{"id":1926,"date":"2013-06-26T15:35:56","date_gmt":"2013-06-26T14:35:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/?p=1926"},"modified":"2025-12-17T09:07:10","modified_gmt":"2025-12-17T08:07:10","slug":"westfalen-sonst-nichts","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/?p=1926","title":{"rendered":"Westfalen, sonst nichts?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.kreis-warendorf.info\/wordpress\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/Westfalen-sonst-nichts2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1931\" title=\"Westfalen, sonst nichts\" src=\"http:\/\/www.kreis-warendorf.info\/wordpress\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/Westfalen-sonst-nichts2-208x300.jpg\" alt=\"\" width=\"208\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/Westfalen-sonst-nichts2-208x300.jpg 208w, https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/Westfalen-sonst-nichts2.jpg 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 208px) 100vw, 208px\" \/><\/a>2012 erschien die von Adrian Kasnitz und Christoph Wenzel herausgegebene Anthologie<em> <a href=\"http:\/\/www.siconline.de\/westfalen-sonst-nichts.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Westfalen, sonst nichts?<\/a><\/em> \u2013 am Samstag beim <a href=\"http:\/\/www.kulturgut-nottbeck.de\/25628.0.html?&amp;tx_jppageteaser_pi1[backId]=13538\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Laut &amp; Luise-Festival<\/em><\/a> zu erleben \u2013; das Buchversammelt 32 Stimmen zeitgen\u00f6ssischer Lyrik. Arnold Maxwill sprach mit beiden \u00fcber Westfalen und Lyrik &#8211; und wie (und wo) das eine mit dem anderen zusammenh\u00e4ngt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Eine Anthologie ist immer auch eine Entscheidung, eine inhaltliche Ausrichtung: die Wahl des Themas, der Texte, des Titels. Durch das Fragezeichen in <\/em>Westfalen, sonst nichts?<em> wird einem vorschnellen Argwohn der Wind aus den Segeln genommen. Pragmatik statt Programmatik also? <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Christoph Wenzel:<\/strong> Ja, das w\u00fcrde ich schon so sagen. Wir waren sehr gro\u00dfz\u00fcgig, was die Auswahl der Autoren anging bzw. der Kriterien dessen, was hier als \u201ewestf\u00e4lisch\u201c zu gelten hat. Das Fragezeichen im Titel stellt ja gleichzeitig auch zur Debatte, wie sinnvoll es ist, dieses Kriterium \u00fcberhaupt anzuwenden und deutet zudem an, dass wir sehr gro\u00dfz\u00fcgig verfahren sind, indem wir eben nicht gesagt haben: Man muss hier geboren sein, man muss hier so und so viel Jahre gelebt haben, unbedingt aufgewachsen sein. Die Autoren im Buch haben unterschiedlichste biographische Bez\u00fcge zu Westfalen, keiner ist aber unbedeutend. Nur ein Mal mit dem Regionalexpress hier durchgefahren zu sein \u2013 das reichte dann aber auch nicht. Wir haben schon geschaut, dass der Bezug ein deutlicher ist. Auf der anderen Seite bedeutet das Fragezeichen auch: nat\u00fcrlich gibt es viel mehr als Westfalen, und genau das wollen wir zeigen, indem wir sagen: Die Anthologie ist eine poetische Reise, die in unserem Fall ihren <em>Ausgangs<\/em>punkt in Westfalen hat, und dieser Ausgangspunkt strahlt auf verschiedenste Weisen ab auf das Leben der Autoren, die hier vielleicht nur aufgewachsen und dann in die \u201egro\u00dfe weite Welt\u201c gezogen sind und dort jetzt leben und schreiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Adrian Kasnitz:<\/strong> Dieses <em>Westfalen, sonst nichts?<\/em> ist ja auch eine Frage der Identit\u00e4t und das kann ja nur eine bestimmte Ebene der Identit\u00e4t sein, also meistens ist man ja erstmal z.B. M\u00fcnsteraner, dann kommt vielleicht sowas wie M\u00fcnsterl\u00e4nder, S\u00fcdwestfale, Ostwestfale \u2026 <!--more-->und dann ist es ja schon wieder eine viel abstraktere Ebene, \u201eWestfale\u201c zu sein. Das ist ja nicht allen immer so pr\u00e4sent. Und was auch dazugeh\u00f6rt, \u00fcberhaupt landschaftlich, dass es so feste Grenzen hat; die sind Leuten in Nordrhein-Westfalen nicht so vertraut \u2013 und wenn man \u00fcber diesen Tellerrand hinausguckt, ist es schon ganz absurd, was alles nach Meinung mancher angeblich noch zu Westfalen geh\u00f6rt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Mit Blick auf die Anthologie w\u00fcrde ich sagen: Westfalen \u2013 der Raum als Depot verschiedener Sprachweisen; die Landschaft als Szene und Ged\u00e4chtnis von Wahrnehmungen, Erfahrungen. Und ohne dabei die Heterogenit\u00e4t der zusammengetragenen Gedichte schm\u00e4lern oder gar ignorieren zu wollen, scheint mir dies doch eine ferne \u00dcbereinkunft zwischen nicht wenigen Texten zu sein. Es sind gewisserma\u00dfen Ablagerungen, die im sprachlichen Material aufscheinen.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wenzel:<\/strong> Das finde ich gut, weil das, was du sagst, eine <em>m\u00f6gliche<\/em> Antwort auf die Frage ist, die wir mit dem Buch auch stellen wollen, aber eben als Herausgeber nicht selbst beantworten \u2013 die Frage: Gibt es etwas Spezifisches, das diese Generation mit dieser westf\u00e4lischen Herkunft vereint \u2013 in ihrem poetischen Sprechen, in ihrer poetischen Arbeitsweise oder eben nicht? Ist es disparat und bleibt es disparat? Das wollten wir nicht beantworten. Wir haben auch ein bisschen hin- und her \u00fcberlegt, wie wir die Abfolge der Gedichte arrangieren wollen. Am Ende sind wir da gelandet, wo wir angefangen haben, n\u00e4mlich bei einer alphabetischen Sortierung nach Nachnamen, und das hatte viele Gr\u00fcnde und geschah nicht aus blo\u00dfer Bequemlichkeit heraus, sondern es passte dann zuf\u00e4lligerweise so, dass wir eine sch\u00f6ne Aufeinanderfolge von m\u00e4nnlichen und weiblichen Stimmen hatten, dass es thematisch sowohl variierte als auch ineinander griff, das passte alles wunderbar in die alphabetische Abfolge, aber wir haben auch \u00fcberlegt, geographische oder thematische Zusammenh\u00e4nge herzustellen. Das gl\u00fcckte in dem Versuch dann nicht so. Und wenn du jetzt doch Gemeinsamkeiten herausliest, die wir quasi als offene Frage stellen, finde ich das gut. Ich kann der These also folgen; sicherlich gibt es auch noch andere Thesen, andere M\u00f6glichkeiten, die Frage <em>Westfalen, sonst nichts?<\/em> zu beantworten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Vermutlich war aber die \u201aneutrale\u2018 alphabetische Reihenfolge letztlich eine sehr gute Wahl, weil eine von euch vorgenommene thematische Gliederung ja die Interpretationsweise auch von vorneherein beschnitten h\u00e4tte.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kasnitz: <\/strong>Ja, und man h\u00e4tte auch die Autoren und Texte nicht so pr\u00e4sentieren k\u00f6nnen, man h\u00e4tte die Texte dann anders anordnen m\u00fcssen und w\u00e4re nicht bei den Biographien und Autoren geblieben. Nat\u00fcrlich k\u00f6nnte man thematische Ordnungen vornehmen, das ist durchaus denkbar, beispielsweise gibt es in der Anthologie zwei Mal das Gedicht <em>Am Kanal<\/em> \u2013 da h\u00e4tte man ja schon thematische Bez\u00fcge herstellen k\u00f6nnen wie: Wir suchen uns bestimmte Orte, Stoffe, Motive, die zueinander passen \u2013 aber dann w\u00e4re man von den Autoren weggekommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>F\u00fcr Westfalen ist \u2013 auf den ersten Blick \u2013 dominant: die Provinz, in all ihren Auspr\u00e4gungen, andererseits das hybride postindustrielle Konglomerat namens Ruhrgebiet. Eure Gedichte n\u00e4hern sich dem, umkreisen dies oft vom Unauff\u00e4lligen, Randst\u00e4ndigen her (das Warteh\u00e4uschen, der Busbahnhof etc.), aber auch St\u00f6rmomente und Bruchstellen sind oft bemerkbar. Liegt hier f\u00fcr euch gewisserma\u00dfen ein Archiv vor, das dankbar genutzt werden kann?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kasnitz: <\/strong>Ja. Da kann man nur Ja sagen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wenzel:<\/strong> Ja, das ist ein gro\u00dfes Archiv, also ein poetisches Archiv, ein geschichtliches, ein biographisches, ein unendliches Archiv und dieses Vom-Rande-her-Schauen, Vom-Rande-her-Sprechen ist der Lyrik so zu eigen, eines ihrer ureigensten Merkmale, glaube ich, dass man immer vom Rande der Bilder, vom Rande der Semantik, vom Rande der W\u00f6rter, vom Rande der Sprache her etwas in den Blick nimmt, etwas bearbeitet. Das ist \u2013 finde ich zumindest \u2013 ganz nat\u00fcrlich, was diese Arbeitsweise angeht, was sie suggeriert und auch transportiert. Ich finde es sch\u00f6n, dass du das aufgreifst, dieses Stichwort Archiv, das finde ich faszinierend \u2013 insbesondere an dieser Landschaft, weil sie ein Fundus ist, der nicht nur reichhaltig ist, sondern zu dem es auch einen pers\u00f6nlichen Bezug gibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kasnitz:<\/strong> Das einzige, was fehlt, ist das Meer. Alles andere ist vorhanden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/adriankasnitz.wordpress.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Adrian Kasnitz<\/a>, geboren 1974, lebt in K\u00f6ln; seit 2003 Mitherausgeber der Edition <a href=\"http:\/\/parasitenpresse.wordpress.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">parasitenpresse<\/a>. Es erschienen mehrere Lyrikb\u00e4nde, u.a. <em>Innere Sicherheit<\/em> (2006),<em> Den Tag zu langen Dr\u00e4hten<\/em> (2009) und<em> Schrumpfende St\u00e4dte <\/em>(2011), aber auch Essays, Kurzprosa und der Roman <em>Wodka und Oliven <\/em>(2012).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.literaturport.de\/Christoph.Wenzel\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Christoph Wenzel<\/a>, geboren 1979 in Hamm, lebt in Aachen; gemeinsam mit Daniel Ketteler Verleger des [SIC]-Literaturverlags; zuletzt erhielt er den Alfred-Gruber-Preis beim Lyrikpreis Meran sowie den Literaturpreis der GWK; 2005 erschien der Lyrikband <em>zeit aus der karte<\/em>, 2010 <em>tagebr\u00fcche<\/em>, 2012 <em>weg vom fenster<\/em>.<\/p>\n<div id=\"facebook_like\"><iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=https%3A%2F%2Fwww.hausblog-nottbeck.de%2F%3Fp%3D1926&amp;layout=standard&amp;show_faces=true&amp;width=500&amp;action=like&amp;font=segoe+ui&amp;colorscheme=light&amp;height=60\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:500px; height:60px;\" allowTransparency=\"true\"><\/iframe><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2012 erschien die von Adrian Kasnitz und Christoph Wenzel herausgegebene Anthologie Westfalen, sonst nichts? \u2013 am Samstag beim Laut &amp; Luise-Festival zu erleben \u2013; das Buchversammelt 32 Stimmen zeitgen\u00f6ssischer Lyrik. 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