{"id":2948,"date":"2014-06-05T07:25:31","date_gmt":"2014-06-05T06:25:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/?p=2948"},"modified":"2025-11-06T14:09:56","modified_gmt":"2025-11-06T13:09:56","slug":"derb-verhasst-zynisch-ironisch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/?p=2948","title":{"rendered":"Derb, verhasst \u2026"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.kreis-warendorf.info\/wordpress\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Droste_Schalldaempfer_Cover-Tiamat.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-2950 size-medium\" title=\"Wiglaf Droste: Schalld\u00e4mpfer. Eine Revue   Cover: Edition Tiamat\" src=\"http:\/\/www.kreis-warendorf.info\/wordpress\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Droste_Schalldaempfer_Cover-Tiamat-178x300.jpg\" alt=\"Droste_Schalldaempfer_Cover Tiamat\" width=\"178\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Droste_Schalldaempfer_Cover-Tiamat-178x300.jpg 178w, https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Droste_Schalldaempfer_Cover-Tiamat-609x1024.jpg 609w, https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Droste_Schalldaempfer_Cover-Tiamat.jpg 1476w\" sizes=\"auto, (max-width: 178px) 100vw, 178px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>\u2026\u00a0 zynisch-ironisch<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wiglaf Droste hat den Roman eines Sommers geschrieben. Des Sommers 2013, als er sich vor\u00fcbergehend selbst aus dem Verkehr zog. Zur Entgiftung, wie er sagt. Um neue Energie zu tanken, weil\u2019s mal wieder sein musste. Das Schreiben konnte er w\u00e4hrend dieser Abstinenz aber doch nicht lassen. Das Ergebnis hei\u00dft \u201eSchalld\u00e4mpfer\u201c, eine Road Novel, die quer durch Deutschland f\u00fchrt und schlie\u00dflich in einer Badewanne bzw. an einem Fr\u00fchst\u00fcckstisch am Thuner See endet.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Wiglaf Drostes Devise lautet: no risk, no fun<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und wir frohlocken. Endlich wieder ein Roman aus Drostes Feder. Kein Mammutwerk, unter dem sich die Bretter des B\u00fccherregals biegen, sondern ein schmales, schmuckes B\u00e4ndchen in sch\u00f6nstem Hardcover mit 127 Seiten. Handlich ist\u2019s und schnell gelesen, denn der irrwitzige Parforce-Ritt, der einem hier unter die Augen kommt, ist ebenso kurzweiliges wie diebisches Lesefutter. Dank all der Zutaten, die man vom Autor kennt: Eine satirisch geschliffene Sprache, b\u00f6se Seitenhiebe auf all den Medienm\u00fcll, der uns t\u00e4glich zusetzt, und nat\u00fcrlich dank drostesk gepfefferter Personenschelte, die selbsternannte Medienpromis ebenso trifft wie korrupte Politiker und protzende Kirchenf\u00fcrsten (2013 war ja auch, bevor man\u2019s vergisst, der Sommer des Tebartz van Elst). Und, ja, auch eine geh\u00f6rige Dosis Underground ist im Spiel \u2013 die letzten Aufrechten der Republik sammeln sich und schlagen auf ihre Weise zur\u00fcck gegen das Imperium der Gro\u00dfkopferten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit es auch richtig weh tut, werden, in vertraut Droste\u2019scher Manier, die Brandstifter der Volksverdummung beim Namen genannt. Kai Dieckmann (\u201eVelveta-Schmierk\u00e4se-Visage\u201c) von der Bildzeitung zum Beispiel, deren kalkulierte Heuchelei blo\u00dfgestellt wird, Eckart von Hirschhausen (Verfechter eines \u201eHeil Humor! Tumors\u201c und Prototyp des servilen Charakters), Dieter Bohlen (\u201eakustischer Verbrecher gegen die Menschlichkeit\u201c), Claudia Roth (\u201eObergurkin\u201c) oder Tim Renner, dem der Autor den Vortrag \u201eDer rasende Mitl\u00e4ufer als Avantgardist. Wie man als konstitutioneller Popopuhler den Chef raush\u00e4ngen l\u00e4sst\u201c unterschiebt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Spa\u00df und Attacke, lautet Droste Devise, beides muss sein, no risk, no fun. In \u201eSchalld\u00e4mpfer\u201c hat er daf\u00fcr eine ad\u00e4quate Form gefunden. Der \u00fcberarbeitete Text war zuvor, zwischen Juli und November 2013, h\u00e4ppchenweise im Feuilleton der \u201ejungen Welt\u201c zu lesen. W\u00e4re der Begriff \u201eSommerm\u00e4rchen\u201c nicht schon tausendmal missbraucht worden \u2013 auf \u201eSchalld\u00e4mpfer\u201c trifft er zu. Das, was man aus Drostes Glossen kennt und sch\u00e4tzt \u2013 die Lust an der Pointierung, am Sprachspiel, der unbarmherzige, desavouierende Blick auf die Wirklichkeit \u2013, all das ist hier in eine Rahmenhandlung eingebettet, die h\u00f6chst subjektiv all das aufspie\u00dft, was vor gut einem Jahr in den Schlagzeilen war. Ein wahrhaftig historischer Roman also \u2013 und das gleich in mehrfacher Hinsicht. Hierauf spielen auch die Worte eines Rezensenten an, denen man nur bescheinigen kann, dass sie punktgenau ins Schwarze treffen: \u201e\u201aSchalld\u00e4mpfer\u2018 ist ein Buch der Gewaltphantasien eines Gestressten. Derb, verhasst und zynisch-ironisch bis in die letzte Papierfaser \u2013 einerseits mit dem massiven Holzhammer, andererseits mit dem f\u00fcr den Autoren typischen Feinsinn. Einerseits endbescheuert, andererseits hochintelligent.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Walter G\u00f6dden<\/p>\n<div id=\"attachment_2951\" style=\"width: 510px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.kreis-warendorf.info\/wordpress\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Wiglaf-Droste_C_Silvia-Heinz_6.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2951\" class=\"wp-image-2951\" title=\"Wiglaf Droste \u2013 Foto: \u00a9 Sivia Heinz\" src=\"http:\/\/www.kreis-warendorf.info\/wordpress\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Wiglaf-Droste_C_Silvia-Heinz_6-300x225.jpg\" alt=\"Wiglaf Droste_C_Silvia Heinz_6\" width=\"500\" height=\"375\" srcset=\"https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Wiglaf-Droste_C_Silvia-Heinz_6-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Wiglaf-Droste_C_Silvia-Heinz_6-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Wiglaf-Droste_C_Silvia-Heinz_6.jpg 1168w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2951\" class=\"wp-caption-text\">Foto: \u00a9 Silvia Heinz<\/p><\/div>\n<p><strong>Appetizer I<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWir hatten das Kommando Leise Welt gegr\u00fcndet, eine Organisation zur Rettung des menschlichen Trommelfells und der inneren Organe. L\u00e4rmbolde, Schreih\u00e4lse und Rollkofferbr\u00fcllw\u00fcrfelhintersichherzerrer bekamen von uns einen eindeutigen Wink mit der Wumme.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Besonders penetranten und unf\u00e4higen Stra\u00dfen- und U-Bahn-Musikern machten wir ein gro\u00dfz\u00fcgiges Angebot: Gegen die bindende Verpflichtung, nie wieder \u00f6ffentlich zum Instrument zu greifen, bekamen sie einen anst\u00e4ndig dotierten Job bei der Firma Oropax, deren stille Teilhaber wir sind. (Die Betonung liegt selbstverst\u00e4ndliche auf still.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weniger freundlich waren wir zu Distributeuren von Fahrstuhlmusik und Kaufhausbeschallung; die setzten wir schon mal 48 Stunden der akustischen Jauche aus, mit der sie die Welt belegen, und zwar so, dass sie sich die Ohren nicht zuhalten konnten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hauptziel aber waren die Musikchefs von Radiosendern, die ohne jede Gnade Millionen H\u00f6rer qu\u00e4lten und in die Verzweiflung trieben. Sie bekamen etwas Gro\u00dfkalibriges in den Hohlraum zwischen ihren Ohren verabreicht, getreu den Grunds\u00e4tzen unseres Kommandos selbstverst\u00e4ndlich mit dem Schalld\u00e4mpfer.\u00ab<\/p>\n<p><strong>Wiglaf Droste: Schalld\u00e4mpfer. Eine Revue<\/strong><br \/>\n<strong>Edition Tiamat<\/strong><br \/>\n<strong>128 Seiten, 14,00\u20ac<\/strong><\/p>\n<p>Langversion dieser Rezension: \u201eAuf sie, ohne Gebr\u00fcll!\u201c, in: <a href=\"https:\/\/www.westfalenspiegel.de\/ausgabe-032014\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Westfalenspiegel<\/em> 63 (2014)<\/a>, H. 3, S. 41\u201343.<\/p>\n<div id=\"facebook_like\"><iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=https%3A%2F%2Fwww.hausblog-nottbeck.de%2F%3Fp%3D2948&amp;layout=standard&amp;show_faces=true&amp;width=500&amp;action=like&amp;font=segoe+ui&amp;colorscheme=light&amp;height=60\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:500px; height:60px;\" allowTransparency=\"true\"><\/iframe><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u2026\u00a0 zynisch-ironisch Wiglaf Droste hat den Roman eines Sommers geschrieben. Des Sommers 2013, als er sich vor\u00fcbergehend selbst aus dem Verkehr zog. 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