{"id":1441,"date":"2012-10-10T15:09:30","date_gmt":"2012-10-10T14:09:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/?p=1441"},"modified":"2012-10-10T15:29:00","modified_gmt":"2012-10-10T14:29:00","slug":"weg-von-hier-auf-und-davon","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/?p=1441","title":{"rendered":"Weg von hier, auf und davon"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.kreis-warendorf.info\/wordpress\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/Kasnitz-Wodka-und-Oliven.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1442\" title=\"Kasnitz - Wodka und Oliven\" src=\"http:\/\/www.kreis-warendorf.info\/wordpress\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/Kasnitz-Wodka-und-Oliven-188x300.jpg\" alt=\"\" width=\"188\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/Kasnitz-Wodka-und-Oliven-188x300.jpg 188w, https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/Kasnitz-Wodka-und-Oliven.jpg 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 188px) 100vw, 188px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Adrian Kasnitz kennt man vor allem als Lyriker. Nun legt er mit <em>Wodka und Oliven<\/em> seinen ersten Roman vor. Er spielt in Berlin, das der etwas heruntergekommene Flaneur Moritz ziellos durchstreift. Seine Gedanken umkreisen immer wieder alte Erinnerungen, vor allem die um ein altes, abbruchreifes Haus in der westf\u00e4lischen Provinz, das Haus seiner Kindheit. Pr\u00e4zise Beobachtungen, Momente des Intimen und Lakonischen, eine \u00fcber allem schwebende melancholische Verlorenheit \u2013 all das hat der Lyriker Kasnitz in diesen ambitionierten, mit raffinierter Montagetechnik operierenden, nach- denklichen, sp\u00e4tjugendlich bewegten Erinne- rungsroman her\u00fcbergerettet. <em>Wodka und Oliven<\/em> ist zugleich ein Roman \u00fcber die latente Pr\u00e4senz der Provinz, die der Protagonist abstreifen m\u00f6chte und doch nicht kann. Er wei\u00df nur: \u201eIch musste da weg.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 30px;\">Als er bei der n\u00e4chsten Stra\u00dfenecke angelangt war, war da dieses M\u00e4dchen, diese junge Frau, die ihm entgegenkam. Er war sich gar nicht sicher, ob sie wirklich auf diesem B\u00fcrgersteig als B\u00fcrgerin ging oder nur dort stand und sich umwandte. <!--more-->Vielleicht gab es einen Grund, warum sie das h\u00e4tte tun sollen, aber er fiel ihm nicht ein. Ein Hupen von den vorbeirasenden Wagen? Ein Rufen von irgendwoher? Ein Lichtreflex irgendeines aufgekippten Fensters? Ein vermeintliches Wiedererkennen eines davoneilenden Passanten? Jedenfalls wurde bei ihrer Bewegung ihr Hals deutlich sichtbar. Die Stelle unter dem Kinn, die sonst im Schatten verborgen lag. Dort, er war sich jetzt sicher, war diesmal kein Schatten, sondern ein Muttermal, ein besonderes Muttermal, das nur selten von irgendjemandem entdeckt wurde. Vielleicht hielt die Frau es absichtlich versteckt? Vielleicht lie\u00df es sich gar nicht so gut verstecken und all das Verstecken-Tun war nur eine Antwort auf die vielen Blicke, die dieses Mal, es war ein Mal in Herz-, ja gar Herzchenform, auf sich zog. Und manche hielten es sicherlich f\u00fcr dahin t\u00e4towiert<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 30px;\">Als er dieses Mal erblickt hatte, machte er sofort kehrt und ging der Frau nach. Sie ging in die Richtung, aus der er gekommen war, nur schien es so, als habe sie kein besonderes Ziel, so wie er vorher eins gehabt hatte, sondern ginge nur einfach so, lockeren Fu\u00dfes, schlenderte vielleicht, bummelte sogar, hielt sich unn\u00f6tig lange bei irgendwelchen Fensterscheiben auf, betrachtete die Auslagen, ohne wirklich stehen zu bleiben. Aber ein rechtes Gehen war dies nicht, und ihm fiel schwer, ihr nachzutun, ihr unauff\u00e4llig, aber in eben diesem besonderen Tempo zu folgen. Dann, an einer n\u00e4chsten Ecke, wo sich ein B\u00e4ckereiladen befand, der eine ge\u00f6ffnete Auslage zur Hauptstra\u00dfenseite hin hatte, um die eilig vorbeigehenden Passanten zu bedienen, machte sie Halt und stellte sich ans Ende der bereits Wartenden. Wenige Augenblicke sp\u00e4ter stellte auch er sich hinter sie. Er betrachtete den Nacken, der keinen R\u00fcckschluss auf das jetzt verborgene Mal unter dem Kinn zulie\u00df, und schnupperte vorsichtig, um den Geruch der Frau, des Shampoos oder des Deos aufzufangen. In der Tat roch er etwas S\u00fc\u00dfliches, aber es war viel zu unbestimmt zwischen den gew\u00f6hnlichen B\u00fcrgersteigsger\u00fcchen und der scharfen Note der sich in der H\u00e4userschlucht der Hauptstra\u00dfe ansammelnden Abgase. Vielleicht war es auch nur ein mildes, fr\u00fchlingshaftes Parf\u00fcm, das sich an dieser Stra\u00dfenecke einfach verlor.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Adrian Kasnitz wurde 1974 in Queetz geboren. Er wuchs in Queetz, Unna und L\u00fcdenscheid auf. Kasnitz studierte Geschichte, Germanistik, Osteurop\u00e4ischen Geschichte und Romanistik in K\u00f6ln und Prag. Er ist seit 2002 wissenschaftlicher Mitarbeiter am K\u00f6lner Kulturwissenschaftlichen Forschungskolleg \u201eMedien und kulturelle Kommunikation\u201c und arbeitet unter anderem zu den Themen Provinz, Reiseliteratur und Heimat. Mit Nika Bertram, Enno Stahl und Stan Lafleur organisiert er eine Leseb\u00fchne in K\u00f6ln und gibt gemeinsam mit Wassiliki Knithaki die K\u00f6lner Edition \u201eparasitenpresse\u201c heraus. 2000 publizierte Kasnitz seinen ersten Lyrikband <em>Lippenbekenntnisse<\/em> und ver\u00f6ffentlichte seine mehrfach ausgezeichneten Gedichte in verschiedenen Literatur- und Lyrikzeitschriften sowie in Anthologien. Adrian Kasnitz hat zwei Kinder und lebt in K\u00f6ln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Walter G\u00f6dden<\/p>\n<div id=\"facebook_like\"><iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=https%3A%2F%2Fwww.hausblog-nottbeck.de%2F%3Fp%3D1441&amp;layout=standard&amp;show_faces=true&amp;width=500&amp;action=like&amp;font=segoe+ui&amp;colorscheme=light&amp;height=60\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:500px; height:60px;\" allowTransparency=\"true\"><\/iframe><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Adrian Kasnitz kennt man vor allem als Lyriker. Nun legt er mit Wodka und Oliven seinen ersten Roman vor. Er spielt in Berlin, das der etwas heruntergekommene Flaneur Moritz ziellos durchstreift. Seine Gedanken umkreisen immer wieder alte Erinnerungen, vor allem die um ein altes, abbruchreifes Haus in der westf\u00e4lischen Provinz, das Haus seiner Kindheit. 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