{"id":1569,"date":"2012-12-05T09:22:44","date_gmt":"2012-12-05T08:22:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/?p=1569"},"modified":"2025-11-05T09:22:42","modified_gmt":"2025-11-05T08:22:42","slug":"annette-von-droste-hulshoff-preis-2012","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/?p=1569","title":{"rendered":"Annette-von-Droste-H\u00fclshoff-Preis 2012"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Am 12. Dezember wird der Westf\u00e4lische Literaturpreis an die in Schwelm geborene Autorin Judith Kuckart verliehen.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In ihrer Begr\u00fcndung hebt die Jury hervor, Judith Kuckart verstehe es, historisch und politisch wichtige Themen durch fein gezeichnete Figurenkonstellationen auf au\u00dfergew\u00f6hnliche und beeindruckende Weise f\u00fcr den Leser konkret erfahrbar und zugleich K\u00f6rperlichkeit im literarischen Raum lebendig werden zu lassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Judith Kuckart stammt aus Schwelm, ist aber in der Welt zu Hause. Sie besitzt Wohnsitze in Berlin und Z\u00fcrich und ist dar\u00fcber hinaus, bedingt durch ihre Projekte, viel unterwegs. Im letzten Jahr war sie beispielsweise Stipendiatin in London und Essen. Der Aufenthalt in Essen hat ihr besonders zugesagt, \u201eweil ich ja von hier komme\u201c. Auf ihr Nomadenleben angesprochen, antwortete sie: \u201eAlso diese gro\u00dfartigen St\u00e4dtenamen, London, Z\u00fcrich und Berlin und so: das klingt alles ganz toll, aber ich bin auch ganz oft in Wuppertal und G\u00fctersloh.\u201c Und demn\u00e4chst in Nottbeck. Dort wird die Autorin am 12. Dezember den <em>Annette-von-Droste-H\u00fclshoff-Preis<\/em> entgegennehmen. <!--more-->Nach dem <em>Margarete-Schrader-Preis<\/em> der Uni Paderborn 2006, dem <em>Literaturpreis Ruhr<\/em> 2009 ist es der dritte Literaturpreis aus hiesigen Breiten f\u00fcr Judith Kuckart.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Rahmen des Video-Projekts \u201eIch schreibe, weil\u2026\u201c, das im Zusammenhang mit dem Nottbecker Museum f\u00fcr Westf\u00e4lische Literatur realisiert wurde, gab Judith Kuckart im vergangenen Jahr bereitwillig Auskunft \u00fcber ihr literarisches Schaffen. Unter anderem sagte sie: \u201eIch schreibe, weil ich Geld verdienen muss. Und: Ich schreibe, weil ich sterben muss.\u201c Wie die Autorin schildert, nehmen ihre Stoffe Besitz von ihr: \u201eEs gibt, glaube ich, Geschichten, die sind so frei flottierende Teilchen und die warten eigentlich nur darauf, dass sie jemand erz\u00e4hlt. Und da ich ganz gerne erz\u00e4hle, kommen die zu mir wahrscheinlich schneller als zu anderen Leuten.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.kreis-warendorf.info\/wordpress\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Lenas-Liebe.-Roman-2002.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1573\" title=\"Lenas Liebe. Roman (2002)\" src=\"http:\/\/www.kreis-warendorf.info\/wordpress\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Lenas-Liebe.-Roman-2002-204x300.jpg\" alt=\"\" width=\"204\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Lenas-Liebe.-Roman-2002-204x300.jpg 204w, https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Lenas-Liebe.-Roman-2002.jpg 250w\" sizes=\"auto, (max-width: 204px) 100vw, 204px\" \/><\/a>Diese Stoffe haben viel mit Selbst- vergewisserung zu tun. Einmal aus spezifisch weiblichem Blickwinkel, zum anderen in gesellschaftlich-kulturgeschichtlicher Hinsicht. Aus der Globalperspektive betrachtet, arbeitet die Autorin, Jahrzehnt f\u00fcr Jahrzehnt, Panoramen deutscher Mentalit\u00e4tsgeschichte ab. \u201eDas ist mir wichtig, vor allem in diesem Zeitraum, der kurz vor meiner Geburt liegt. Weil ich denke, in den 1950er Jahren war so viel in der Luft, was ich nicht mehr mitgekriegt habe. ich habe das Gef\u00fchl, \u2013 das mag auch eine Idealisierung sein \u2013, dass da alles anders gerochen hat, die Farben anders ausgesehen haben, die Frauen andere Str\u00fcmpfe anhatten, das Wetter heftiger war.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kuckarts B\u00fccher sind kein leichter Lesestoff. Ihre Romane handeln vom Nationalsozialismus und der Shoah (<em>Die sch\u00f6ne Frau<\/em>, 1994; <em>Lenas Liebe<\/em>, 2002), vom Terrorismus (<em>Wahl der Waffen<\/em>, 1990) und von Traumata der deutschen Nachkriegsgeschichte (<em>Kaiserstra\u00dfe<\/em>, 2006), um nur einige Aspekte zu benennen. Gespiegelt werden diese Themen in gebrochenen Pers\u00f6nlichkeiten, die oft an ihren Sehns\u00fcchten scheitern. Es geht um gest\u00f6rte Beziehungen, verletzte Gef\u00fchle, misslungenes Leben, z\u00e4rtliche und gewaltsame Ber\u00fchrungen \u2013 und letztlich um vers\u00e4umte Liebe. Kuckarts Akteure sind ruhelose Existenzen, die in kaputten Welten leben und oft eine unerbittliche B\u00fcrde mit sich herumtragen oder an der Unf\u00e4higkeit scheitern, ihre Gef\u00fchle zum Ausdruck zu bringen. Menschen sind, glauben wir der Autorin, oft getriebene Gesch\u00f6pfe. Sie laufen vielleicht lebenslang einem Trugbild, einem Fetisch nach.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.kreis-warendorf.info\/wordpress\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Kaiserstra\u00dfe.-Roman-2006.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1575\" title=\"Kaiserstra\u00dfe. Roman (2006)\" src=\"http:\/\/www.kreis-warendorf.info\/wordpress\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Kaiserstra\u00dfe.-Roman-2006-201x300.jpg\" alt=\"\" width=\"201\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Kaiserstra\u00dfe.-Roman-2006-201x300.jpg 201w, https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Kaiserstra\u00dfe.-Roman-2006.jpg 250w\" sizes=\"auto, (max-width: 201px) 100vw, 201px\" \/><\/a>Auch stilistisch macht es die Autorin dem Leser nicht leicht. Sie erz\u00e4hlt filmisch, mit vielen Br\u00fcchen und R\u00fcckblenden. Die Handlung l\u00f6st sich in eindringlichen Szenen und Bildern auf, denen eine starke sinnliche Emphase innewohnt. Judith Kuckarts Werke besitzen dabei einen ganz spezifischen \u201eTon\u201c, der schon auf den ersten Seiten eines Romans oder einer Erz\u00e4hlung anklingt: ein starker Kompo- sitionswillen, gepaart mit einer Diktion, die auf der einen Seite oft spr\u00f6de und lakonisch daherkommt, auf der anderen Seite mit \u00fcberraschenden poetischen Wendungen und k\u00f6rperlich-sinnlichen Bildern operiert. Es sind diese Qualit\u00e4ten ihrer Formulierungskunst, die neue, ungew\u00f6hnliche Perspektiven er\u00f6ffnet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.kreis-warendorf.info\/wordpress\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Die-Verd\u00e4chtige.-Roman-2008.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1576\" title=\"Die Verd\u00e4chtige. Roman (2008)\" src=\"http:\/\/www.kreis-warendorf.info\/wordpress\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Die-Verd\u00e4chtige.-Roman-2008-200x300.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Die-Verd\u00e4chtige.-Roman-2008-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Die-Verd\u00e4chtige.-Roman-2008.jpg 250w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/a>Man darf also gespannt sein: auf Laudatio und Lesung anl\u00e4sslich der Verleihung des <em>Annette-von-Droste-H\u00fclshoff-Preises<\/em> an Judith Kuckart. Der Ort: Museum f\u00fcr Westf\u00e4lische Literatur Kulturgut Haus Nottbeck. Die Zeit: Mittwoch, 12.12.2012 um 19 Uhr. Der Eintritt ist frei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Walter G\u00f6dden<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Judith Kuckart wurde in Schwelm bei Wuppertal geboren und lebt als Schriftstellerin und Regisseurin in Berlin und Z\u00fcrich. Das Studium der Literatur- und Theaterwissenschaften in K\u00f6ln und Berlin schloss sie mit einer Magisterarbeit \u00fcber Else Lasker-Sch\u00fcler ab. Zum Schreiben kam Judith Kuckart nicht in erster Linie \u00fcber das Literaturstudium, sondern \u00fcber Tanz und Theater. Nach dem Unterricht in klassischem Ballett und modernem Tanz in D\u00fcsseldorf und Essen und nach pr\u00e4genden Theaterbesuchen bei Pina Bausch gr\u00fcndete sie mit vier Ensemblemitgliedern das Tanztheater Skoronel. Zusammen mit J\u00f6rg Aufenanger leitete Kuckart das Ensemble bis 1998. Oft in Koproduktion mit gro\u00dfen Theatern entstanden insgesamt 17 Produktionen, f\u00fcr die sie Stoffe und Choreografien entwickelte und sp\u00e4ter auch Libretti und St\u00fccke schrieb, die sie selbst inszenierte. Seit der Aufl\u00f6sung von Skoronel arbeitet sie als freie Regisseurin, ver\u00f6ffentlicht seit ihrem Deb\u00fct <em>Waffengang <\/em>(1990) regelm\u00e4\u00dfig Romane und wurde mit zahlreichen Auszeichnungen und Stipendien geehrt.<\/p>\n<div id=\"facebook_like\"><iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=https%3A%2F%2Fwww.hausblog-nottbeck.de%2F%3Fp%3D1569&amp;layout=standard&amp;show_faces=true&amp;width=500&amp;action=like&amp;font=segoe+ui&amp;colorscheme=light&amp;height=60\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:500px; height:60px;\" allowTransparency=\"true\"><\/iframe><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 12. 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