{"id":2848,"date":"2014-05-15T10:58:57","date_gmt":"2014-05-15T09:58:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/?p=2848"},"modified":"2014-05-23T08:56:33","modified_gmt":"2014-05-23T07:56:33","slug":"ahorn-platon-raeumt-auf-und-faellt-in-janes-arme","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/?p=2848","title":{"rendered":"Ahorn Platon r\u00e4umt auf"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.kreis-warendorf.info\/wordpress\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/Urban_Gondwana._Cover_Schoeffling-und-Co.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-2849 size-medium\" title=\"Simon Urban: Gondwana   Cover: Sch\u00f6ffling &amp; Co.\" src=\"http:\/\/www.kreis-warendorf.info\/wordpress\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/Urban_Gondwana._Cover_Schoeffling-und-Co-183x300.jpg\" alt=\"SimonUrban_Gondwana_Cover.indd\" width=\"183\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/Urban_Gondwana._Cover_Schoeffling-und-Co-183x300.jpg 183w, https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/Urban_Gondwana._Cover_Schoeffling-und-Co-627x1024.jpg 627w\" sizes=\"auto, (max-width: 183px) 100vw, 183px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>\u00a0\u2026 \u2013 und f\u00e4llt in Janes Arme<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was ist blo\u00df von diesem Roman zu halten? Einen Roman der alles und letztlich auch sich selbst durch den Kakao zieht. Der den Leser ebenso irritiert wie d\u00fcpiert, weil Simon Urban so draufg\u00e4ngerisch und z\u00fcgellos schreibt, als g\u00e4be es kein Morgen. Eine Story, die zu einhundert Prozent Slapstick ist und doch vorgeblich eine Botschaft transportiert. N\u00e4mlich die, dass religi\u00f6se Orthodoxie unweigerlich ins Verderben f\u00fchrt. Aber muss man deshalb einen ultra-ketzerischen Detektiv-Rambo mit dem wahnwitzigen Namen \u201eAhorn Platon\u201c (\u201eSagen Sie Platon zu mir, ich bin schlie\u00dflich kein Baum\u201c) auf ein gl\u00fcckseliges Eiland schicken, um dort einen Mord aufzukl\u00e4ren? Einen Mord, der nie und nimmer h\u00e4tte passieren d\u00fcrfen, weil besagte Insel Gondwana das vermeintliche Abbild religi\u00f6ser Eintracht ist \u2013 der kaum f\u00fcr m\u00f6glich gehaltener Beweis f\u00fcr das friedfertige Zusammenleben aller Weltreligionen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich gr\u00fcndet dieses Utopia-Konzept auf einer Fiktion, ist ein Fake. Denn das zauberhafte S\u00fcdseeatoll ist in Wirklichkeit ein \u00dcberwachungsstaat, der seine Bewohner (vor allem Frauen) in jedweder Form g\u00e4ngelt und sie gleichzeitig im Zustand k\u00fcnstlich-naiver Gl\u00fccks-Euphorie vor sich hinvegetieren l\u00e4sst. Misst\u00f6ne sind nicht geduldet und nach au\u00dfen dringen darf nur, was auf Erfolg getrimmt ist \u2013 der Besitz einer Fotokamera, mit der m\u00f6glicherweise entlarvende Bilder geschossen werden k\u00f6nnen, steht beispielsweise unter H\u00f6chststrafe. Eine ferne, abstruse Welt also, in der der Aberwitz Schindluder treibt. So weit so gut. Doch immer wieder werden wir \u2013 Urzeiten nach Nietzsches \u201eGott ist tot\u201c \u2013 seitenlang dar\u00fcber belehrt, dass Gott nun wirklich tot sei und sich jede Religion, gleich welcher Couleur, durch ihren Absolutheitsanspruch ad absurdum f\u00fchre. Brauchen wir eine solche Belehrung\/Bekehrung? Eine Moraldidaxe im Roman eines jungen Autors anno 2014. \u2013 Hallo?!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und was ist das nun wieder? Pl\u00f6tzlich wird die Story in Form eines Comics weitererz\u00e4hlt. Will uns der Autor durch die kaum zu toppende (aber dadurch fast zwanghafte) Demonstration seiner Brillanz (die sich zum regelrechten Overkill ausw\u00e4chst) nun v\u00f6llig ins Boxhorn jagen? M\u00f6chte man angesichts all dieses Quatsches das Buch nur noch in die Ecke pfeffern?<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nein, ganz und gar nicht, lautet die Antwort. Denn Urbans Prosa wartet immer wieder mit \u00dcberraschungen auf, mit irrer Situationskomik, schlagfertigen Dialogen, markigen Macho-Spr\u00fcchen (Ahorn: \u201eIch kann alles, was gekonnt werden muss\u201c) und nicht zuletzt mit einer Handlung, die eben zwischen Genialit\u00e4t und Nerverei changiert. Dabei droht sie, in ihrer postmodernen Willf\u00e4hrigkeit, komplett den Boden unter den F\u00fc\u00dfen zu verlieren. N\u00e4mlich dann, wenn Ahorn eine \u00dcberdosis Psychopharmaka und dazu literweise Whiskey verkonsumiert und ein Identit\u00e4tstausch stattfindet, der alle D\u00e4mme brechen l\u00e4sst. Ist es Ahorn, der fortan zu uns spricht oder das hochangesehene Oberhaupt aller Weltreligionen, das sehnlichst auf der Insel erwartet wurde? Sp\u00e4testens hier entpuppt sich auch die Krimihandlung als Farce. Und wenn wir h\u00f6ren, dass der Oberhirte aller Oberhirten selbst Drahtzieher des Mordes bzw. Selbstmordes ist (darauf kommt es nun wirklich nicht mehr an) und jener schlie\u00dflich ein feinster Tarantino-Manier so wild um sich ballert, dass die K\u00f6pfe nur so durch die Gegend fliegen, kann uns das auch nicht mehr schocken, weil eh alles durcheinander geht. Bevor dann, im Finale, ein Tross superh\u00fcbscher Amazonen die Weltherrschaft \u00fcbernimmt und Jane ihren Tarzan, sprich Ahorn, in die Arme schlie\u00dft und als Bodyguard einstellt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ach was, m\u00f6ge sich doch jeder selbst ein Urteil \u00fcber dieses schr\u00e4ge, \u00fcberdrehte, sarkastische, oft borniert-\u00fcberzogene Ding von einem Roman machen, das mit einer herrlichen, fast anarchischen Fabulierlust aufwartet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eGondwana\u201c von Simon Urban (mit Comics von Ralph Niese) ist bei Sch\u00f6ffling &amp; Colag erschienen. 22,95 Euro. \u201eGodwana\u201c ist der zweite Roman Urbans nach seinem grandiosen Deb\u00fct \u201ePlan D\u201c (2011), in dem das Szenario durchgespielt wird: Was w\u00e4re, wenn es die DDR heute noch g\u00e4be? Eine in jeder Form \u00fcberzeugende Wirklichkeitssimulation im Genre eines Agenten-Thrillers.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Walter G\u00f6dden<\/p>\n<div id=\"facebook_like\"><iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=https%3A%2F%2Fwww.hausblog-nottbeck.de%2F%3Fp%3D2848&amp;layout=standard&amp;show_faces=true&amp;width=500&amp;action=like&amp;font=segoe+ui&amp;colorscheme=light&amp;height=60\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:500px; height:60px;\" allowTransparency=\"true\"><\/iframe><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; \u00a0\u2026 \u2013 und f\u00e4llt in Janes Arme Was ist blo\u00df von diesem Roman zu halten? Einen Roman der alles und letztlich auch sich selbst durch den Kakao zieht. Der den Leser ebenso irritiert wie d\u00fcpiert, weil Simon Urban so draufg\u00e4ngerisch und z\u00fcgellos schreibt, als g\u00e4be es kein Morgen. 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