{"id":1169,"date":"2012-09-05T08:27:06","date_gmt":"2012-09-05T07:27:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/?p=1169"},"modified":"2025-11-05T09:07:52","modified_gmt":"2025-11-05T08:07:52","slug":"40-jahre-doppelleben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/?p=1169","title":{"rendered":"40 Jahre Doppelleben"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>SJ Schmidts Erinnerungen an seine zwei Biografien. Da ist viel zu erz\u00e4hlen\u2026<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Fr\u00fchjahr 2013 wird Siegfried Johannes Schmidt (gel\u00e4ufiger: SJ Schmidt) in Nottbeck im Rahmen einer kleinen Aus- stellung sein neues Buch pr\u00e4sentieren \u2013 wieder ein K\u00fcnst- lerbuch, wieder erschienen im Bielefelder Aisthesis-Verlag und wieder in Kooperation mit der Bielefelder Galerie Jesse. Zuvor aber gilt es Schmidts neuestes Opus zu annoncieren: <em>Lehren der Kontingenz. Eine Erinnerung an 40 Jahre Doppelleben<\/em>, just erschienen im M\u00fcnsterer Lit-Verlag. Die Ver\u00f6ffentlichung dokumentiert SJ Schmidts Abtritts-(statt Abschieds-)Vorlesung im Wintersemester 2005\/2006 an der Universit\u00e4t M\u00fcnster. Sie ist eigentlich eine verkappte Autobiografie. Eine Lebensrevision in 14 Lektionen im Spiegel von Wissenschaft und Kunst. Auf beiden Gebieten war der renommierte Literatur-, Medien- und Kommunikationswissenschaftler mit Hang zum Querdenkerischen und Experimentellen gleicherma\u00dfen erfolgreich. Parallel zur eigenen (wissenschaftlichen) Identit\u00e4tsfindung l\u00e4sst Schmidt die ma\u00dfgeblichen Stationen der BRD-Wissenschafts- und Kulturgeschichte Revue passieren. Er erz\u00e4hlt aber auch \u2013 entspannt und augenzwinkernd \u2013 \u00fcber Privates, selbst Anekdotisches. Beispielsweise, dass er Mitglieder einer Jazz-Combo war. Wie infiziert er von den fr\u00fchen Schriften der \u201eBeat Generation\u201c gewesen sei (Kerouac, Ginsberg). Undundund. Man h\u00f6rt gern zu. Und konzediert staunend, dass Schmidt hier \u2013 innovativ wie immer \u2013 eine neue Form der Biografieschreibung kreiert hat.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Rahmen des Projekts <strong><a title=\"Video-Portal\" href=\"http:\/\/www.literaturportal-westfalen.de\/main.php?id=00000202&amp;article_id=00000699\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eIch schreibe, weil\u2026\u201c<\/a> <\/strong>hatte SJ Schmidt ebenfalls Einblicke in seine Schreibwerkst\u00e4tten als Wissenschaftler und Literat gew\u00e4hrt:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Sie sind vor gut f\u00fcnf Jahren aus dem Universit\u00e4tsbetrieb ausgeschieden, sind aber weiterhin im Wissenschaftsbetrieb und im Literarischen aktiv. Sind Sie ein Workaholic?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich w\u00fcrde sagen: Es gibt da eine starke Tendenz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Hat sich nach Ihrer Emeritierung an diesem Verh\u00e4ltnis etwas ge\u00e4ndert? Nimmt die literarische Besch\u00e4ftigung heute mehr Raum ein?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich glaube, es hat sich insofern ge\u00e4ndert, als ich es mir jetzt erlauben kann, bei literarischen Arbeiten ohne gr\u00f6\u00dfere Unterbrechungen dranzubleiben. Das war fr\u00fcher einfach wegen der beruflichen Verpflichtungen nicht m\u00f6glich. Also arbeite ich entspannter und l\u00e4nger entweder im Wissenschaftlichen oder am Literarischen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Wenn Sie Pr\u00e4ferenzen setzen m\u00fcssten: L\u00e4gen diese auf wissenschaftlichem oder auch k\u00fcnstlerischem Gebiet?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist f\u00fcr mich keine Alternative.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>W\u00fcrden Sie zustimmen: Wissenschaftliches Schreiben = Arbeit, Literarisches Schreiben = Spa\u00df?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beides ist Arbeit, und manchmal ist die Literatur sogar h\u00e4rtere Arbeit. Weil es sehr schwierig ist, Dinge, die man spontan sagen m\u00f6chte, nach dem f\u00fcnften Pr\u00fcfen zu verwerfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><a href=\"http:\/\/www.kreis-warendorf.info\/wordpress\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/SJ-Schmidt-im-Interview1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1179\" title=\"SJ Schmidt im Interview\" src=\"http:\/\/www.kreis-warendorf.info\/wordpress\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/SJ-Schmidt-im-Interview1-300x167.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"167\" srcset=\"https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/SJ-Schmidt-im-Interview1-300x167.jpg 300w, https:\/\/www.hausblog-nottbeck.de\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/SJ-Schmidt-im-Interview1.jpg 700w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Zu Ihrem 65. Geburtstag erschien Ihnen zu Ehren eine Internetfestschrift. Diese zeigt die gro\u00dfe Wertsch\u00e4tzung Ihrer Person und Arbeit. Sind Sie Teil einer K\u00fcnstlercommunity?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich war lange in gutem Kontakt mit K\u00fcnstlern. Zun\u00e4chst vor allem mit experimentellen K\u00fcnstlern, dann im Rahmen des Bielefelder Kolloquiums \u201eNeue Poesie\u201c, was ich mitbegr\u00fcndet und -geleitet habe, im Kontakt eigentlich mit allen Varianten von moderner Literatur. Das hat mit dem Ende des Bielefelder Kolloquiums naturgem\u00e4\u00df etwas nachgelassen, aber es gibt noch immer eine Reihe von Autoren, mit denen ich regelm\u00e4\u00dfig im Kontakt bin.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Das Bielefelder Kolloquium \u201eNeue Poesie\u201c erscheint aus der R\u00fcckschau wie ein Mythos. Wie ist Ihre Einsch\u00e4tzung? <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn man es schafft, f\u00fcr Lesungen experimenteller Literatur fast ebenso viel Publikum zusammenzukriegen wie f\u00fcr ein Spiel von Arminia Bielefeld, dann ist die Bezeichnung Mythos gerechtfertigt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Wie w\u00fcrden Sie heutigen Lesern das Charakteristische dieser Treffen beschreiben? Und machen solche Treffen heute noch oder wieder Sinn?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bleiben wir beim ersten Teil der Frage. Das Charakteristische war, dass sehr unterschiedliche Charaktere in seltener Einm\u00fctigkeit miteinander diskutiert haben, sich Texte vorgelesen haben und dergleichen. Die Einm\u00fctigkeit war nicht zuletzt deshalb gegeben, weil wir klugerweise die Presse und den H\u00f6rfunk ausgeschlossen haben. Denn als die noch dabei waren, konnte man deutlich sehen, dass einige Kolleginnen und Kollegen f\u00fcr die Kamera geschrieben und gearbeitet haben. In dem Moment, wo die Treffen intern wurden, war die Atmosph\u00e4re sehr viel offener. Nat\u00fcrlich gab es (ich will mal sagen:) Gruppierungen. Die \u00f6sterreichischen Autoren bildeten schon einen ziemlichen Block, rein zahlenm\u00e4\u00dfig und dann auch von den \u00e4u\u00dferst intensiven Kontakten, die in einem kleinen Land wie \u00d6sterreich m\u00f6glich sind. Das war bei den deutschen Autoren lange nicht so intensiv. Und dazu kamen ja Autoren aus der Tschechoslowakei, aus Frankreich, aus den USA, aus Gro\u00dfbritannien, aus Italien. (&#8230;) F\u00fcr die Zeit des Bielefelder Kolloquiums war dieses Kolloquium glaube ich \u00e4u\u00dferst wichtig, vor allem was die Au\u00dfendarstellung experimenteller Literatur anging. Sie m\u00fcssen sich vorstellen, das war in den sechziger Jahren eine Schreib- und Druckmaschinenliteratur, kein Verlag interessierte sich daf\u00fcr. In dem Augenblick, als die Autoren \u00fcber das Bielefelder Kolloquium bekannt wurden, wuchs eben auch das Interesse bei gro\u00dfen Verlagen. (&#8230;). Und ein dritter Punkt, der mir immer sehr wichtig vorkam: F\u00fcr die j\u00fcngeren Autoren, die wir eingeladen haben, war das entweder eine Startm\u00f6glichkeit oder eine Niederlage, die nur schwer zu verdauen war. Wer in Bielefeld durchgefallen war \u2013 nicht beim Publikum, sondern bei den Kolleginnen und Kollegen \u2013 hatte keinen ganz so leichten Stand mehr. Wer in Bielefeld re\u00fcssiert hatte und dann regelm\u00e4\u00dfig eingeladen wurde, war sozusagen durch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Sie haben sich einmal als neugierigen Menschen beschrieben. Was weckt Ihre Neugierde? Ist es vorrangig die bildende Kunst, Musik oder sind es andere Kulturen oder ist es der Alltag? <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch hier muss ich sagen: Alles zusammen. Es gibt im Alltag immer noch Dinge, die einen neugierig machen k\u00f6nnen, auch in der Wissenschaft, in der Kultur, in den Medien&#8230; Ich will mal sagen: Immer dann, wenn die Routine unterbrochen wird, dann kann man anfangen, neugierig zu werden. Ob es sich immer lohnt, ist eine andere Sache. Aber das ist die Vorbedingung. Und da sehe ich eigentlich nicht die Gefahr der Mediengesellschaft und die Langweiligkeit der Mediengesellschaft, dass die Routinen einfach \u00fcberhand nehmen k\u00f6nnten. In allen Bereichen. Und deswegen f\u00e4llt jede kleinste Routineunterbrechung auf. Ein kleines Beispiel: Gestern Abend war ein Film im Fernsehen, wo die Personen ganz selten gesprochen haben und der ganze Film von einer Stimme aus dem Off kommentiert wurde. Das ist eine Art der Inszenierung, die v\u00f6llig aus der Mode gekommen ist. Die ist bei den Courths-Mahler-Filmen glaube ich zum ersten Mal verwendet worden. Und die war jetzt bei einem nicht-kitschigen Film so auff\u00e4llig, dass ich mir den Film wirklich ganz angeguckt habe, obwohl ich sonst kein besonders gro\u00dfer Film- und Kinofreund bin.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Walter G\u00f6dden<\/p>\n<div id=\"facebook_like\"><iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=https%3A%2F%2Fwww.hausblog-nottbeck.de%2F%3Fp%3D1169&amp;layout=standard&amp;show_faces=true&amp;width=500&amp;action=like&amp;font=segoe+ui&amp;colorscheme=light&amp;height=60\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:500px; height:60px;\" allowTransparency=\"true\"><\/iframe><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>SJ Schmidts Erinnerungen an seine zwei Biografien. 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