{"id":2565,"date":"2014-01-21T13:33:48","date_gmt":"2014-01-21T12:33:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/?p=2565"},"modified":"2025-11-06T08:49:52","modified_gmt":"2025-11-06T07:49:52","slug":"aufklaerer-aus-passion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/?p=2565","title":{"rendered":"Ein Aufkl\u00e4rer aus Passion"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><strong>Dominique Horwitz l\u00e4sst bei seiner Lesung die satirische Sch\u00e4rfe<br \/>\nJohann Moritz Schwagers mit neuer Verve aufleben.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer war dieser Johann Moritz Schwager? Man muss weit zur\u00fcckbl\u00e4ttern, bis ins tiefe 18. Jahrhundert. Schwager war Theologe, Publizist und Schriftsteller mit jahrzehntelangem Wohnsitz in J\u00f6llenbeck (heute Ortsteil von Bielefeld). Ein genialer Geist und zugleich ein Dicksch\u00e4del, der keiner Fehde aus dem Weg ging, der mit spitzer Feder schrieb, seine Feinde mit Spott, Hohn und Polemik \u00fcberzog und auch Romane verfasste.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zielscheibe seiner Kritik waren Aberglaube, Hexenwahn, pietistische Fr\u00f6mmelei, aber auch Korruption und ignorantes Obrigkeitsdenken. Niemand blieb verschont, weder B\u00fcrger noch Bauer und erst recht keine Adligen, an denen er kaum ein gutes Haar lie\u00df. Das von Schwager beschriebene Westfalen des 18. Jahrhunderts gleicht einem einzigen Sumpf an Intrigen, Korruption und Rechtsverdrehung \u2013 gest\u00fctzt durch Gesetze und Winkeladvokaten, die solch desastr\u00f6se Zust\u00e4nde erst m\u00f6glich machten.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Glaubt man Schwager, war nichts so, wie es sein sollte, angefangen bei falschen Erziehungsmethoden \u00fcber Scharlatanerie in der Medizin, r\u00fcckst\u00e4ndige Methoden beim Ackerbau bis hin zum ideenlosen Unterricht. Bei seinem Don Quixotischen Kampf gegen die katastrophalen Zust\u00e4nde vor Ort legte Schwager eine solche Dynamik und Beharrlichkeit an den Tag, dass er wiederholt mit der Obrigkeit und seiner Gemeinde in Konflikt geriet. Was seinen Eifer freilich nicht bremsen konnte. Er hielt unbeirrt an seinem Kurs fest.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Journalen seiner Zeit fand Schwager eine erste B\u00fchne f\u00fcr seine Ver\u00f6ffentlichungen. Als Herausgeber und Beitr\u00e4ger war er ein weithin anerkannter Mann. Er war Teil eines intellektuellen Netzwerks, das sich weit \u00fcber ganz Westfalen hinaus erstreckte. Schon seine Traktate zeigen: Dieser Mann konnte mit der Feder umgehen. Er sprach den Leser unmittelbar an, w\u00e4hlte anschauliche Beispiele, traf den richtigen Ton. Schwagers Vorliebe f\u00fcr Polemik ist aus heutiger Sicht das \u201eSalz an der Suppe\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei so viel literarischer Verve hatte es eine gewisse Konsequenz, dass sich Schwager bald auch gr\u00f6\u00dferen literarischen Formen zuwandte. In seinem gedruckten Werk (\u00fcber 25.000 Seiten!), das Reisebeschreibungen, Essays, Satiren, Epigramme, Sinngedichte und mehr umfasst, finden sich auch f\u00fcnf Romane. Sie fanden in ihrer Zeit viele Leser und erlebten teilweise mehrere Auflagen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Mittelpunkt steht <i>Leben und Schicksale des Martin Dickius<\/i> (1775) \u2013 ein Buch, das mit Fug und Recht zu den Hauptwerken des deutschen Humors gez\u00e4hlt werden darf. Der Roman zeigt, wie es einem d\u00fcmmlichen und faulen Scharlatan beinahe gelingt, einen begehrten Predigerposten zu ergattern. Ein zweites Hauptwerk Schwagers ist die <i>Werther<\/i>-Parodie <i>Die Leiden des jungen Franken, eines Genies<\/i> (1777). Zielscheibe des Spotts sind die \u201eunechten Schw\u00e4rmer\u201c, deren s\u00fc\u00dflich-weiches Wortgeklingel den Geniekult zur Ersatzreligion werden lie\u00df.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Walter G\u00f6dden<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Dominique Horwitz liest Johann Moritz Schwager. Bielefeld: Aisthesis Verlag 2014, CD, 80 min., 10,- \u20ac<\/i><\/p>\n<div id=\"facebook_like\"><iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=https%3A%2F%2Fwww.hausblog-nottbeck.de%2F%3Fp%3D2565&amp;layout=standard&amp;show_faces=true&amp;width=500&amp;action=like&amp;font=segoe+ui&amp;colorscheme=light&amp;height=60\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:500px; height:60px;\" allowTransparency=\"true\"><\/iframe><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dominique Horwitz l\u00e4sst bei seiner Lesung die satirische Sch\u00e4rfe Johann Moritz Schwagers mit neuer Verve aufleben. Wer war dieser Johann Moritz Schwager? Man muss weit zur\u00fcckbl\u00e4ttern, bis ins tiefe 18. Jahrhundert. Schwager war Theologe, Publizist und Schriftsteller mit jahrzehntelangem Wohnsitz in J\u00f6llenbeck (heute Ortsteil von Bielefeld). 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