der S-Bahn quer durchs Ruhgebiet, k\u00e4mpft mit ihrer inneren und \u00e4u\u00dferen Bedr\u00e4ngnis: in ihr die immer noch \u00fcberpr\u00e4sente Mutter mit den Klebezettel-Befehlen und Dringlichkeiten, au\u00dfen die Menschen, die ihr immer dichter auf den Leib r\u00fccken, ihr keinen Platz lassen. Die Erz\u00e4hlerin ist nicht f\u00e4hig, sich abzugrenzen, sie l\u00f6st sich auf im dem Tohuwabohu der dichten Menge, bis die Situation eskaliert. Andreas Rossmann (der leider am Abend nicht dabei war) in seiner Laudatio: \u201eWie die Grenzen zwischen den St\u00e4dten drau\u00dfen verschwimmt die Grenze zu der Frau in Pink auf dem Platz gegen\u00fcber, das Gesicht der Mutter wird eins mit dem Klebezettel, Au\u00dfenwelt und Erinnerung werden ununterscheidbar.\u201c Es handelt sich um \u201elakonisch dichte[] Sprache, mit wachen Sinnen und syn\u00e4sthetischen Bildern\u201c. \u201eDas Thema ist nicht erledigt, und auch der Leser ist noch nicht fertig damit. Es zeichnet gute Literatur aus, dass sich nicht leicht mit ihr fertig werden l\u00e4sst.\u201c Dichte, Enge, Unabgrenzbarkeit auf allen Ebenen des Textes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Neben den vier Preistr\u00e4gerinnen finden sich noch 11 weitere Beitr\u00e4ge in dem Sammelband <em>dicht?! \u2013 Ausgew\u00e4hlte Texte aus dem 3. Ruhrgebiets-Literaturwettbewerb<\/em>, der zum Abschluss feierlich dem Publikum pr\u00e4sentiert wurde. Ein sch\u00f6ner Abend, der das selbstgesteckte Ziel der <a href=\"http:\/\/ruhrpoeten.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ruhrpoeten<\/a> \u2013 \u201e[u]nterhaltsame und im Boden verankerte Veranstaltungen [zu organisieren]\u201c und \u201eProjekte, die die Literaturlandschaft im Ruhrgebiet bereichern und f\u00f6rdern\u201c \u2013 vollauf erf\u00fcllte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und nun erwarten wir mit Spannung die angek\u00fcndigte Lesetour zum 3. Ruhrgebiets-Literaturwettberwerb.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Sylvia Kokot<\/em><\/p>\n<div id=\"facebook_like\"><iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=https%3A%2F%2Fwww.hausblog-nottbeck.de%2F%3Fp%3D3283&amp;layout=standard&amp;show_faces=true&amp;width=500&amp;action=like&amp;font=segoe+ui&amp;colorscheme=light&amp;height=60\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:500px; height:60px;\" allowTransparency=\"true\"><\/iframe><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201edicht!?\u201c \u2013 so lautete die Themenvorgabe f\u00fcr den 3. Ruhrgebiets-Literaturwettbe- werb. Dementsprechend auch das Motto zum feierlichen Akt der Preisverleihung: Die Ruhrpoeten luden letzten Samstag zum \u201eDichter Abend\u201c in den Kinosaal im Dortmunder U. 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