{"id":236,"date":"2011-02-14T10:40:04","date_gmt":"2011-02-14T09:40:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/?p=236"},"modified":"2025-11-04T15:29:13","modified_gmt":"2025-11-04T14:29:13","slug":"die-jungfrau-in-der-kuchenschlacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/?p=236","title":{"rendered":"Die Jungfrau in der K\u00fcchenschlacht"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Kochb\u00fccher waren nicht nur im Zeitalter der TV-K\u00f6che die Blockbuster des Buchmarkts. Die kulinarische Buchkultur boomte schon im 19. Jahrhundert. Der Autor Hans Dieter Treeck w\u00fcrdigt die Klassikerin dieses Genres, deren Auflagenzahlen selbst Jamie Oliver erblassen lassen w\u00fcrden. Die Rede ist von Henriette Davidis. Die Westf\u00e4lin, der in ihrem Geburtsort Wengern\/Ruhr ein eigenes Museum gewidmet ist, pr\u00e4gte mit ihren Kochb\u00fcchern und Erziehungsfibeln ganze Generationen deutscher Ess- und Erziehungskultur. Am 24.2\u00a0 stellt\u00a0Dieter Treeck zusammen mit der Schauspielerin Kriszti Kiss sein Davidis-Lesebuch vor, das 2011 in \u00a0\u201eNylands kleiner westf\u00e4lischer Bibliothek\u201c erschienen ist. Einen kulinarischen Appetizer bekommt die Lesung\u00a0durch ein stilechtes 3-G\u00e4nge-Men\u00fc \u00e0 la Henriette Davidis, serviert im KulturCaf\u00e9 Haus Nottbeck.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieter Treeck hat mit seinem Davidis \u201eBest-Off\u201c \u00a0eine Ehrenrettung im Sinn: er m\u00f6chte die ber\u00fchmteste deutsche Kochbuchautorin als eine selbstbewusste Frau an der Schwelle zur Moderne w\u00fcrdigen, deren Schaffen sich nicht auf Kreationen wie den \u201ePfefferpothast\u201c und das \u201eman nehme&#8230;\u201c reduzieren l\u00e4sst. Auch in der heute ebenso popul\u00e4ren Sparte der Ratgeber-Literatur war Davidis eine Pionierin. Ihre B\u00fccher \u201eDie Jungfrau\u201c und \u201eDie Hausfrau\u201c \u2013 \u00a0Treeck widmet ihnen eigene Kapitel \u2013 \u00a0waren Bestseller auf dem Gebiet der standesgem\u00e4\u00dfen \u201eHaushaltsf\u00fchrung\u201c. Kulturgeschichtlich Interessierten geben die Texte einen hochspannenden Einblick in die Erziehungsideale des b\u00fcrgerlichen Biedermeier: \u201eZu den r\u00fchmlichsten Eigenschaften einer Frau geh\u00f6rt die, da\u00df der Mann von ihr sagen kann \u201aIch habe eine Hausfrau\u2018.\u201c, gemahnte Davidis ihre junge weibliche Leserschaft. Ihrem Idealbild\u00a0 \u201eHausfrau\u201c entsprach ein Katalog von Tugenden wie Hygiene und Reinlichkeit sowie h\u00e4uslicher Pflichten wie die \u201eReinhaltung\u201c des \u201eSchreibzimmer des Mannes\u201c und die \u201e\u00dcberwachung der Kinder\u201c. In schulmeisterlichen Trakt\u00e4tchen brachte Davidis solcherart \u201ePrim\u00e4rtugenden\u201c den heranwachsenden M\u00e4dchen und frisch verheirateten Ehefrauen nah. F\u00fcr uns Heutige wirken die Tugendlehren der r\u00fchrigen Henriette unfreiwillig komisch und den Lebensentw\u00fcrfen jetziger junger Frauen Lichtjahre fern. Interessant ist aber, dass Davidis selbst ihrem eigenen idealen Rollenverst\u00e4ndnis widersprach. Sie war nie verheiratet und nahm ihr Leben nach den ersten Kochbuch-Erfolgen auf bewundernswerte Weise selbst in die Hand. In der rauen verlegerischen M\u00e4nnerwelt stritt sie beherzt um ihre Tantiemen und verfolgte zielstrebig ihre literarische Karriere. Sie publizierte Bestseller um Bestseller \u2013 Erziehungsratgeber, Kinderb\u00fccher, G\u00e4rtnerfibeln \u2013 und versilberte ihre kulinarische Autorit\u00e4t, indem sie f\u00fcr einen Kraftbr\u00fche-Fabrikanten Werbespots erdichtete.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit Herzblut hat der Schriftsteller Dieter Treeck ein kurzweiliges und am\u00fcsant zu lesendes\u00a0 Henriette-Davidis-Lesebuch zusammengestellt. Und auch die K\u00f6che kommen nicht zu kurz: wer Lust auf traditionelle Kreationen hat, wird ebenfalls gut bedient. Aus Hunderten von Rezepten hat Treeck die Davidis-Klassiker herausgesucht. Ein Buch also nicht nur zum Lesen, sondern auch zum nachkochen.<\/p>\n<p>Men\u00fc und Lesung am 24.2.2011 : VVK 23,00 EUR (zzgl. VVK-Geb\u00fchr); AK 26,00 EUR Lesung: VVK 10,00 EUR (zzgl. VVK-Geb\u00fchr); AK 12,00 EUR<\/p>\n<p><strong>Henriette Davidis Lesebuch.<\/strong><br \/>\nZusammengestellt und mit einem Nachwort von Dieter Treeck<br \/>\nBielefeld: Aisthesis 2011, 153 Seiten<\/p>\n<p>ISBN 978-3-89528-825-8<\/p>\n<p>St. Stadthaus<\/p>\n<div id=\"facebook_like\"><iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=https%3A%2F%2Fwww.hausblog-nottbeck.de%2F%3Fp%3D236&amp;layout=standard&amp;show_faces=true&amp;width=500&amp;action=like&amp;font=segoe+ui&amp;colorscheme=light&amp;height=60\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:500px; height:60px;\" allowTransparency=\"true\"><\/iframe><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kochb\u00fccher waren nicht nur im Zeitalter der TV-K\u00f6che die Blockbuster des Buchmarkts. Die kulinarische Buchkultur boomte schon im 19. Jahrhundert. 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