{"id":1591,"date":"2012-12-07T11:58:00","date_gmt":"2012-12-07T10:58:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/?p=1591"},"modified":"2025-11-05T09:23:02","modified_gmt":"2025-11-05T08:23:02","slug":"gelsenkirchen-ist-uberall","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/?p=1591","title":{"rendered":"Gelsenkirchen ist \u00fcberall"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u201eIch wollte \u2026 immer schreiben.\u201c<br \/>\nMichael Klaus (1952-2008)<br \/>\nSchriftsteller und Drehbuchautor<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er war einer der eigenwilligsten, schr\u00e4gsten und schrillsten Autoren der deutschen Literaturszene. Dass Gelsenkirchen sein Schicksal war, hat er nie laut ausgesprochen und seinen Wohnort auch nie wirklich verteufelt (aber angemerkt, dass Gelsen- kirchen-Buer \u201enachts erleuchtet sei von der Panik seiner Bewohner\u201c). Dennoch wurde Michael Klaus das Schicksal zuteil, zu sehr in die Schublade \u201eRuhri-Autor\u201c gesteckt zu werden. Zugegeben, seine Themen fand er bevorzugt vor der eigenen Haust\u00fcr, auf dem Gelsenkirchener Wochenmarkt beispielsweise. Doch was er aus seinen Themen machte, war <em>wirkliche<\/em> Literatur und h\u00e4tte \u00fcberall in Deutschland mehr Leser verdient gehabt. Michael Klaus wurde Opfer jener Klischees, die man in der \u00d6ffentlichkeit noch immer mit der Literatur des Potts in Verbindung bringt: Witz und Chuzpe, aber auch irgendwie eher etwas f\u00fcr den Moment, f\u00fcrs Tagesgesch\u00e4ft. Klaus schrieb gegen solche Vorurteile an. Seine Stoffe sind zwar oft witzig und bizarr, aber auch hintersinnig und voller Melancholie. Und vor allem: Es macht h\u00f6llischen Spa\u00df, Michael Klaus zu lesen.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 60px;\">&#8222;1973 machte ich Ernst. Ich ging in die Stadtb\u00fccherei, durch die Glast\u00fcr, am Tresen vorbei, geradeaus bis zu den Fenstern, dann etwas nach rechts und setzte mich an einen kleinen grauen Tisch und wollte Schriftsteller werden. Mit dem R\u00fccken sa\u00df ich zur Gelsenkirchener Lyrik, vor mir alphabetisch die Romane der Weltliteratur. Also Josef B\u00fcscher im Nacken und vor der Brust Balzac. Ich packte Papier und Kugelschreiber aus und schaute aus dem Fenster. Es war eine merkw\u00fcrdige Zeit. Die Lehramtsstudenten wollten Arbeiterdichter werden. Die Arbeiterdichter wollten nat\u00fcrlich die Arbeiterklasse befreien. Aber viel lieber wollten sie ins Gro\u00dfe Deutsche Gedichtbuch von Karl Otto Conrady. Und die eine Frauenbefreiungslyrikerin, die ich kannte, ging erst dann in ihrem Polarfuchsj\u00e4ckchen auf die Stra\u00dfe, wenn sie zu Hause ihrem Mann die H\u00e4schenpantoffeln angew\u00e4rmt hatte.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.kreis-warendorf.info\/wordpress\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Michael-Klaus-Lesebuch.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1593\" title=\"Michael Klaus Lesebuch\" src=\"http:\/\/www.kreis-warendorf.info\/wordpress\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Michael-Klaus-Lesebuch-188x300.jpg\" alt=\"\" width=\"136\" height=\"216\" srcset=\"https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Michael-Klaus-Lesebuch-188x300.jpg 188w, https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Michael-Klaus-Lesebuch.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 136px) 100vw, 136px\" \/><\/a>Das Michael Klaus Lesebuch (Aisthesis Verlag 2012, 176 Seiten f\u00fcr 8,50 \u20ac) l\u00e4sst nun noch einmal die wichtigsten literarischen Stationen des Autors Revue passieren. Klaus begann mit politischer Agit-Prop-Lyrik, bevor er sich der Kurzgeschichte und Satire zuwandte. Zwischen 1981 und 2000 entstanden in rascher Folge 25 H\u00f6rspiele f\u00fcr den WDR. Hervorzuheben ist seine Beteiligung an dem innovativen H\u00f6rspiel-Format <em>Black Box B1<\/em>. Auch in seinen Romanen und Jugendb\u00fcchern fand der Autor einen eigenen Ton zwischen Slapstick und Tragikom\u00f6die. Sein Roman <em>Nordkurve<\/em> (1982) wurde von Adolf Winckelmann verfilmt. Weitere Spielfilme folgten, auch ein \u201eSchimanski\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Klaus war Alltagsbeobachter aus Passion. Ein besonderes Faible hegte er f\u00fcr das Submilieu, das, scheint\u2019s, im Ruhrgebiet besonders urige Typen und Themen hervorbringt. Klaus\u2019 Protagonisten sind bevorzugt Typen mit liebenswerten Macken, kleine Helden des Alltags, die gro\u00df sind in ihrem Wollen und manchmal hilflosen Streben. Am liebsten aber schrieb Klaus \u00fcber sich selbst. Das gilt auch f\u00fcr seine letzten B\u00fccher, in denen er seine Krebserkrankung literarisch zu bew\u00e4ltigen versuchte. Er starb 2008 im Alter von nur 56 Jahren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Literaturkommission f\u00fcr Westfalen plant, im n\u00e4chsten Jahr Klaus\u2019 H\u00f6rspiele, Lesungen und seine Produktionen aus dem Bereich \u201eJazz &amp; Lyrik\u201c neu herauszubringen. Hinzu kommt zahlreiches unver\u00f6ffentlichtes Ton-Material aus dem Nachlass des Autors. Damit soll das Andenken an einen Autor lebendig gehalten werden, der ein geborener Erz\u00e4hler und Dramatiker war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Walter G\u00f6dden<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Michael Klaus<\/strong>, 1952 in Brilon geboren, aufgewachsen in Gelsenkirchen, starb nach Krankheit am 1. Juni 2008. Studium der Germanistik und Kunst. Er lebte und arbeitete in Gelsenkirchen-Buer und ver\u00f6ffentlichte Gedicht- und Erz\u00e4hlb\u00e4nde, Satiren, Romane sowie H\u00f6rspiele. Er schrieb zudem Drehb\u00fccher zu Fernsehspielen und zur Verfilmung seines Romans <em>Nordkurve<\/em> und ver\u00f6ffentlichte Buchbesprechungen, Glossen und Kurzgeschichten. Er war Mitglied im Verband deutscher Schriftsteller VS, hielt Gastdozenturen an der Universit\u00e4t Essen und an der Internationalen Filmhochschule K\u00f6ln und wurde 2003 Vizepr\u00e4sident des deutschen P.E.N. und Writers-in-Exile-Beauftragter.<\/p>\n<div id=\"facebook_like\"><iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=https%3A%2F%2Fwww.hausblog-nottbeck.de%2F%3Fp%3D1591&amp;layout=standard&amp;show_faces=true&amp;width=500&amp;action=like&amp;font=segoe+ui&amp;colorscheme=light&amp;height=60\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:500px; height:60px;\" allowTransparency=\"true\"><\/iframe><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eIch wollte \u2026 immer schreiben.\u201c Michael Klaus (1952-2008) Schriftsteller und Drehbuchautor Er war einer der eigenwilligsten, schr\u00e4gsten und schrillsten Autoren der deutschen Literaturszene. 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