Lesungen, Was läuft?

Literatur Live!


Markus Berges‘ liest am 16.7 in der Nottbecker Specs Op- Lounge aus seinem grandiosen Romandebüt

Wenn Musiker Bücher schreiben, geht das meist schief. Ganz anders bei Markus Berges, Gitarrist und Songschreiber der Band „Erdmöbel“. Für seinen ersten Roman „Ein langer Brief an September Nowak“ hat er sich viel Zeit gelassen – und alle Welt applaudiert. Zu Recht, denn Berges beweist, dass er nicht nur knappe Songlyrik schreiben kann, sondern auch den Atem für über 200 Buchseiten mitbringt.
„September Nowak“ erinnert auf den ersten Blick nicht an Erdmöbel-Songtexte. „Mit dem Buch wollte ich einfach etwas komplett anderes machen“, sagt Berges, „der Roman sollte auf keinen Fall erdmöbelig werden“. Also kein kalkulierter Pop-Roman, mit dem der Autor auf Nummer sicher ging. Was aber dann?
Wir blenden zurück in die 1990er Jahre, als man sich noch Briefe schrieb und nicht via Facebook etc. die Möglichkeit hatte, mit seiner Identität Camouflage zu betreiben. In eben jener Zeit spielt Berges‘ Roman. Selbstverwirklichung ging damals noch anders. Zum Beispiel haute man von zu Hause ab. Das macht auch die 19-jährige Betti Lauban nach ihrem Abitur.
Von ihrem Vater hatte sie als Lebensmantra eingebläut bekommen: „Vergiss nie, woher du kommst.“ Das kann Betti auch nicht, auch wenn sie es wollte. Sie kommt aus der westfälischen Provinz, aus Warendorf. Und will an die Côte d’Azur. Dort wohnt ihre Brieffreundin September Nowak. Was für ein verheißungsvoller Name! Ähnlich assoziationsbeladen wie Monaco, wo September angeblich wohnt. Als Betty in Südfrankreich ankommt, erlebt sie jedoch eine böse Überraschung. Es gibt weder eine September Nowak, noch tanzt diese Ballett, verbringt ihren Winter in mondänen Skihütten oder tummelt sich im Yachthafen. Die Brieffreundin ist hässlich, fettleibig und Tochter einer Putzfrau in einem grauen Vorort Nizzas. Betti ist einem üblen Täuschungsmanöver aufgesessen. Schockiert sucht sie das Weite. Was sie mitnimmt, ist der erfundene Name der Brieffreundin. Und nun entwirft sie eine fiktive Biografie, was ihr leichter fällt als „die Wahrheit, die in ihr steckte wie taubes Gestein in einem Bergwerk“. Als September Nowak unternimmt sie einen Road-Trip durchs sommerliche Südfrankreich, lässt sich treiben, schliddert in mehr oder weniger spannende Abenteuer.
Zwei Jahre hat Berges an „Der lange Brief der September Nowak“ gearbeitet. Begonnen hatte alles mit einer Anfrage eines Verlags, der von seinen Songtexten angetan war. Mit Erdmöbel, sagt Berges, sei er „musikalisch angekommen“, das sei „seine absolute Konstante“. Es sei aber auch aufregend gewesen, sich als Autor neu zu entdecken. Mit einer Sommer-Geschichte, die in Frankreich spielt, in dem Land, das Markus Berges besonders liebt, das er jedes Jahr besucht, „obwohl er sich gerade mal mit Müh‘ und Not einen Cafe bestellen kann, weil er sein Schul-Französisch längst verlernt hat…“.
Am 16. Juli wird Markus Berges in Nottbeck nicht nur mit Erdmöbel ein sicherlich grandioses Konzert abliefern, sondern auch aus seinem Roman lesen. September Nowak kommt ihrer Heimatstadt Warendorf also ganz nahe. Wird sie bei Lesung und Konzert zugegen sein? Wird man sie im Publikum entdecken können?
Walter Gödden

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