{"id":1486,"date":"2012-11-05T12:36:35","date_gmt":"2012-11-05T11:36:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/?p=1486"},"modified":"2025-11-05T09:20:34","modified_gmt":"2025-11-05T08:20:34","slug":"virtuoser-chronist-seiner-zeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/?p=1486","title":{"rendered":"Virtuoser Chronist seiner Zeit"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.kreis-warendorf.info\/wordpress\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/Gustav-Sack-Ausstellung-20102.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1494\" title=\"Gustav Sack Ausstellung 2010\" src=\"http:\/\/www.kreis-warendorf.info\/wordpress\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/Gustav-Sack-Ausstellung-20102-300x199.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/Gustav-Sack-Ausstellung-20102-300x199.jpg 300w, https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/Gustav-Sack-Ausstellung-20102.jpg 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Vor 127 Jahren, am 28. Oktober 1885, in Schermbeck geboren: Gustav Sack. <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Expressionist, Einzelg\u00e4nger, Fr\u00fchverstorbener. <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit diesen Schlagworten ist nur eine Ann\u00e4herung m\u00f6glich. Doch sie signalisieren bereits: Sack ist als Schriftsteller h\u00e4ufig nur am Rande beachtet worden; prominente F\u00fcrsprecher f\u00fcr seine Prosa gab es jedoch durchaus, u.a. Erich Maria Remarque, Thomas Mann und Theodor W. Adorno. Damit ist \u00fcber Sacks Werk zwar noch kaum N\u00e4heres benannt, aber es zeigt eine mehr als blo\u00df zeitweilige Wertsch\u00e4tzung an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2010 wurde im <em>Museum f\u00fcr Westf\u00e4lische Literatur<\/em> der Versuch unternommen, Gustav Sack mit Werk und Leben (und allen darin enthaltenen Spannungen und Widerspr\u00fcchen) als einen zwar weitgehend vergessenen, aber nichtsdestotrotz spannenden Autor zu pr\u00e4sentieren. Seine kritischen Zeitdiagnosen der turbulenten Jahre vor und w\u00e4hrend des Ersten Weltkriegs, sein Hang zum Romantischen und Mythischen, der immer wieder von einem radikalen Skeptizismus gegen\u00fcber einer allzu direkten intellektuellen Zeitgenossenschaft aufgefangen wurde \u2013 all das spielt in den drei gro\u00dfen Romanen (der letzte blieb Fragment), auch in der Lyrik Sacks und seinen sp\u00e4ten Kriegsnovellen zusammen.<!--more--><a href=\"http:\/\/www.kreis-warendorf.info\/wordpress\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/Blick-in-die-Ausstellung.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1488\" title=\"Blick in die Ausstellung\" src=\"http:\/\/www.kreis-warendorf.info\/wordpress\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/Blick-in-die-Ausstellung-300x199.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/Blick-in-die-Ausstellung-300x199.jpg 300w, https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/Blick-in-die-Ausstellung.jpg 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Der postume publizistische Erfolg seines Romandeb\u00fcts <em>Ein verbummelter Student <\/em>ist wohl eindeutiges Indiz daf\u00fcr, dass Gustav Sacks hochpeitschende Sprache, die k\u00fchne, enttabui- sierte Figurenzeichnung sowie die im produktiven Sinne dilettantische Deregulierung konformer Erz\u00e4hlweisen die Fragen und Krisen der Zeit seismographisch erfasst hatten. Die nicht geringe Dosis an Leidenschaft, Erotik, Rausch und Todesn\u00e4he wird sicherlich auch zur Beliebtheit des Romans beigetragen haben\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie lie\u00dfe sich Gustav Sack noch besser charakterisieren? In seinem Tagebuch findet sich folgende, durchaus mit Selbstironie verfasste Selbstbeschreibung:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 30px;\">Ich bin nun 25 Jahre, meine Beine haben eine kleine Neigung, ein O zu bilden, Bauch ist zu stark gew\u00f6lbt, die H\u00e4nde zu gro\u00df, insbesondere der Ballen zu stark, der Hals zu d\u00fcnn, zwar nicht d\u00fcnner als bei andern, eher st\u00e4rker, aber durch unsere verfluchte Kragenmode eingeengt, das Kinn zu klein, die Ohren viel zu lang, das rechte gut, da auf der Mensur die Spitze fl\u00f6ten ging, die Nase zu klein, Augen zu klein und zu tiefliegend, dadurch Backenknochen zu vorstehend, zu viel Schmisse, Stirn gut, Haar etwas besser als gew\u00f6hnlich, Neigung zur Schorfbildung. Kleine Zehe zu klein, Z\u00e4hne leidlich, nur zu tabakgelb. Fingern\u00e4gel ertr\u00e4glich, nur der am rechten Daumen nicht, da er der vierte ist. Gang zu hastig, Wesen linkisch \u2013 doch nicht immer. Mund gut, m\u00fc\u00dfte viel mehr gek\u00fc\u00dft werden. Phantasie verr\u00fcckt und nicht wenig eitel, Intellekt unruhig, zuweilen scharf, ohne jede Ausdauer, Willen \u00fcberhaupt nicht vorhanden. Mut aber da, wenigstens, wenn es andere oder ich sehen, Geist zu beeinflussen, besonders durch Freundlichkeit, leicht gekr\u00e4nkt, im h\u00f6chsten Grade mi\u00dftrauisch, hier im Dorf beneidet \u2013 worum? \u2013, drau\u00dfen meistens beliebt, weil gut zu brauchen am Biertisch \u2013 Stimmung meistens verteufelt. Liebhaber von Geld, Wein, M\u00e4dchen, Tabak, S\u00e4beln und Pistolen, Kaltem Braten, Starkem Kaffee, \u00c4pfeln und Waln\u00fcssen, Reisen, Baden, Scharteken, wie selbstgemachte Pfeifenk\u00f6pfen, Aschenbechern etc., Versteinerungen, Planzen und Blumen, B\u00fcchern weniger, Musik und M\u00e4dchen und Wein und Geld, Geld, Geld, um es mit vollen H\u00e4nden zu zerstreuen, K\u00fcsse und Wein und lustige Freunde mir einzutauschen, lustig zu leben und lustig zu sterben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Zur Ausstellung \u201eGustav Sack \u2013 Ein verbummelter Student\u201c erschien 2010 ein materialreich aufgemachter <a href=\"http:\/\/www.aisthesis.de\/titel\/9783895288166.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ausstellungskatalog<\/a>; 2011 folgte die Herausgabe seiner<a href=\"http:\/\/www.aisthesis.de\/titel\/9783895288562.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> Gesammelten Werke<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Arnold Maxwill<\/p>\n<div id=\"facebook_like\"><iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=https%3A%2F%2Fwww.hausblog-nottbeck.de%2F%3Fp%3D1486&amp;layout=standard&amp;show_faces=true&amp;width=500&amp;action=like&amp;font=segoe+ui&amp;colorscheme=light&amp;height=60\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:500px; height:60px;\" allowTransparency=\"true\"><\/iframe><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor 127 Jahren, am 28. 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