Journal

Sich einrichten | Unentschlossenheit

Man beobachtet sich jetzt ganz anders, ist das denn eigentlich „Arbeit“, was heißt das für uns Kulturkommissionssonderkaninchen überhaupt, wenn der legitimierende Rahmen eines physischen Büroraums wegfällt, in dessen Nimbus man keine mentale Extraleistung vollbringen muss, so eine Art geistiges Arbeitszimmer heraufzubeschwören und aufrechtzuerhalten. Daher vielleicht auch das gesteigerte Bedürfnis nach Textproduktion, etwas nach außen Sichtbares herstellen zu wollen, auch wenn uns sonst im Normalbetrieb von außen wohl die Wenigsten wahrnehmen.

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Bücher, Ins Regal gegriffen

Georg Veit – Zeit der Krammetsvögel

Unter Ins Regal gegriffen stellen wir ein paar Schätze aus den Tiefen der LiKo-Bibliothek vor – Leseempfehlungen, die nicht unbebedingt Neuerscheinungen sein müssen, sondern oft schon etwas tiefer ins Regal gerutscht sind…

Die Wacholderdrossel – schwarmweise gefangen, im Ganzen gegessen, ihr Fleisch schmeckt nach den Wacholderbeeren, die sie frisst – ist ein Vogel, den sich auch die Ärmsten als Zubrot fangen können.

Und so sitzt auch die westfälische Landbevölkerung 1634, verhungert und durchnässt im schlammtriefenden Coesfeld unter hessischer Besatzung, vor den Toren rückt ein Schwedenregiment an: hier ist jeder dem anderen ein Krammetsvogel[1], sei er noch so arm, ist er trotzdem noch fressbar. Unter den Leuten herrscht das Prinzip dog-eat-dog. Eine ganze Generation ist bereits im Kriegszustand aufgewachsen, Kämmerer Witfelt und Magister Gweitner werden Zeugen, wie eine Horde Kinder Vögel mit Leim fängt und trotz Hungers aus reiner Grausamkeit tötet – nur die titelgebende Wacholderdrossel, der schmackhafteste Bissen, entkommt durch Zufall und wird von Gweitner geborgen.

Kann ein Mensch widerstehen, den anderen auszunutzen, zu übervorteilen, zu missbrauchen?

Zeit der Krammetsvögel (1997 bei Waxmann erschienen) vermittelt einen sehr plastischen Eindruck der Epoche. Im ewigen Nieselregen begleitet man eine kleine Gruppe auf ihrem Tagesmarsch von Coesfeld zu einem nahegelegenen Schulzenhof, dabei erlaubt das Buch kaum, den Blick von den rein alltäglichen Unannehmlichkeiten und zwischenmenschlichen Grausamkeiten abzuwenden. Sprachlich präsentiert sich der Roman oft blumig-verschraubt, interessanterweise tut das seiner Eindringlichkeit keinen Abbruch, ebenso die eingestreute wörtliche Rede in Münsterländer Platt.

Eine Lektüre, die man am Ende vielleicht zur Seite legt und sich freut, dass draußen die Sonne scheint und es bei aller Ausgangsbeschränkung doch sehr zivilisiert zugeht.

 

Georg Veit, Jahrgang 1956, lebt in Coesfeld und hat 2018 den Vorsitz der Droste-Gesellschaft übernommen. Er ist vor allem für seine Münsterland-Krimis bekannt, sein jüngster Roman Schwedings Handhabung der Wolken ist 2017 bei Elsinor erschienen (und hier im Auszug zu hören).

Georg Veit im Lexikon Westfälischer Autorinnen und Autoren

 

[1] auch spannend: Christof Spannhoff u.a. zur Wortherkunft von Krammetsvogel

 

Abbildung unter Verwendung dieser Fotografie – übrigens gibt es auf europeana.eu auch Soundsamples der Wacholderdrossel aus dem Tierstimmenarchiv des Naturkundemuseums Berlin

Journal

Wieso Klopapier | Fatalismus

Vielleicht derselbe Grund, warum ich gerade vorsichtshalber zehn nicht-arbeitsrelevante Bücher nachhause[1] schleife – also nicht genau derselbe Klopapiergrund, Fatalismus eben. Halten mich bestimmt alle für Preppa Wutz, mit meinen Beuteln. Vor Kulti-Kebab stehen vier Leute plus geschultertes Kleinkind, und das auch nur vor dem Fenster. In der Tür klemmt ein Stuhl, an der Stelle wo sonst eine Schlange bis dahin steht wo sonst die zugehörigen Fahrräder sich türmen, sonst auch mehr als zehn davon. Ein einzelner Mensch isst bei Gustav Grün, bei ARO – all caps, eigentlich mit Akzent, außerdem all bowls, das wie schräg gegenüber beim anderen Bowlladen, der jedoch mit konsequenter kleinschreibung – isst einer und bestellt eine. Eine Frau fragt, ob hier noch irgendwo ein Laden offen hat, also Essen, beeilt sie sich hinzuzufügen. Hatte schon dm auf der Zunge, verweise sie an den Anfang der Straße, sie versehentlich duzend. Frauen auf Fahrädern über der Kreuzung, und wer bezahlt ihnen die fünf Wochen Psychotherapie, die man hinterher brauche?
Ein Sticker sagt mir, vernetzt aber sicher – stimmt, so wollen wir das.

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[1] musste, ja, peinlich, bei Duden nachschlagen: meistgesucht Klopapier Pasta Pesto Reis – why? ich meine klar, fühle mich kosmisch in meinem Titel bestätigt, jedoch wie fragwürdig kann Schreibweise von „Reis“ sein? Ryce, Rais, ein Birkenreis, das ich auf meinem einsamen Feldspaziergang pflücke, während ich mich alle zwei Meter vor den vielen Mitspazierenden provisorisch abwende? Exkurs Ende.

Allgemein, Medien

Großes Kino auf Nottbeck

Mit Das letzte Land wurde am Samstag im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Aliens Welcome!“ ein Hollywood-würdiges Stück Science-Fiction Geschichte geschrieben.

Zwei Männer in einem Raumschiff: was sich zunächst nach dem Beginn eines Witzes anhört, ist tatsächlich die Grundausstattung des am Samstag auf Nottbeck vorgestellten Science-Fiction Films Das letzte Land. Insgesamt 5 Mitglieder des Filmteams waren zu Gast (Marcel Barion, Philipp Bojahr, Johannes Bade, Carolin Utsch und Torben Föllmer); die Zuschauer wurden von Susanne Schöneich von der Literaturkommission für Westfalen durch den Abend geleitet, die auch das anschließende Q&A mit der Filmcrew übernahm.

Das durch Crowdfunding finanzierte Projekt Das letzte Land ist eine Zwei-Mann-Performance auf engstem Raum, welche nicht etwa durch modernste Computeranimation oder atemberaubende Effekte glänzt, sondern durch die schauspielerische Leistung der beiden Protagonisten und die dazu gekonnt eingesetzte Montage und Musikuntermalung der einzelnen Szenen. Weiterlesen…

Autor*innen, Lesungen

Vom Menschenexperiment zum Bühnenexperiment

August Zirner und das Spardosen-Terzett setzen Mary Shelleys „Frankenstein“ zum 200-jährigen Jubiläum neu in Szene

Im düsteren Sommer des Jahres 1816 mit seinen endlosen Regenfällen und schauderhaften Gewittern lädt der namhafte britische Dichter Lord Byron zu einer geschichtsträchtigen Zusammenkunft in der Villa Diodati an den Ufern des Genfersees. Unter den Gästen befinden sich Byrons Leibarzt John William Polidori, die prominenten Literaten Gregory Lewin und Percy Bysshe Shelley sowie dessen zukünftige Ehefrau, die angehende Schriftstellerin Mary Godwin, später weltbekannt als Mary Shelley. Angeregt durch gotische Gespensterlegenden und den seinerzeit nicht unüblichen Gebrauch von Laudanum, verabreden die Anwesenden einen literarischen Wettstreit im Schreiben von Schauergeschichten. Während Polidori mit „Der Vampyr“ (1816) eine Erzählung entwirft, die Bram Stoker die Vorlage für seinen Bestseller „Dracula“ (1897) liefern wird, legt Mary Shelley den Grundstein für ihren Sensationserfolg „Frankenstein oder Der moderne Prometheus“, der im Jahr 1818 anonym erscheint.

Der Debütroman der damals erst 21 Jahre alten britischen Schriftstellerin erzählt die Geschichte des jungen, ambitionierten Schweizer Medizinstudenten Victor Frankenstein, der in seinem hochmütigen Versuch, gottgleich in die Schöpfung einzugreifen, einen künstlichen Menschen erschafft. Nachdem sein aus entwendeten Leichenteilen zusammengesetztes Geschöpf unter konvulsiven Bewegungen erwacht ist, ergreift er jedoch voller Entsetzen über den Anblick der erschaffenen Kreatur die Flucht. In seiner Verlassenheit begibt sich das Monster auf eine vergebliche Suche nach Nähe und Akzeptanz, die ihn auf einen Pfad des Mordes und der Zerstörung führt, dem letztlich auch sein Erschaffer zum Opfer fällt. Weiterlesen…

Allgemein

text&talk: Edition Virgines

20 Jahre Edition Virgines: Seit der Gründung durch Georg Aehling 1999, editiert der Verlag aus Düsseldorf individuelle, von bildenden Künstlern gestaltete Bücher. Benannt wurde die Edition nach der Legende von den 11.000 Jungfrauen, die Krieg und Gewalt mit Kultur überwanden. Mehr im Portrait:

Das Verlagsprogramm der Edition Virgines definiert sich vor allem durch die Aufstellung in insgesamt zwölf Sparten. Unter der Rubrik Literatur erscheint in loser Folge belletristisches Programm, darunter Romane wie „Landstraße“ von Niklas Stiller, Erzählungen, Kinderbücher, Lyrikbände und die Literaturzeitung „schliff“. Diese versteht sich als ein eigenständiges Publikationsorgan, in dem Nachwuchsschriftsteller*innen und angehende Literaturwissenschaftler*innen in unmittelbarem Austausch mit renommierten Autor*innen und etablierten Forscher*innen stehen. Daneben erscheint in der Sparte Literatur die gleichnamige Reihe „Literatur“ sowie die Lyrik-Reihe „Forum Neue Lyrik“, in der aktuell der Gedichtband „noch dunkel schon hell. Gedichte.“ erschienen ist.

Seit dem Jahr 2006 gibt das Literaturbüro NRW die Reihen „Museumsschreiber NRW“ und „Museumsschreiber Düsseldorf“ heraus. Die Bände beinhalten eine aufwendige Bildgestaltung und umfassen literarische Texte renommierter Autor*innen, die um die Sammlung eines Düsseldorfer Museums kreisen. Die Bände werden durch Lesungen in den einzelnen Museen präsentiert und geben in mittlerweile zwölf Bänden einen Einblick in die umliegende Museumslandschaft.

In der Reihe „Ehrenworte“ wird das Lebenswerk von Autor*innen aus Düsseldorf geehrt. Zum runden Geburtstag fast das Literaturbüro NRW eine Werkauswahl des jeweiligen Autors oder der jeweiligen Autorin in einem Band zusammen und stellt diesen im Rahmen einer Lesung im Heinrich-Heine-Institut vor.

Die Reihe „Kunst und Theater“ gibt Aufschluss über aktuelle Theaterproduktionen und umfasst hochwertige Bildbände zum Thema. In „Kunst und Kultur Porträts“ von Eva-Maria Riedel finden sich aufwendige Bild- und Textportraits von 52 Künstler*innen aus den Bereichen Bildende Kunst, Tanz, Theater und Musik. Ein Zusammenspiel von hochwertiger Bebilderung und gehaltvollem Textgenuss findet sich auch in einigen Bänden der Sparte „Philosophie und Politik“.

Mit Unterstützung der Nyland-Stiftung gibt das Literaturbüro NRW die Reihe „Lyrik-Edition Rheinland“ heraus und präsentiert dort mehrmals jährlich Autor*innen aus dem Rheinland. Mit Unterstützung des Nederlands Nletterenfonds dutch foundation for literature erscheinen darüber hinaus jährlich zwei Monografien niederländischer Lyrik in der Reihe „Lyrik-Edition Niederlande“, die bereits im Deutschlandfunk und auf der Leipziger Buchmesse vorgestellt wurde.

Mit „Nylands kleine Rheinische Bibliothek“ besteht eine weitere Reihe im Verlagsprogramm, die sich in kommentierten Lesebänden jeweils einem rheinischen Autor bzw. einer rheinischen Autorin widmet. Die Bücher erscheinen – unter tatkräftiger Mithilfe des Rheinischen Literaturarchivs –  im Heinrich-Heine-Institut, das mit seinen Nachlässen und Sammlungen eine Materialgrundlage für die Erarbeitung dieser Bände liefert. Sie werden von ausgewiesenen Kennern der rheinischen Literaturszene, aber auch Nachwuchswissenschaftlern erarbeitet. Aktuell ist der 16. Band zu Schriftsteller und Lyriker Hans Bender erschienen.

Eine Besonderheit der Edition ist neben den renommierten Reihen der enge Bezug zur Region, der nicht nur durch die gute Zusammenarbeit mit lokalen und regionalen Partnern (Literaturbüro NRW, Heinrich-Heine-Institut, Düsseldorfer Museen etc.) gefestigt wird, sondern sich auch durch die Beheimatung vieler Autor*innen in NRW manifestiert.

Allgemein

text&talk: Der Satyr Verlag

Bei der diesjährigen text&talk freuen wir uns sehr auf den Satyr Verlag aus Berlin, der als unser exklusiver Gastverlag mit einem Stand im Messezelt vertreten sein wird. Darüber hinaus dürfen wir uns innerhalb des Messeprogramms auf eine Lesung mit Verlagsleiter Volker Surmann freuen, der dort Auszüge aktueller Veröffentlichungen des Verlags präsentieren wird. Übrigens: Heute Abend gibt es im Rahmen unserer Auftaktveranstaltung bereits die Chance ihn zusammen mit Fritz Eckenga und Jörg Thadeusz auf der Bühne zu erleben. Mehr zum Verlag im heutigen Portrait: 

 

Der Berliner Independent-Verlag, welcher Romane, Geschichtensammlungen und Spoken-Word-Lyrik mit meist humoristisch-satirischem Ansatz publiziert, wurde 2005 vom bundesweit agierenden Kleinkunstnetzwerk „BlueFun“ von Peter Maassen gegründet, bevor er 2011 von Volker Surmann übernommen wurde und seitdem als eigenständiges Unternehmen fortbesteht.

Satyr hat einen festen Platz in der Lesebühnen- und Poetry-Slam-Szene und verlegt vor allem thematisch geschlossene Anthologien, die mit Texten namhafter Lesebühnen-, Slam- und Satireautor*innen wie zum Beispiel Marc-Uwe Kling oder Fritz Eckenga geschmückt sind. In diesem Rahmen findet man den Verlag am Rande zahlreicher Slam-Veranstaltungen und Lesebühnen, wie zum Beispiel auf den Deutschsprachigen Meisterschaften im Poetry-Slam, die in diesem Jahr in der Verlagsheimat Berlin stattfinden.

Auf der text&talk stellt Verlagsleiter Volker Surmann innerhalb des Messeprogramms aktuelle Publikationen, wie den Roman „Die Entmieteten“ von Synke Köhler, vor.

Ganz dem Namen nach steht der Verlag für Freigeist und eine unkonventionelle Autorenschaft, gepaart mit persönlichem Engagement und einer liebevollen Buchgestaltung.

Allgemein, Autor*innen, Bücher, NRW-Buchmesse, Porträt

text&talk: Rodneys Underground Press

Unbequem, anarchisch, direkt – Als Sprössling der Social Beat-Bewegung publiziert Rodneys Underground Press unter Verleger Roland Adelmann gesellschaftskritische Literatur und das bis heute. In Zeiten von ebook und Online-Vertrieb veröffentlicht der Verlag ausschließlich in gedruckter Form und setzt damit ein Zeichen gegen die digitale Massenabfertigung auf dem heutigen Buchmarkt. Mehr im heutigen Portrait: 

Seit 27 Jahren verlegt und vertreibt der Verlag rund um Roland Adelmann Underground-Literatur in gedruckter Form. Und das ausschließlich. Vor dem Hintergrund des digitalen Zeitalters ist der Buchdruck bei Rodneys Underground Literatur (RUP) zu einer Revolte gegen die Schnelllebigkeit und den Untergang von Magazinen und Zeitschriften geworden. RUP setzt vor allem auf Literatur, die nicht konform ist und das auch gar nicht sein will. Sie soll (gesellschafts-)kritisch, politisch und gerne unbequem sein – und das vollkommen unabhängig von Online-Vertreibern wie Amazon. Der Literatur und den Autor*innen wird hier größtmöglicher Respekt gezollt, „Schließlich haben die Schriftsteller und Schriftstellerinnen Schweiß, Tränen und Blut vergossen für ihre Werke.“

Zur Autorenschaft zählen die wichtigsten Vertreter*innen der Underground-Literatur, die ein vielfältiges Programm aus feinster Lyrik und gehaltvoller Prosa garantieren. Eine Ladung sozialen Sprengstoff gibt es inklusive.

Die Anfänge von Rodneys Underground Press liegen in der vor allem in den neunziger Jahren stark präsenten Social Beat-Bewegung. In den 1980ern wurden die ersten Grundsteine der Bewegung gelegt, denn durch die neue Technologie des Kopierens konnte jeder, der wollte, billig und schnell seine Gedanken aufs Papier bringen und vervielfältigen. Vor allem die Punks verbreiteten mit ihren sogenannten Fanzines Texte, Gedichte oder Pamphlete, in denen es um Musik, Konzerte und das eigene Leben ging.

Mit der Anthologie „Downtown Deutschland“ wurden die Gedanken der aufkeimenden Szene erstmals in ein Buch gefasst. Im weiteren Verlauf wurde die Szene vor allem durch verschiedene große Social-Beat Literaturfestivals weiter aufgebaut, gleichzeitig stellte sich aber auch immer mehr die Frage, was Social Beat überhaupt war. Vielleicht ein neues literarisches Bewusstsein, das dazu führte, den Schrott in der Gesellschaft auszugraben und sichtbar zu machen.

Mit Büchern wie „Die letzten Überlebenden von No Future“, „Bier im Frühstück, Tschernobyl im Arsch“ (Adelmann), „Leben gefährdet die Gesundheit“ (Hermann Borgeding) oder „Die totale Verkommenheit“ (Jenz Dieckmann) gehen die Autor*innen bei RUP unter anderem auf die Abgründe und das Scheitern der modernen Gesellschaft ein. Dabei steht vor allem der einzelne Mensch im Vordergrund, der versucht, sein eigenes Leben innerhalb dieser Strukturen zu verwirklichen.

All das muss beim Verlag aber nicht nur in Büchern diskutiert werden, sondern findet sich manchmal auch einfach ’nur‘ in einem Chapbook, die schon in den Anfängen der Social Beat Bewegung gefeiert und begehrt waren. Neben diesen und weiteren Publikationen erscheint in mittlerweile sechster Ausgabe das Magazin „MAULhURE“.

Durch die beständige gesellschaftliche Kritik und das Erfassen der menschlichen Existenz abseits des literarischen Mainstreams schafft sich RUP in Zeiten, in denen das Lesen immer mehr als Zeitverschwendung betrachtet wird, einen eigenen Platz: Literatur, die echt ist und trotzdem oder gerade weil sie aneckt, den Freigeist des Einzelnen wachzurütteln vermag. Und solange bis alles einmal ausstirbt und die Gesellschaft dann doch vollends den Glauben an das Buch verliert, wird bei Rodneys Underground Press weiter gedruckt und daran erinnert, dass Lesen immer noch die schönste Zeitverschwendung ist.

 

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text&talk: Der Ardey-Verlag

In der Region für die Region: Im Ardey Verlag wird Westfalen aufs Papier gebracht. Das Kulturmagazin „Westfalenspiegel“ erscheint alle zwei Monate im Verlag und hat mit einem Mix aus aktuellen Nachrichten, umfangreichen Reportagen, gehaltvollen Essays und Buchrezensionen mittlerweile Kultstatus in der Region erreicht. Mehr über den Verlag im Portrait: 

 

Der Ardey-Verlag wurde bereits 1951 gegründet, damals noch mit Sitz in Dortmund. Namensgebend war ein Höhenzug zwischen Hagen und Dortmund. In der Anfangzeit reicht das Buchprogramm von wissenschaftlichen Publikationen, über belletristische Werke bis hin zu offensichtlichen Kitschromanen: In der Publikationsliste des Jahres 1952 findet sich Schelskys Wandlungen der deut­schen Familie in der Gegenwart neben Bildbänden. Daneben verlegt man so genannte „Frauenromane“ und unterhält eine Reihe „Der aktuelle Filmroman“, die sich „von gewissen, Anstand und Geschmack verletzenden Druckerzeugnissen abzugrenzen“ wünscht und „auf anständige und kurzweilige Art und Weise unterhalten“ möchte – mit Titeln wie Die Frauen des Herrn S., ein heiterer Roman zum Film mit Sonja Ziemann, Paul Hörbiger, Rudolf Platte, Walter Giller und anderen. Aber auch Literatur für höhere Ansprüche wird bei Ardey verlegt.

Zwischenzeitlich wird die Buchproduktion in den 1970er Jahren eingestellt und erwacht erst zu Beginn der 1990er Jahre wieder zu neuem Leben. Sitz des Ardey-Verlags ist heute Münster. Wir bieten in unseren Büchern ein abwechslungsreiches Programm zu Westfalens Vergangenheit und Gegenwart, zur westfälischen Kultur, Literatur und Geschichte sowie zum Archivwesen. Neben dem Buchprogramm erscheint im Ardey-Verlag das Kulturmagazin Westfalenspiegel, 1951 der eigentliche Gründungsanlass des Verlags. Mittlerweile ist der Westfalenspiegel, das alle zwei Monate erscheinende Kulturmagazin für Westfalen-Lippe, aus der westfälischen Medienlandschaft nicht mehr wegzudenken. In jeder Ausgabe erwartet die Leser ein spannender Mix aus aktuellen Nachrichten, interessanten Reportagen, Hintergrundberichten, exklusiven Interviews, Porträts, Essays und Buchrezensionen. Außerdem Kulturtipps und Termine, die in dieser Zusammenstellung in anderen Medien und in der Tagespresse nicht zu finden sind.

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text&talk: Literatur der Zukunft

Wir freuen uns auf den Verlag „Literatur der Zukunft„, der in diesem Jahr zum ersten Mal mit einem Stand auf der text&talk vertreten ist. Das Programm: ‚neue Literatur für unabhängige Leser‘, Prosa fernab von Markt und Mainstream, einzigartig in Typographie und Covergestaltung und in einem stetigen Crossover mit anderen Künsten. Dahinter steht Verlegerin Bettina Nolting seit 2012 mit Hingabe und Herzblut, liebevoll begleitet von einem Team freier, künstlerisch autonomer Partner. Mehr im Portrait:

 

Der Verlag ist seit 2012 unter der Leitung von Bettina Nolting aktiv und hat seine Heimat in Blomberg. Das Programm  bietet ‚neue Literatur für unabhängige Leser‘, fernab von Markt und Mainstream und gestützt von einer kompromisslosen literarischen Qualität sowie individueller Typographie und künstlerischer Covergestaltung, dabei liebevoll begleitet von einem Team freier, künstlerisch autonomer Partner. Neben Prints und eBooks, bietet der Verlag auch Hörbuchfassungen einiger erschienener Werke an und befindet sich über die Verlagsarbeit hinaus in einem stetigen Crossover mit anderen Künsten wie der Musik, Fotografie oder Malerei.  Dabei versteht er sich als ein unabhängiges Künstlernetzwerk, in dem die Einflüsse der verschiedenen Künste aufeinander treffen und miteinander verbunden werden. Dies geschieht nicht nur in der Buchproduktion, zum Beispiel im Rahmen einer Covergestaltung, sondern fließt auch in die Arbeit des Verlags als Veranstalter mit ein. In diesem Jahr war „Literatur der Zukunft“ mit drei Veranstaltungen auf der Leipziger Buchmesse vertreten. Autor Hannes Sonntag präsentierte im Mendelssohn-Haus vor voll besetztem Auditorium seinen neuen Roman „Solange es noch geht“ im favorisierten ‚Doppel-Ton‘-Format, lesend und im Wechsel als Konzertpianist. In einem neuen Hörbuch-Projekt des Verlags wird eine klassische japanische Erzählung von einem Schauspieler gelesen und durch Jazzmusik begleitet und interpretiert.

Vom Holzschnitt bis zur detaillierten Zeichnung kommt es auch in der Covergestaltung zur Verschmelzung zwischen Literatur und Kunst, die jedem Titel so zusätzlich eine persönliche Note gibt und den Leser auf die Suche nach seiner ganz eigenen Interpretation des Zusammenspiels zwischen Inhalt und Buchcover schickt. Für den aktuellen Roman von Hannes Sonntag wurde eigens ein Ölgemälde gefertigt, der vorherige Roman „Jaspers Fluchten“ sticht in der Covergestaltung mit feinen Linolschnitten des Minsker Künstler Igor Osters hervor. So entstehen Bücher, die man gerne liest, bestaunt und fühlt. Bei solchen Unikaten steckt die Liebe definitiv im Detail – und davon steckt eine ganze Menge drin.

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text&talk: Daedalus und Am Erker

Gemeinsam am Stand findet man am Sonntag den Daedalus Verlag von Joachim Herbst und die Literaturzeitschrift „Am Erker, die vor mehr als vierzig Jahren von Joachim Feldmann und Michael Kofort gegründet wurde. Wir freuen uns auf ein breites Verlagsprogramm von Sachbuch bis Cartoon und ganz besonders auf den neuen Lyrikalender „Fliegende Wörter“ für 2020. „Am Erker“ hat ebenfalls die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift, „Detektive, Cowboys, Sternenkrieger„, im Gepäck. Wir sind sehr gespannt! Mehr im Portrait:

 

35 Jahre Daedalus: Im Jahre 1984 gründete Joachim Herbst den Verlag in Bielefeld. Nach einer Zwischenstation in Rheda-Wiedenbrück ist seit 1990 der Verlagssitz Münster.

In den ersten Jahren konzentrierte sich das Programm auf sozialwissenschaftliche Titel und das politische Sachbuch. Mit der Zeit kamen Bücher aus anderen Wissensbereichen hinzu. Kooperationen mit NRW-Institutionen wie dem Landesverband des Börsenvereins zum jährlichen Welttag des Buches, der Kunststiftung NRW oder der Nyland-Stiftung bildeten sich im Laufe der Verlagsgeschichte heraus. Inzwischen bietet Daedalus auch zahlreiche Titel an, die eine breite Leserschaft ansprechen – darunter ein angesehenes Programm zum Thema Medien und Anthologien. Neben dem Sach- und Fachbuchprogramm, erfolgreicher Regionalliteratur und Büchern zur Kunst gibt es seit 26 Jahrgängen ein wiederkehrendes Glanzlicht im Verlagsprogramm: den Lyrikkalender „Fliegende Wörter“. Die aktuelle Ausgabe für das Jahr 2020 dieses „Gesamtkunstwerks“ (BuchJournal) wird bei der text&talk neben anderen Neuerscheinungen vorgestellt.

Daedalus wird in diesem Jahr von der Literaturzeitschrift „Am Erker“ begleitet, die zweimal jährlich im Verlag erscheint. Vor mehr als vierzig Jahren als alternatives Szeneblatt von Joachim Feldmann und Michael Kofort gegründet, hat sich die Münsteraner Zeitschrift zu einem anerkannten Forum für erzählende Literatur entwickelt. Dabei favorisiert „Am Erker“ einen „Typus von Literatur, der einen ironischen Realismus mit einem ausgeprägten Sinn für Komik verbindet“ (Saarländischer Rundfunk). In den buchstarken Heften finden sich neben neuer Kurzprosa vornehmlich deutschsprachiger Autor*innen auch literarische Essays und ein umfangreicher Rezensionsteil, „in dem der feierliche Feuilleton-Ernst auf äusserst intelligente und witzige Weise konterkariert wird“ (Basler Zeitung). Außerdem wird die Zeitschrift seit Heft Nr. 40 regelmäßig durch die Krimi-Kolumne „Mord & Totschlag von Joachim Feldmann erweitert. Auf der text&talk ist die neueste Ausgabe „Detektive, Cowboys, Sternenkrieger“ erhältlich. Nr. 77 der Münsteraner Zeitschrift versammelt kurze Texte, die das Triviale zum Leuchten bringen, verblüffende Geschichten aus dem fiktiven Alltag der genialen Detektive, der diabolischen Schurken im Sattel wild galoppierender Pferde, der Sternenfahrer in den Weiten des Weltalls oder aller in den Armen der Liebe Schmachtenden.

Allgemein

text&talk: Galerie Wittkamp

Wir freuen uns sehr, die Galerie Wittkamp, bestehend aus Künstlerin Annette Wittkamp-Fröhling und ihrem Mann, dem Dichter und Maler Frantz Wittkamp, auf unserer Messe am Sonntag begrüßen zu dürfen! Frantz Wittkamp hat dabei nicht nur für seinen Stand im Messezelt hohe Dichtkunst im Gepäck, sondern wird im Rahmen unseres Leseprogramms gemeinsam mit Jutta Richter und Arnold Maxwill aus unserer hauseigenen Reihe „roterfadenlyrik“ lesen. Mehr im Portrait:

 

Seit 1976 gibt es sie schon – die Galerie der Familie Wittkamp. Gegründet wurde sie von Annette Wittkamp-Fröhling, die dort bis heute Gartenplastiken in Bronze und Figuren in allen Größen aus Stuck mit Acryl bemalt ausstellt. In Lüdinghausen, der Heimat der Künstler, und stehen viele Bronzeplastiken von Annette Wittkamp-Fröhling. Sie stellen Persönlichkeiten dar, die der Stadt geschichtlich verbunden sind.

Neben ihren Arbeiten stellt sie in der Galerie auch die Bilder ihres Mannes Frantz Wittkamp aus. Dieser arbeitet seit 1970 als Kinderbuchillustrator, Grafiker, Maler, Dichter und Objektkünstler. Mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Förderpreis des Landes NRW, dem „Großen österreichischen Staatspreis für Kinderlyrik“ und dem Hörbuchpreis des Hessischen Rundfunks, findet man seine Gedichte nicht nur in zahlreichen Anthologien und Lesebüchern deutschlandweit, sondern auch im Ausland. 2017 erschien die englische Übersetzung des Buches „In die Wälder gegangen, einen Löwen gefangen“ bei Two Hoots mit dem Titel “Fish Dream of Trees“. Seit 1980 erscheinen seine Gedichtbücher bei Beltz und Gelberg, im Coppenrath Verlag und im Alphabeet Verlag. Auf der text&talk wird Frantz Wittkamp gemeinsam mit Jutta Richter und Arnold Maxwill aus der Reihe „roterfadenlyrik“ lesen, einer Zusammenarbeit zwischen dem Literaturmuseum Haus Nottbeck und dem vorsatzverlag, in der wichtige lyrische Stimmen Westfalens in regelmäßiger Folge erscheinen.